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Hüftgelenksdysplasie

Der Fachbegriff Dysplasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Fehlbildung. Die Hüftgelenksdysplasie ist eine angeborene Entwicklungsstörung der Hüftgelenkspfanne, die zu Störungen bei der Verknöcherung und Fehlbildungen (Abflachung) in diesem Bereich führt. Bei Kindern mit Hüftgelenksdysplasie ist das Risiko erhöht, dass sie eine Auskugelung (Luxation) des Hüftkopfs erleiden. Im Erwachsenalter haben sie ein erhöhtes Risiko, eine Hüftgelenksarthrose zu entwickeln.

Die Hüftgelenksdysplasie ist die häufigste angeborene Skelettfehlbildung. In Deutschland sind etwa vier Prozent der Neugeborenen betroffen, Mädchen sechsmal öfter als Jungen. Bei etwa 40 Prozent aller Fälle ist die Störung beidseitig.


Diagnostik

Im Rahmen der routinemäßigen Neugeborenenuntersuchungen führt die Ärztin in den ersten Lebenstagen grundsätzlich eine erste Untersuchung der Hüfte, eventuell auch eine Ultraschalluntersuchung durch. Unerfahrene Untersucher übersehen jedoch häufig eine Hüftgelenksdysplasie durch Kippfehler bei der Führung des Schallkopfs.

Bei der Kinderuntersuchung U3, die in der 4. bis 5. Lebenswoche stattfindet, ist die Ultraschalluntersuchung der Hüften ein fester Programmpunkt.

Bei unklarem Befund, bei Verdacht auf eine Hüftdysplasie oder bei familiärer Vorbelastung sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Untersuchung von einem sehr erfahrenen Kinderarzt, gegebenenfalls von einem Orthopäden durchgeführt wird.

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Komplikationen

Eine Hüftgelenksdysplasie sollte immer behandelt werden, denn sie kann zu verschieden stark ausgeprägten Folgeerkrankungen führen.

Bei unbehandelten Kindern kann es zu erheblichen Langzeitfolgen kommen. Das Bein auf der kranken Seite kann langsamer wachsen und dünner bleiben, so dass die Kinder hinken. Der Beckenschiefstand führt dann oft zu einer Verkrümmung (Skoliose) der Wirbelsäule, die mit zunehmendem Alter zu erheblichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Bei älteren Kindern entwickelt sich infolge der Beinverkürzung eine Spitzfußhaltung mit entsprechender Fehlbelastung der Muskulatur und des Fuß- und Beinskeletts.

Auch wenn die Dysplasie nur gering ausgeprägt ist und dadurch zuerst keine ernsten gesundheitlichen Probleme verursacht, kann sie im Erwachsenenalter zu einer Arthrose des Hüftgelenks führen. Eine solche Arthrose kann so stark sein, dass ein chirurgischer Gelenkersatz erforderlich wird.


Symptome und Beschwerden

Angeborene Hüftgelenksluxation
  • Abspreizbehinderung der Beine des Säuglings
  • Asymmetrie der Hautfalten an der Hinterseite der Oberschenkel und am Gesäß
  • Watschelnder Gang beim Laufenlernen
  • Verkürztes Bein

Entscheidend für den Verlauf der Hüftgelenksdysplasie ist die möglichst frühe Erkennung, weil eine sofortige Therapie die weitere Fehlentwicklung und gravierende Komplikationen verhindern kann.

Ein leises Schnappgeräusch bei der sanften Außendrehung des Beins weist in den ersten Lebenstagen auf eine Hüftgelenksdysplasie hin. Dieser sogenannte Ortolani-Test ist allerdings umstritten, da er zu einer Beschädigung des Gelenkknorpels führen kann. Auffälliger für die Eltern und den untersuchenden Arzt ist die Asymmetrie der Hautfalten am Gesäß (Pofalten) und der Hinterseite der Oberschenkel beim aufrecht stehenden oder auf dem Bauch liegenden Kind. Diese Beobachtung ist zwar kein Beweis für eine eventuell vorliegende Hüftdysplasie, aber ein wichtiger Hinweis darauf. Sie sollte dem Kinderarzt unbedingt mitgeteilt werden. Typisch ist zudem, dass das Bein auf der betroffenen Seite in Beugestellung weniger abgespreizt werden kann als das gesunde. Oft ist das Bein auch etwas kürzer.

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Therapie

Konventionelle Medizin

Die Behandlung ist abhängig vom Alter des Kindes, der Ausprägung der Erkrankung und dem genauen Krankheitsstadium. Die Therapie ist am erfolgreichsten, wenn sie ab der sechsten Lebenswoche eingeleitet wird.

Bei Kindern mit einer leichten Dysplasie ohne Verlagerung des Hüftkopfs reicht die Ruhigstellung des Hüftgelenks in einer sogenannten Spreizhose aus. Dadurch werden Hüftkopf und Hüftpfanne in die richtige Position zueinander gebracht und können nachreifen. Durch das Strampeln in richtiger Lage wird der Berührungsreiz zwischen den Hüftgelenksanteilen begünstigt, der für den Verknöcherungsprozess erforderlich ist.

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Ursachen

Die Ursachen der Fehlbildung sind noch nicht vollständig geklärt, es scheinen jedoch unterschiedliche Faktoren beteiligt zu sein. Dazu gehört auch die genetische Veranlagung, bisher konnte allerdings noch nicht geklärt werden, welche Gene im Einzelnen beteiligt sind.

Für die normale Entwicklung der Hüftgelenke im Mutterleib und in den ersten Lebensjahren ist das korrekte Zusammenspiel verschiedener Faktoren erforderlich. Berührungsreize zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne, die von ihrer Stellung zueinander abhängen, beeinflussen den formbildenden Verknöcherungsprozess der Pfannenanlage. Andererseits nimmt die Pfannenreifung Einfluss auf die Ausrichtung von Kopf und Schenkelhals. Laufen diese Selbststeuerungsmechanismen ungestört ab, dann entwickelt sich ein stabiles und belastbares Hüftgelenk. Eine Störung führt hingegen zu einer unzureichenden Reifung der Hüftgelenksanteile. Einerseits resultiert daraus eine mangelhafte Verknöcherung, andererseits eine flache und steile Pfanne, die den Oberschenkelkopf nicht richtig umschließt.

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Verlauf

Am Anfang des Prozesses steht die unzureichende Verknöcherung der Hüftpfanne. Hüfte und Oberschenkelkopf sind beim neugeborenen Kind noch knorpelig, weich und verformbar. Das Dach der Hüftpfanne ist flach und steil gestellt, so dass es dem Hüftkopf noch kaum Halt bieten kann. Für die normale Entwicklung und Verknöcherung der am Hüftgeleng beteiligten Knochen ist es in dieser Phase (3. bis 9. Lebensmonat) sehr wichtig, dass die Stellung von Hüftkopf und -pfanne richtig ist: Die bei Bewegungen des Gelenks entstehenden Kräfte sorgen im gesunden Gelenk für eine regelmäßige Verknöcherung. Weil das bei Kindern mit einer Hüftgelenksdysplasie nicht gegeben ist, besteht die Gefahr, dass das Hüftgelenk „falsch“ verknöchert und zu flach bleibt.

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Links

www.orthinform.de - Patienteninformationsportal des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie
Berufsverband der Deutschen Chirurgen
Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
www.endoportal.de - Informationen über künstlichen Gelenkersatz


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