Artikel 30/06/2019

Onkologische Komplementärmedizin: Was ist das?

Dr. med. Bernhard Ost Frauenarzt (Gynäkologe)
Dr. med. Bernhard Ost
Frauenarzt (Gynäkologe)
onkologische-komplementaermedizin

Gibt es in der onkologischen Komplementärmedizin gesicherte Standards oder unterliegen diese Therapieangebote dem Zufall der therapeutischen Glaubensvielfalt von Naturheilärzten und Heilpraktikern?

Eine Klärung der Begrifflichkeiten

Zuerst einmal möchte ich betonen, dass unglaublich viele Patienten überhaupt keine Vorstellung von den diversen Begriffen der nicht-schulmedizinischen Therapierichtungen haben.

Der Begriff „Komplementärmedizin“ ist eine von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) anerkannte Therapierichtung, die ergänzend oder nachfolgend zur schulmedizinischen Basistherapie eingesetzt wird. Der neuerdings sehr populäre Begriff der Integrativen Medizin ist kein Begriff, den die WHO gelistet und definiert hat. Er ist vielmehr eine Absichtserklärung der Klinik oder des Therapeuten, die Komplementärmedizin in ein Behandlungskonzept zu integrieren.

Eine Alternativmedizin ist, wie der Name sagt, eine Alternative, wenn der Patient schulmedizinische Maßnahmen ablehnt. Sie ist aus ärztlicher Sicht eine ausdrückliche Hilfeleistung angesichts der Ablehnung schulmedizinischer Maßnahmen. Denn im Sinne des hypokratischen Eides darf ein Arzt keinem Menschen medizinische Hilfe verweigern.

Homöopathie ist eine besondere Therapierichtung, die eine spezielle Ausbildung erfordert und mit diversen Verdünnungen der Ursubstanz arbeitet. Es werden auch Verdünnungen mit Hochpotenzen angeboten, in denen von der Ursprungssubstanz nichts mehr nachweisbar ist. Eine Wirkung wird damit begründet, dass eine solche Hochpotenz noch die Information der ursprünglichen Substanz enthält.

Im Internet geistern gerade im onkologischen Bereich einige Therapieangebote und Methoden mit klangvollen Namen herum. Sie bewegen sich in einer rechtlichen und zum Teil strafrechtlichen Grauzone. Dort gibt es Produkte, die nicht zugelassen und sogar verboten sind.

Der Patient darf sich in seiner Eigenverantwortung für sein Leben aber trotzdem für sich selbst bestellen, was er möchte.

Was ist onkologische Komplementärmedizin?

Auch die Komplementärmedizin ist enorm breit gefächert und verlangt nach Differenzierung und Individualisierung. Eine der bekanntesten Therapien ist die Misteltherapie. Sie ist inzwischen mit vielen qualitativ hochwertigen Studien versehen.

In vielen Fällen wird die Mistel einfach in dem Glauben verordnet, dass man nichts falsch machen könne. Und wenn der Patient die Mistel wünscht, dann bekommt er sie auch. Die zu erwartende Effizienz eines naturheilkundlichen Präparates lässt sich durch eine bestimmte Laboruntersuchung feststellen. Es handelt sich um den Killerzellaktivitätstest.

Bei diesem Test wird dem Patienten Blut entnommen. Aus dieser Blutprobe selektiert der Laborarzt die natürlichen Killerzellen des Patienten und setzt sie einer Tumorzelllinie aus.

In einer gewissen Zeiteinheit haben diese Killerzellen eine bestimmte Menge an Tumorzellen vernichtet. Dieser Wert ist das Maß für die Grundaktivität der Killerzellen. Nun gibt der Laborarzt Interferon oder Interleukin hinzu und stellt fest, ob und wie sehr die Killerzellen zu aktivieren sind. Jetzt testet der Laborarzt diverse, vom Therapeuten vorgegebene, Präparate auf ihre Fähigkeit, ebenfalls die Killerzellen zu aktivieren. Dabei zeigt sich häufig, dass eines der ausgesuchten Präparate die Grundaktivität der Killerzellen nicht steigert, sondern mindert. In diesem Fall würde ein solches Präparat dem Patienten schaden und nicht nutzen.

Da es sich bei diesem Test um einen „In-vitro-Test“ handelt, ist die Frage berechtigt, ob so ein Ergebnis auf einen lebenden Organismus übertragbar ist. Diese Frage lässt sich absolut positiv beantworten. Denn der so genannte Immunstatus kann als Kontrollparameter herangezogen werden. Er gibt ausschließlich die immunologische Situation des Patienten wieder.

Mit diesen beiden Laboruntersuchungen lässt sich eine onkologische Komplementärmedizin sehr genau optimieren und kontrollieren.

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