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Schaufensterkrankheit

Die Schaufensterkrankheit (auch Claudicatio intermittens) gehört zu den so genannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten (PAVK). Diese zeichnen sich durch Verengungen oder gar Verschlüsse in den körperfernen Arterien aus, die auf arteriosklerotischen Veränderungen beruhen. Zu 90 Prozent sind die Beinarterien betroffen. Die Mehrzahl der Patienten sind Diabetiker und Raucher.


Diagnostik

In 95 Prozent der Fälle lässt sich die Diagnose ohne Einsatz von Apparaten stellen. Durch das Abtasten der Pulse in den verschiedenen Stationen und durch Abhorchen der Beinarterien mit dem Stethoskop lässt sich der Bereich der Stenose gut eingrenzen. Durch die Lagerungsprobe nach Ratschow, die allerdings im fortgeschrittenen Stadium nicht angezeigt und auch nicht nötig ist, können die leichteren Grade I und II der PAVK erkannt werden. Dazu legt der Patient sich auf den Rücken, hebt die Beine maximal an und führt - für eine Minute oder bis er die Schmerzen nicht mehr erträgt - Rollbewegungen in den Sprunggelenken durch. Blasst die Fußsohle dabei stark ab, liegt sehr wahrscheinlich ein Strömungshindernis vor. Danach setzt der Patient sich auf und lässt die Beine herabhängen. Normalerweise sind die Füße nach fünf bis sieben Sekunden wieder rosig und gut durchblutet. Bei der Schaufensterkrankheit füllen sich sowohl die Venen als auch die Arterien sehr viel langsamer.

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Symptome und Beschwerden

  • Kälte- und Schwächegefühl in den Beinen
  • Muskelschmerzen bei Belastung
  • Zunehmende Einschränkung der Gehstrecke durch Belastungsschmerz
  • Unterschenkelgeschwüre durch Gewebeuntergang
  • Kälte und Blässe des betroffenen Beins

75 Prozent der Patienten mit einer Gefäßverengung der Beinarterien leiden unter keinerlei Beschwerden. Sogar wenn ein Gefäß in den Beinen zu 90 Prozent verlegt ist, müssen noch keine Symptome auftreten, wenn genügend Umgehungskreisläufe (Kollateralen) gebildet wurden, um das Bein mit Sauerstoff zu versorgen. Zu Beschwerden kommt es meist nur bei Patienten, bei denen durch mangelnde Bewegung die Kollateralisierung gering ausgeprägt ist. Dann führt der Sauerstoffmangel der Gesäß- oder Beinmuskulatur zu einer schmerzhaften Einschränkung der Gehfähigkeit. Die Patienten müssen immer wieder stehen bleiben. Da sie sich dann oft Schaufenster ansehen, bis die Schmerzen nachgelassen haben, erhielt diese Erkrankung den Namen Schaufensterkrankheit.

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Therapie

Konventionelle Medizin

An erster Stelle steht die Behandlung der allgemeinen Arteriosklerose. Die weiteren Maßnahmen richten sich nach dem Stadium der Erkrankung.

Gehtraining
Die belastungsabhängigen Schmerzen in den Stadien I und II lassen sich oft durch ein konsequentes Gehtraining (dreimal 30 Minuten pro Tag mit Pausen bei einsetzenden Beschwerden) eindrucksvoll bessern, weil die Bewegung die Kollateralenbildung fördert. Auch täglich mehrmalige Rollübungen der Sprunggelenke wirken sich günstig aus.

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Ursachen

90 Prozent der arteriellen Verschlusskrankheiten sind auf eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) zurückzuführen. Nur zehn Prozent gehen auf das Konto entzündlicher Gefäßkrankheiten. Die wichtigsten Risikofaktoren der Schaufensterkrankheit (Rauchen, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte) entsprechen daher denen der Arteriosklerose. Ein schwächerer Zusammenhang besteht mit einer erhöhten Gerinnungsneigung (Hyperfibrinogenämie), einer Erhöhung der festen Blutbestandteile (Erhöhung der Blutviskosität) und einem erhöhten Harnsäurespiegel im Serum (Hyperurikämie) mit und ohne Gichtbeschwerden.


Links

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz-Kreislauf-Forschung
Deutsche Liga zur Bekämpfung von Gefäßerkrankungen
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz- und Kreislauferkrankungen
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin
Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin


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