Hallo, ich reiße am Samstag nach Vietnam und bin nun tagelang vpn Panik geplagt. Auf meiner letzten

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Hallo,
ich reiße am Samstag nach Vietnam und bin nun tagelang vpn Panik geplagt. Auf meiner letzten Fernreise war ich dort permanent angespannt und gestresst und ängstlich (jabe eine generalisierte Angststörung, mom. keine Medikamente). Sollte ich überhaupt noch fahren? VG
M.Sc. Julia Ronge
Psychologischer Psychotherapeut, Psychologe
Bochum
Hallo und danke für deine offene Nachricht – sie zeigt, wie achtsam du mit dir umgehst, auch wenn gerade viel Angst da ist.

Du beschreibst, dass du in den letzten Tagen starke Panik und Sorgen vor deiner anstehenden Vietnamreise hast – ausgelöst auch durch frühere Erfahrungen mit Anspannung und Angst vor Ort. Dass du dabei an deine generalisierte Angststörung denkst und dich fragst, ob es überhaupt sinnvoll ist zu fahren, ist sehr verständlich. Es zeigt, dass du Verantwortung für dich übernimmst. Gleichzeitig ist die Frage „Soll ich überhaupt fahren?“ wahrscheinlich Ausdruck einer akuten Überforderung – und verdient eine differenzierte Antwort.

Hier ein paar Gedanken, die dir bei der Entscheidung helfen können:

1. Was genau macht dir Angst – jetzt und rückblickend?
Ist es die ungewohnte Umgebung, die körperliche Distanz zu deinem sicheren Ort, das Alleinsein oder die Angst vor Kontrollverlust?
Gab es konkrete Auslöser bei der letzten Reise (z. B. Krankheit, Schlafmangel, kulturelle Überforderung)?
Oder waren es vor allem die inneren Prozesse (ständiges Grübeln, Anspannung, Katastrophendenken)?
Die Antworten darauf helfen dir zu verstehen, ob und wie du dich diesmal besser vorbereiten oder absichern könntest – und ob die Angst in einem realistischen Verhältnis zur Reise steht.

2. Reisen mit Angst ist möglich – aber nicht immer sinnvoll
Viele Menschen mit Angststörungen können Fernreisen gut bewältigen – wenn sie vorbereitet, begleitet oder angepasst sind. Gleichzeitig kann eine Reise aber auch überfordern, wenn man sich selbst keine stabile Basis mitgibt.

Frage dich ehrlich:

Habe ich aktuell genug Ressourcen (Schlaf, Kraft, Unterstützung), um mit belastenden Momenten umzugehen?
Oder ist mein Nervensystem gerade so angespannt, dass ich kaum Spielraum habe?
3. Du darfst absagen – aber auch losfahren mit Plan B
Du darfst die Reise absagen oder verschieben, wenn du spürst, dass sie dich jetzt (noch) zu viel kostet. Das ist keine Niederlage – es ist Fürsorge.

Wenn du fährst, dann nicht gegen deine Angst, sondern mit ihr. Vielleicht mit einem klaren Plan:

Erste Unterkunft mit viel Sicherheit und Rückzugsmöglichkeit
Tägliche Routinen (z. B. Bewegung, Meditation, Journaling)
Notfall-Strategien bei Panik
Kontakt zu einer Vertrauensperson oder Therapeuten im Hintergrund
Klare Option, früher zurückzureisen oder dich an einem Ort länger aufzuhalten
4. Hilfe unterwegs – du musst nicht „durchhalten“
Du könntest auch vorab ein Gespräch mit deiner behandelnden Person führen oder vor der Reise einen kurzfristigen Beratungstermin vereinbaren. In vielen Ländern – auch in Vietnam – gibt es mittlerweile auch psychologische Online-Angebote in deutscher Sprache, die dir im Notfall helfen könnten.

Mein Fazit:
Du bist nicht schwach – du bist gerade besonders sensibel.
Wenn du spürst, dass dich die Reise eher überfordert als stärkt, darfst du absagen. Und wenn du spürst, dass du mit der richtigen Vorbereitung, liebevoller Begleitung und einem Plan für den Umgang mit deiner Angst reisen kannst – dann ist auch das ein mutiger Weg.


Alles Gute – was auch immer du entscheidest.
Herzliche Grüße
Dipl.-Psych. Tabea Plötz
Psychologischer Psychotherapeut
Leipzig
Ich vermute jetzt mal, dass die Frage schon ein wenig älter ist und die Reise nicht konkret für Morgen ansteht, sondern vielleicht schon erfolgt ist oder eben auch nicht.
Hier kollidieren zwei Themenfelder, die eine sehr unterschiedliche "Zeitrechnung" erfodern. Das eine ist kurzfristig und aktuell und sucht nach einer "Ja-oder-Nein"-Antwort und das andere ist vermutlich schon lange bestehend und multifaktoriell und langwierig in seiner Bearbeitung. Der beste Umgang mit einer generalisierten Angststörung (und mit jeder anderen Art von Angst, die Ihre allgemeine Lebensqualität deutlich einschränkt) ist die Behandlung im Rahmen einer Psychotherapie. Bei sehr starker akuter Belastung kann dies auch stationär erfolgen, sonst ggf. tagesklinisch oder ambulant.
Dipl.-Psych. Gerd Huss
Psychologischer Psychotherapeut, Psychologe
Gießen
Letzten Endes können Sie das nur selbst entscheiden. Ihr Hinweis, dass Sie tagelang unter "Panik" leiden, spricht nicht gerade dafür, in ein Land wie Vietnam zu reisen. Schon gar nicht alleine! Auch Ihr knapper Hinweis, dass Sie eine Angsstörung haben deutet darauf hin, dass es mehr als mutig wäre.

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