Grüße! Seit ein paar Tagen fühle ich mich seltsam, es ist, als ob ich die Realität, die ich erlebe,

3 Antworten
Grüße! Seit ein paar Tagen fühle ich mich seltsam, es ist, als ob ich die Realität, die ich erlebe, als einen Traum wahrnehme oder auf jeden Fall kein volles Bewusstsein für meinen Körper habe und keine Emotionen spüren kann. Ich muss zugeben, dass ich in dieser Zeit psychophysischen Stress ausgesetzt war, aber das Lesen dieser Dinge im Internet hat meine Ängste nur noch verstärkt.
Ich würde gerne wissen, ob dies tatsächlich Symptome einer Derealisation sind
Dipl.-Psych. Gerd Huss
Psychologischer Psychotherapeut, Psychologe
Gießen
Hallo,
so wie Sie es beschreiben, könnten es tatsächlich Symptome einer Derealisation oder Dissoziation sein. Genaueres kann man nur in einem psychotherapeutischem Prozess erkennen. In jedem, Fall empfehle ich eine solche Therapiesituation aufzusuchen, da es alleine durch Internet mehr verwirrt als klärt.
M.Sc. Julia Ronge
Psychologischer Psychotherapeut, Psychologe
Bochum
Hallo und danke für deine ehrliche und reflektierte Beschreibung – das, was du schilderst, erleben viele Menschen als sehr verstörend, gerade wenn es zum ersten Mal auftritt.

Die Symptome, die du beschreibst – das Gefühl, die Realität sei unwirklich, wie im Traum, kombiniert mit einer gewissen „Abwesenheit“ vom eigenen Körper und einer inneren Gefühllosigkeit – können tatsächlich Anzeichen einer Derealisation und/oder Depersonalisation sein. Beides zählt zu sogenannten dissoziativen Symptomen, die oft als Schutzreaktion des Nervensystems auf intensiven psychischen Stress oder Überforderung auftreten.

Typische Merkmale von Derealisation / Depersonalisation:

Die Welt wirkt fremd, künstlich oder wie durch eine Glasscheibe wahrgenommen

Du nimmst dich selbst oder deinen Körper „von außen“ wahr oder fühlst dich losgelöst davon

Emotionen erscheinen gedämpft oder wie „abgeschaltet“

Oft bestehen gleichzeitig starke innere Anspannung und Grübelgedanken über diesen Zustand

Häufig verstärkt durch Angst, Stress, Erschöpfung oder Überreizung – insbesondere, wenn man anfängt, im Internet viel darüber zu lesen

Wichtig: Diese Zustände sind nicht gefährlich – auch wenn sie sich sehr beunruhigend anfühlen. Sie sind oft vorübergehend und Ausdruck davon, dass dein System gerade überlastet ist und versucht, dich „herunterzufahren“.

Was du jetzt tun kannst:

Nicht in Panik verfallenAuch wenn es sich beängstigend anfühlt: Viele Menschen erleben solche Zustände in stressigen Phasen, und sie gehen in der Regel wieder vorbei.

Reize reduzieren, Körperkontakt stärken

Mache einfache Dinge, die dich ins Hier und Jetzt holen: Kaltes Wasser auf der Haut, barfuß laufen, bewusst atmen, dich strecken, Musik hören, leichte Bewegung.

Fokussiere dich auf Sinneseindrücke: Was sehe ich? Was rieche ich? Was höre ich?

Sprich mit einer psychologischen Fachperson. Eine psychotherapeutische Einschätzung kann helfen, mehr Sicherheit zu gewinnen und zu klären, was hinter diesem Zustand steht – ob es z. B. im Rahmen von Stress, Angst, Depression oder traumatischer Belastung auftritt. Und vor allem: wie du wieder zu dir finden kannst.

Stress abbauen, Überforderung vermeiden. Wenn dein Körper dir mit solchen Symptomen signalisiert, dass es zu viel war, nimm das ernst. Reduziere Anforderungen, gönn dir bewusste Pausen – auch digital. Manchmal ist schon Schlaf, Entlastung und Zeit ein wichtiger Teil der Heilung.

Fazit:

Ja, das kann sehr gut eine Derealisation/Depersonalisation im Zusammenhang mit psychischem Stress sein. Das ist unangenehm, aber behandelbar – und vor allem: du bist nicht allein. Viele Betroffene finden durch Stabilisierung, Achtsamkeit und Therapie wieder zu einem klaren Erleben zurück.

Du machst das gut – allein die Tatsache, dass du Hilfe suchst, zeigt, wie mutig und reflektiert du bist.
Dipl.-Psych. Tabea Plötz
Psychologischer Psychotherapeut
Leipzig
Das lässt sich leider aus der Ferne ohne eingehendere Diagnostik nicht beantworten. Das heißt, eine solche Frage sollten Sie immer nur qualifiziertem Fachpersonal stellen, das Ihnen wiederum sehr viele Rückfragen stellen wird, um zu einer möglichst guten Antwort zu kommen. Ihre Recherche im Internet kann das leider nicht leisten und führt dann eben zu angstauslösenden Antworten, die aber mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht auf Sie zutreffen. Das Internet hat nämlich leider die Tendenz (aufgrund der natürlichen Anziehungskraft von Sensationellem) sehr seltene Phänomene besonders präsent erscheinen zu lassen; Die Internetrecherche kann inzwischen vieles, aber sie ersetzt noch keine fachlich kompetente Diagnose. Lassen Sie sich davon keine Angst machen.

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