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Akute Leukämie

Leukämien sind bösartige Erkrankungen des Bluts, weshalb sie auch als "Blutkrebs" bezeichnet werden. Wörtlich übersetzt bedeutet Leukämie "weißes Blut": Schon bevor man das Blut mit Laborverfahren untersuchen konnte, fiel bei Leukämiepatienten ein weißer Rand auf der roten Blutsäule auf, wenn man das Blut eine Zeit lang in einem Glasröhrchen stehen ließ. Verursacht werden die Leukämien durch eine ungehemmte Vermehrung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten).

Je nach Verlauf der Erkrankung werden akute und chronische Leukämien unterschieden. Eine akute Leukämie kann in jedem Lebensalter auftreten. Ohne Behandlung führt sie meistens schon nach wenigen Wochen oder Monaten zum Tod. Chronische Leukämien beginnen schleichend und verlaufen meistens über mehrere Jahre hinweg. Männer sind etwas häufiger von Leukämien betroffen als Frauen, bei Kindern sind Leukämien die häufigste Krebserkrankung.

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Diagnostik

Bei der Diagnostik der akuten Leukämien ergänzen sich Blut- und Knochenmarksuntersuchungen.

Blutuntersuchungen
Die erste Orientierung ermöglichen eine Laboruntersuchung des Blutes und ein Differentialblutbild. Dabei finden sich in der Regel eine Blutarmut (Anämie) und ein Mangel an Blutplättchen, der für die erhöhte Blutungsneigung verantwortlich ist. Die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen ist mit 30000 bis 100000, in seltenen Fällen bis 300000 pro Mikroliter Blut deutlich erhöht. Normal sind Werte bis 10000 Leukozyten in einem Mikroliter Blut.

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Einteilung der Leukämien

Zusätzlich zur Unterscheidung nach ihrer Verlaufsform werden Leukämien auch nach der Herkunft der betroffenen Zellen unterschieden.

Wenn die Ursprungszellen einer Leukämie aus der sogenannten myeloischen Zellreihe stammen (dazu gehören z. B. die Granulozyten und die Erythrozyten), spricht man von myeloischer Leukämie. Stammen sie aus der lymphatischen Zellreihe (dazu gehören z. B. die B- und T-Lymphozyten) handelt es sich um eine lymphatische Leukämie.

Aufgrund der Zelloberflächen und Zellmerkmale lassen sich diese beiden Hauptgruppen der Leukämien in zahlreiche Untertypen untergliedern.

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Symptome und Beschwerden

  • Blutarmut mit Müdigkeit, Schwäche und Atemnot
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Gewichtsverlust, Nachtschweiß und Fieber
  • Erhöhte Blutungsneigung mit Schleimhautblutungen, Nasenbluten und Blutergüssen
  • Linsengroße oder flächige Einblutungen in die Haut
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Eventuell vergrößerte Lymphknoten
  • Knochenschmerzen, vor allem bei Leukämien im Kindesalter
  • Zahnfleischwucherungen
  • Hautveränderungen
  • Juckreiz

Die Beschwerden sind bei allen Leukämien und Lymphomen (Tumoren des lymphatischen Systems) unabhängig von der entarteten Zellreihe ähnlich, da als Folge dieser Erkrankungen immer eine ausgeprägte Funktionseinschränkung des gesamten Knochenmarks auftritt. Durch die massive Ausbreitung der Krebszellen im Knochenmark kommt es zu einem Mangel an gesunden Blutzellen. Die Zahl der roten Blutkörperchen, der Blutplättchen sowie der funktionstüchtigen weißen Zellen ist meist stark verringert.

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Therapie

Konventionelle Medizin

Die Behandlung von akuten Leukämien erfolgt durch eine Chemotherapie mit Zytostatika, also mit Substanzen, die das Wachstum und die Vermehrung von Zellen verhindern oder verzögern. Ziel der Chemotherapie ist es, alle Krebszellen zu zerstören. Ergänzend werden bei vielen Patienten gesunde Knochenmarkzellen eines Spenders transplantiert, um das blutbildende System wieder funktionsfähig zu machen. Zusätzlich kann auch eine Strahlentherapie sinnvoll sein. Die sehr belastende Therapie muss unter optimalen Bedingungen stattfinden und daher sehr gut vorbereitet werden.

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Ursachen

lymphatische Leukämie

Normalerweise entwickeln sich aus den Stammzellen des Knochenmarks über zahlreiche Zwischenstufen reife Blutzellen. Kommt es dabei zu einem Fehler, kann die betroffene Zelle entarten: Die Zellteilung unterliegt keiner Kontrolle durch den Organismus mehr. Durch weitere Teilungen können dann aus einer einzigen entarteten Zelle unzählige fehlerhafte weiße Blutkörperchen entstehen, die zahlreiche Organe befallen und schädigen können.

Warum es zu solchen Fehlern kommt, ist nicht genau bekannt. Eine eindeutige Ursache für die Entstehung von Leukämien konnte bisher nicht gefunden werden. Es ist jedoch bekannt, dass es verschieden Risikofaktoren gibt. Erbliche (genetische) Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. So wird das Auftreten einer akuten myeloischen Leukämie bei Menschen mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) besonders häufig beobachtet.

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Links

Leukämie bei Erwachsenen - „Blauer Ratgeber“ der Deutschen Krebshilfe
Leukämie bei Erwachsenen - Informationen des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums für Patienten und Angehörige
Informationen zu Leukämien für Patienten auf der Website des Kompetenznetzwerks Leukämien
Informationen über bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems auf www.kinderkrebsinfo.de
S.E.L.P. - Selbsthilfevereinigung zur Unterstützung erwachsener Leukämiepatienten
Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe
Deutsche Kinderkrebsstiftung
DKMS - Deutsche Knochenmarkspenderdatei
Deutsche Krebshilfe
Österreichische Krebshilfe
Krebsliga Schweiz
Deutsches Krebsforschungszentrum
Deutsche Krebsgesellschaft
Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung


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