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Polyneuropathie

Als Polyneuropathie bezeichnet man die Erkrankungen mehrerer oder aller peripheren Nerven, also jener Nerven, die vom Rückenmark oder dem Hirnstamm zu den »Erfolgsorganen« wie Muskeln oder Haut ziehen und Informationen aus dem Umfeld zum Rückenmark vermitteln. Dazu besitzt jeder Nerv eine komplexe Struktur, die aus der Nervenzelle (Neuron), der Nervenfaser (Axon) und der sie umgebenden äußeren Hülle, der Markscheide (Myelinscheide), besteht. Bei Schädigungen der Markscheide oder des Axons kann der Nerv seiner Aufgabe, der Impulsvermittlung, nicht mehr nachkommen. Das Gehirn erhält keine oder falsche Informationen, so dass z.

Die Polyneuropathie (abgekürzt PNP) ist eine häufige Krankheit und tritt vor allem im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Diphtherie auf. Sie kann Personen jeden Alters betreffen, zeigt sich jedoch häufiger bei älteren Menschen.


Diagnostik

Erste Untersuchungen des Bluts werden eine möglicherweise zugrunde liegende Erkrankung anzeigen.

Bei der klinischen Untersuchung deutet neben dem sichtbaren Muskelschwund, der zu einem schmächtigen Körperbau führt, das Fehlen der Muskeleigenreflexe auf eine Erkrankung der peripheren Nerven hin.

Das symmetrische Auftreten der schlaffen Lähmungen hilft, die Polyneuropathien von viral bedingten schlaffen Lähmungen zu unterscheiden, z.

Die Nervenleitgeschwindigkeit, d.

Bei Verdacht auf eine vererbte Polyneuropathie ermöglicht eine molekulargenetische Untersuchung die Bestimmung des gestörten Genorts.

Wenn auch eine eindeutige Zuordnung zwischen Ursache und klinischem Erscheinungsbild nicht möglich ist, so lassen sich doch für verschiedene Ursachen unterschiedliche klinische Ausprägungen feststellen, die schon für die Diagnose orientierend sein können.


Sonderform: Guillain-Barré-Syndrom

Diese seltenere und wohl immunologisch bedingte Erkrankung zeichnet sich durch eine Entzündung der peripheren Nerven (Polyneuritis) aus, die rasch zu motorischen und vegetativen Störungen führt. Zwei von 100.000 Menschen sind von dieser Erkrankung betroffen. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten, bei Kindern stellt sie die häufigste Ursache für beidseitige schlaffe Lähmungen dar.

Die Symptome, wie aufsteigende, symmetrische Lähmungen, Funktionsstörungen der Gesichts- und Augenmuskulatur, seltener der Kau- und Schluckmuskeln und Atemlähmungen, treten plötzlich auf und nehmen relativ rasch einen fortschreitenden Verlauf. Seltener treten lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auf. Im Vollstadium ist der Erkrankte völlig hilflos und vollständig gelähmt, aber bei Bewusstsein.

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Symptome und Beschwerden

  • Kribbeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen in Armen und Beinen
  • Rasche Ermüdung der Beine und Gehstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Einschränkungen der Grob- und auch der Feinmotorik
  • Schlaffe, beidseitig auftretende Muskellähmungen
  • Störung der Schweißregulation
  • Blasen- und Darmentleerungsstörungen

Der Verlauf der Polyneuropathie ist sehr unterschiedlich und hängt im Wesentlichen von der Ursache ab. In der Regel verschlechtert sich die Symptomatik mit der Zeit, wobei sich diese Verschlechterung klinisch je nach Ursache innerhalb von Monaten bis Jahrzehnten auswirkt.

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Therapie

Konventionelle Medizin

Die Therapie einer Polyneuropathie hat zum Ziel, der Grunderkrankung zu begegnen und die resultierenden Störungen zu behandeln. So muss möglicherweise ein Diabetes-Kranker medikamentös neu eingestellt oder z.

Ein geeignetes Medikament gegen die Polyneuropathie gibt es nicht, jedoch Mittel zur Behandlung der Schmerzen und Sensibilitätsstörungen.

Komplementäre Medizin

Homöopathie

Zincum metallicum
(Zink), gebräuchliche Potenzierung: D3 bis D6, wird bei erschöpften Personen gewählt. Die Arme und Beine zittern und zucken. Die Füße sind dauernd in Bewegung und können nicht ruhig gehalten werden (»restless legs«). Beschwerden verschlechtern sich durch die Monatsblutung, nach dem Essen und durch Wein.

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Ursachen

Sowohl angeborene als auch erworbene Ursachen können zu einer Polyneuropathie führen.

Erworbene Form
Bei den erworbenen Polyneuropathien wird vor allem das Axon selbst geschädigt. Unter den Ursachen stehen der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und chronischer Alkoholkonsum an erster Stelle. Wesentlich seltener treten Polyneuropathien bei Schilddrüsenstoffwechselstörungen, bei wachstumshormonproduzierenden Tumoren, infolge Mangel- und Fehlernährung und bei Nierenerkrankungen auf. Daneben kommen auch durch Gift verursachte Formen vor, insbesondere im Gefolge von Schwermetallvergiftungen (Blei, Quecksilber, Gold, Arsen) sowie Vergiftungen mit technischen Lösungsmitteln, Medikamenten oder Insektiziden.

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Links

Berufsverband Deutscher Nervenärzte
Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie
Deutsche Schmerzhilfe
Deutsche Schmerzliga
Deutscher Diabetiker Bund
Deutsche Diabetes-Gesellschaft
Deutsche Diabetes-Stiftung


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