Pestizide häufig Ursache von Kopfschmerzen im Sommer

Silvia Müller

von
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Gerade in ländlichen Gegenden klagen im Sommer viele Menschen über Kopfschmerzen, bei manchen halten sie über Tage oder Wochen an. Der Gang zum Arzt bringt oft keine richtige Hilfe über die quälenden Schmerzen, weil auch er Schwierigkeiten hat, die eigentliche Ursache zu finden. Nicht selten sind diese Kopfschmerzen zusätzlich von weiteren diffusen Beschwerden wie Übelkeit, verschwommenes Sehen, Schmerzen in den Extremitäten oder tränende Augen begleitet, doch auch sie geben meist keinen Hinweis, denn nur ein Experte kann ihren eigentlichen Auslöser enttarnen.

Kopfschmerzen: Ursache Pestizide
Wissenschaftler aus Kroatien haben die wissenschaftliche Literatur akribisch durchsucht und festgestellt, dass Kopfschmerzen häufig mit Pestiziden und Fungiziden in Zusammenhang stehen. Insbesondere in den Regionen mit viel Landwirtschaft und Weinbau werden in den Sommermonaten exzessiv Pestizide ausgebracht.

Auf der Liste der Pestizide, die Kopfschmerz auslösen, stehen ganz oben die Pestizide der Organophosphatklasse, Carbamate und bestimmte Fungizide (u.a. Maneb), sowie Kupferverbindungen. Nicht nur im Agrarbereich kommen solche Pestizide regelmäßig zum Einsatz, sondern auch in vielen anderen Bereichen (Krankenhäuser, Schulen, Flugzeugen, Großküchen, Supermärkten, etc.). Organophosphate bspw. werden auch in konventionellen Pestizidprodukten für den Hausgebrauch gefunden, die mancher arglos in seinen vier Wänden versprüht.

Diffuse Symptome - was ist los?
Kopfschmerzen sind nicht die einzigen Symptome, die in Begleitung mit einer Pestizidvergiftung auftreten können. Die kroatischen Wissenschaftler fanden bei ihren Recherchen weitere typische Symptomatiken, die oft nicht mit Pestiziden in Zusammenhang gebracht werden: erhöhte Körpertemperatur, Mattigkeit, Schwindel, Reizbarkeit, Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Durchfall, rheumatische Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Schläfrigkeit, Gelenkschmerzen, Irritationen der Haut, Augen und Gesicht, Schwitzen.

Beschwerden können Gift als Hintergrund haben
Bei schwerer Akutexposition, bzw. bei anhaltendem chronischem Kontakt können folgende Symptome in Zusammenhang mit Pestiziden stehen:
Atemwegsbeschwerden, Herzbeschwerden und Herzrhythmusstörungen, Abfall des Blutdrucks, Magen-Darmbeschwerden, Verstopfung, Appetitlosigkeit, signifikante Abnahme der Leukozyten, Anämie, Zuckungen, verengte Pupillen, verschwommenes Sehen, Gedächtnisstörungen und andere neurologische Störungen, sowie Tremor und Schäden der cerebralen Funktion.

Pestizidvergiftung relativ häufig
Bei Kopfschmerzgeplagten, die in einer Region wohnen, in der häufig oder verstärkt Schädlingsbekämpfungsmittel und Fungizide zum Einsatz kommen, sollten Ärzte bei anhaltenden Kopfschmerzen und den oben genannten typischen Symptomen auch eine Pestizidvergiftung in Betracht ziehen. Eine solche Pestizidvergiftung kann durch einmalige oder mehrmalige hohe Dosen auftreten, jedoch auch durch chronische Aufnahme im Niedrigdosisbereich, wenn ein Kopfschmerzgeplagter bspw. in direkter Nähe von Feldern oder Weinbergen lebt. Ein Urlaub am Meer oder in einer pestizidfreien Gegend, lässt Kopfschmerzpatienten oft in kürzester Zeit beschwerdefrei werden. Der schmerzfreie Zustand hält jedoch in der Regel nur so lange an, wie der Urlaub dauert und bis wieder Kontakt mit den Pestiziden eintritt.

Bestätigung, dass die Gesundheit durch Pestizide beeinträchtigt ist, kann neben einer gründlichen Anamneseerhebung, eine spezifische Markerbestimmung, sowie eine Schadstoffanalyse im Blut, Urin oder im Hausstaub durch ein qualifiziertes Labor erbringen.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, August 2008

Literatur: Titlić M, Josipović-Jelić Z, Punda A., Headache caused by pesticides--a review of the literature, Acta Med Croatica. 2008 May;62(2):233-6.

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15.02.2016 - 23:04 Uhr

Ich bin seit 7 Monaten krank geschrieben und kein...

von Henrik

... Arzt findet etwas. Zuerst wurde ich auf eine Rheuma Erkrankung behandelt, jetzt hat sich zum Glück heraus gestellt, dass es kein Rheuma ist. Ich habe aber immer noch extreme Gelenkschmerzen, schwitze bei kleinster Anstrengung, bin immer gereizt, habe Zuckungen in den Muskeln und sehe teilweise alles verschwommen. An welchen Arzt kann ich mich wenden?

02.08.2014 - 17:03 Uhr

Wir hatten gestern den Gärtner, der unsere Palmen...

von Marita

... mit einem Pestizid gespritzt hat. Mein Mann klagt seit gestern Abend über Kopfschmerzen, hat Fieber 38,4,jetzt 38,6 schläft viel, antwortet auf meine Fragen nach Schmerzen gar nicht, bewegt sich ganz langsam hat keinen Appetit. Trinkt nur nach Aufforderung und wirkt sehr apathisch. Kann eine Vergiftung vorliegen. Was soll ich tuen? Abwarten? Ich bin sehr in Sorge! Wir sind z.Zt. Auf Mallorca.

10.04.2012 - 08:30 Uhr

Ich habe mal eine Frage.Ist es möglich sich durch...

von Kerstin Gorwa

... das Essen von Orangen mit Pestiziden Vergiften kann?? Ich muss dazusagen das ich Täglich ca 6-7 Orangen Essen und und das schon über Jahre.Da es Mich schon 3-4 mal richtig hin gerafft hat. Mit Erbrechen Kopfschmerzen Schweiß Ausbrüche Schüttelfrost und Extrimitäten Schmerzen habe: Und was kann ich gegen die Symtohme machen..Lg.K.Gorwa

31.05.2010 - 14:37 Uhr

Seit geraumer zeit geht es mir so wie viele es...

von Benno

... beschrieben haben.Mit magenschmerzen,kopfschmerzen,übelkeit,appetitlosigkeit und Schmerzen am ganzen Körper.Konnte mir bislang keinen reim daraus machen wie ich zu der ehre komme 2 mal im Jahr davon betroffen zu sein.Die kopf-und mageneschmerzen sind weder mit naturlichen noch mit schulmedizinischen mittel in die schranken zu weisen.Nachdem ich die artikel über die petizidvergiftunen gelesen habe,wurden mir die augen geöffnet. Meine frag latet,wie kann man sich generell davor schützen,um sich nicht jährlich 2 mal den gefahren auszusetzen.

04.07.2009 - 21:53 Uhr

Seit ca. 2 Monaten ist meine Magensäure stark...

von Sandra

... erhöht, ich habe immer das Gefühl nicht genug Luft in die Lunge zu bekommen und auch Kopfschmerzen plagen mich. Da ich mich schon seit längerer Zeit von der Schulmedizin verabschiedet habe, leider hat sie bei mir oft versagt, ging ich mit diesen Leiden zu meiner Heilpraktikerin. Diese untersuchte mich und stellte eine Pestizidvergiftung fest. Da ich auf dem Land wohne und täglich mit meinem Hund zum Sport gehe, natürlich in Wald und Wiese, muss ich mir die wohl dort eingefangen haben. Ich kann mich auch noch an einen Tag erinnern, an dem ich mit Übelkeit nach Hause kam. Das war im Mai. Die Gifte werden nun mit Aminosäuren ausgeleitet. Hoffentlich klappt das, denn ich bin sehr erschrocken über diese Diagnose. Der Mensch macht sich selbst kaputt und man kann nichts dagegen tun. Echt schlimm.

02.10.2008 - 08:40 Uhr

Hallo Marie, das ist, je nach Pestizid,...

von Silvia

... durchaus noch nach vielen Jahren möglich, es kommt darauf an, ob das Pestizid lipo- oder hydrophil ist. Ist das Pestizid fettgängig, ist der direkte Nachweis oft recht einfach. Ein wasserlösliches Pestizid ist nach Jahren selbstverständlich verstoffwechselt, die Intoxikation kann jedoch oftmals noch durch spezifische Marker im Blut und/oder Urin nachgewiesen werden (z.B. Enzyminduktionen). Pestizide der Organophosphatklasse, die u.a. dafür bekannt sind, neurodegenerative Erkrankungen auslösen, hinterlassen ausserdem ein Schädigungsmuster, das signifikant ist. Wissenschaftler erlangen in Studien durch die Auswahl ihrer Probanden Hinweise auf solche Muster. Nimmt man eine Gruppe von Personen, von der man weiß, dass sie einem bestimmten Pestizid ausgesetzt waren, kann man sehr deutlich die Auswirkungen feststellen. Im Fall von durchgehenden Kopfschmerzen im Sommer, die möglicherweise auf Pestizideinwirkung zurückzuführen sind, wie in meinem Artikel oben beschrieben, ist es anhand bestimmter Marker im Blut oder Urin feststellbar, welchem Pestizid jemand ausgesetzt war und meistens auch, wie stark die Intoxikation war. Bei den angesprochenen Organophosphaten ist es u.a. eine erniedrigte Acetylcholinesterase. Ein weiterer Indikator für einen Arzt ist natürlich die Symptomatik, die der Patient aufweist, da die verschiedenen Pestizide signifikante Beschwerden verursachen (akut wie chronisch), die für einen Mediziner mit toxikologischen Kenntnissen sehr leicht auf die Einwirkung eines bestimmten Pestizides hindeuten. Grüße, Silvia

30.09.2008 - 23:44 Uhr

Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass wir...

von Marie

... nach mehreren Jahre noch daraus schließen können, dass beispielsweise eine KRankheit durch Pestizide ausgebrochen ist! :(

02.09.2008 - 14:05 Uhr

Hallo Amelie und Daniel, es gibt in USA und...

von Silvia

... Kanada Bestrebungen, wenigstens die Städte und öffentlichen Einrichtungen pestizidfrei zu halten. Es gibt sogar schon pestizidfreie Gemeindebezirke. Ein guter Ansatz. Was die Diagnostik von Pestizidintoxikationen betrifft, müsste sich in der Tat etwas ändern, denn auch im häuslichen Bereich sind Vergiftungen mit Pestiziden nicht selten. Noch immer sind in Flohsprays für Haustiere, Mottenstrips oder Mückensprays hochgiftige Organophosphate oder die neurotoxischen Pyrethroide enthalten. Welcher Arzt käme auf die Idee nachzufragen, ob jemand Mückengift in der Wohnung versprüht hat, wenn ein Patient über schwere Kopfschmerzen und taube, kribbelnde Mundpartie klagt? Oder über stark tränende Augen, extreme Schreckhaftigkeit und Kopfschmerzen, nebst Durchfall? Es müsste schon ein Glücksfall sein, dass der Patient an einen Arzt gerät, der bei der Bundeswehr tätig war und Wissen über Nervengifte hat oder an einen Arzt mit toxikologischen Kenntnissen. Umfangreichere Aus- und Fortbildung wäre im Fall von Pestizidintoxikationen wirklich dringend notwendig, um den derzeitigen Missstand zu beheben. Außerdem wäre öffentliche Aufklärung der Bevölkerung eine große Hilfe, damit im Haushalt Gefahren und Nutzen abgewogen werden und verstärkt zu ungiftigen Alternativen gegriffen wird. Grüße, Silvia

01.09.2008 - 23:00 Uhr

Hallo Daniel, das mit den Pestiziden ist ein...

von Amelie

... Teufelskreis der schleunigst unterbunden werden sollte. Die Bauern haben immerhin die Möglichkeit auf ökologischen Landbau umzustellen, die Nachfrage nach ökologisch produzierten Waren ist so hoch wie nie zuvor und kaum mit deutschen Produkten abzudecken. Im Agrarbereich liegt einiges im argen, die Monokulturen begünstigen Schädlingsbefall, der wiederum mit massigem Einsatz von Pestiziden bekämpft wird. Da gilt es anzusetzen und gegenzusteuern, anstatt den Einsatz giftiger Pestizide ständig zu steigern und die Grenzwerte durch den Gesetzgeber ständig anzuheben, auf Kosten unser aller Gesundheit. Amelie

01.09.2008 - 12:19 Uhr

Hallo danke für den Beitrag. Das mit den...

von Daniel

... Pestiziden höre ich zum ersten mal. In dem Bereich müsste wohl noch viel aufklärungsarbeit getan werden. Das traurige ist wohl, dass sich nicht viel ändern da wohl niemand freiwillig auf seine chemikalien verzichten wird

28.08.2008 - 13:47 Uhr

Die Zunahme des Pestizideinsatzes ist...

von Amelie

... besorgniserregend. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Arzt die Gesundheitsbeschwerden mit einer möglichen Pestizidexposition in Zusammenhang bringt. Diese Nachzuweisen bedarf es Spezialuntersuchungen, die zumeist nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Ärzte nicht in diese Richtung geschult werden, um derartige Verdachtsmomente bei ihren Patienten in Betracht zu ziehen. Meiner Meinung nach sind hier Fehldiagnosen leider vorprogrammiert.


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