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Diabetes mellitus Typ I

Der Diabetes mellitus, allgemein als "Zuckerkrankheit" bekannt, ist ein Sammelbegriff für Störungen des Glukosestoffwechsels, die unbehandelt mit chronischen Blutzuckererhöhungen einhergehen. Oft ist auch der Zucker im Harn erhöht, daher erklärt sich die Bezeichnung Diabetes mellitus ("honigsüßer Durchfluss").

In Deutschland werden die diagnostizierten Diabetesfälle nicht gemeldet oder registriert. Darum ist die genaue Zahl der Erkrankten nicht bekannt; Schätzungen gehen von etwa vier Millionen aus. Experten vermuten eine hohe Zahl unerkannter Krankheitsfälle und sprechen davon, dass bis zu acht Prozent der Bevölkerung von Diabetes betroffen sein könnten.

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Akute Komplikationen

Auch beim behandelten Diabetes mellitus können ausgeprägte Unter- oder Überzuckerungen zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. Dem Diabetiker selbst und seinen Angehörigen sollten die Zuckererkrankung, die möglichen Gefahren und geeignete Gegenmaßnahmen genau bekannt sein.

Ketoazidotisches Koma
Beim so genannten ketoazidotischen Koma diabetikum handelt es sich um einen Zustand, der mit starker Überzuckerung beim Diabetes mellitus Typ I einhergeht. Die Zuckererkrankung kann sich zuerst durch diese Stoffwechselentgleisung bemerkbar machen. Aber auch bei bekannter Diagnose besteht vor allem bei unterlassenen Insulininjektionen oder bei mangelhafter Anpassung in Situationen erhöhten Insulinbedarfs, z.

Durch den Insulinmangel kommt es neben der Überzuckerung zu einer schweren Austrocknung des Körpers und gleichzeitig zur Übersäuerung des Bluts (Azidose). Fett wird verstärkt abgebaut und daraus saure Ketonkörper (Azeton) gebildet.

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Diagnose

Blutzuckermessung
Bei ausgeprägter Symptomatik genügt eine Blutzuckermessung irgendwann im Verlauf des Tages zur Diagnosestellung, weil der Wert dann so hoch liegt, wie er bei einem Gesunden niemals erreicht wird (über 200 mg/dl). Liegt der Blutzuckerwert in einem Bereich, den Gesunde nach einer Mahlzeit erreichen können, wird die Blutzuckerbestimmung wiederholt. Die Untersuchung des Blutzuckers im kapillären Vollblut nach mindestens achtstündiger Nüchternheit (z.

Harnuntersuchung
Wenn der Blutzuckerspiegel die Schwelle von 180 mg/dl übersteigt, lässt sich Zucker auch zusätzlich im Urin nachweisen. Dies ist mit einfachen Tests möglich (Urinteststreifen).

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Spätkomplikationen

Diabetische Gefäßkrankheiten
Generell können alle Diabetesformen sämtliche Organe des Körpers durch Gefäßveränderungen schädigen. Allerdings stehen beim Diabetes mellitus Typ I die Schäden der kleinen Gefäße (Mikroangiopathien) im Vordergrund.

Dabei handelt es sich um diabetesspezifische Verdickungen der Gefäßinnenwand. Diese Veränderungen führen besonders im Bereich der Nieren, der Augen, der Nerven und der Füße zu längerfristig kaum beherrschbaren Komplikationen. Unter der Makroangiopathie (Befall der großen Gefäße) versteht man eine Form der Arteriosklerose, bei der Gefäßverschlüsse z.

Diabetische Nierenerkrankung
Die Entwicklung der diabetischen Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie, Glomerulosklerose) richtet sich nach der Erkrankungsdauer und der Qualität der Blutzuckereinstellung. Insgesamt leidet fast ein Drittel der insulinpflichtigen Diabetiker 20 bis 25 Jahre nach Erstdiagnose an einer schweren Nierenschädigung. Die Niere kann ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr wahrnehmen, so dass vor allem Schadstoffe aus dem Eiweißabbau im Körper verbleiben und zu Vergiftungserscheinungen führen (Urämie, Nierenversagen). In diesem Stadium können nur die regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) bzw. auf längere Sicht eine Nierentransplantation das Leben des Betroffenen retten.

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Symptome und Beschwerden

  • Stark gesteigertes Durstgefühl und vermehrtes Trinken
  • Stark vermehrte Urinausscheidung
  • Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit und Leistungsminderung
  • Juckreiz der Haut
  • Entzündungen der Haut
  • Potenzstörungen
  • Menstruationsstörungen
  • Sehstörungen
  • Nächtliche Wadenkrämpfe

Die Entwicklung zur Diabeteserkrankung verläuft beim Typ I relativ rasch. Trotzdem können die Beschwerden eine Zeit lang unbemerkt bleiben. Die Patienten leiden meist unter Müdigkeit, Leistungsminderung und Bewegungsunlust. Da zur Ausscheidung der erhöhten Blutzuckermenge viel Wasser notwendig ist, müssen die Patienten häufig und viel Harn lassen (Polyurie), dem Körper wird dabei Wasser entzogen (Exsikkose). Die Erkrankten haben ein stark gesteigertes Durstgefühl und trinken extrem viel (Polydipsie). Die Nachtruhe wird durch den Harndrang und den Durst öfters unterbrochen. Es kommt zu Appetitlosigkeit und das Körpergewicht nimmt ab, weil der Zucker nicht verwertet wird. Ein starker Juckreiz der Haut kann ebenso wie Sehstörungen und nächtliche Wadenkrämpfe durch Störungen des Mineralienhaushalts im Körper hinzukommen. Auch Zeichen der Abwehrschwäche mit Pilzinfektionen der Haut und Schleimhäute sowie Furunkelbildungen (Entzündungen der Haarbälge) begleiten den Typ-I-Diabetes.

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Therapie

Chronische Komplikationen des Diabetes mellitus

Konventionelle Medizin

Da der Typ-I-Diabetes auf einem absoluten Insulinmangel beruht, muss Insulin zugeführt werden, um den Blutzucker zu senken. Insulin wird in das Unterhautfettgewebe (subkutan) gespritzt. Die Injektion kann der Patient dank moderner Spritzsysteme, die einem Füllfederhalter gleichen und leicht zu handhaben sind (Pen), nach Anleitung selbst vornehmen. Bei kleineren Kindern werden die Eltern in der Spritztechnik geschult.

Das Behandlungsziel ist die Vorbeugung diabetischer Komplikationen durch das Anstreben eines möglichst normalen Zuckerstoffwechsels. Der Blutzuckerwert sollte nüchtern, vor den Mahlzeiten und zwei Stunden nach den Mahlzeiten unter 130 mg/dl liegen, eine Stunde nach den Mahlzeiten darf er auf max. 160 mg/dl ansteigen. Außerdem soll durch eine individuell maßgeschneiderte Insulintherapie eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) vermieden werden.

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Ursachen

Die Ursache für die Zuckererkrankung Jugendlicher liegt in der schnellen Zerstörung der Zellen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise Insulin bilden (Betazellen in den Langerhans'schen Inseln). Das Hormon Insulin stimuliert die Körperzellen dazu, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Insulin senkt dadurch den Blutzuckerspiegel.

Meist führen Erkrankungen des körpereigenen Abwehrsystems (Autoimmunerkrankungen) und seltener andere Erkrankungen zur Entzündung und schließlich zur Zerstörung der Bildungsorte für Insulin. Vermutlich kann die Veranlagung für eine Diabeteskrankheit in einzelnen Fällen vererbt werden. Beim Auftreten von Beschwerden sind bereits 80 bis 90 Prozent aller Insulin bildenden Zellen zerstört. Als Auslöser für die Erkrankung werden Virusinfektionen (Masern, Mumps, Grippe) oder andere Belastungen diskutiert.


Links

Deutscher Diabetiker Bund
Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher
Deutsche Diabetes-Gesellschaft
Deutsche Diabetes-Stiftung
www.diabetesweb.de
Diabetesgate
Diabetesinfo
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie


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