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Wohin im Notfall?

Dr. Frauke Höllering

von
verfasst am 02.01.2010

Krankheiten halten sich nicht an Praxisöffnungszeiten, und so hat sich mancher Patient während der Feiertage gefragt: "Wo gehe ich hin, wenn ich heute noch einen Arzt brauche?". Wer in Internet-Foren nachfragt, bekommt häufig die Aufforderung, sich ans nächste Krankenhaus zu wenden. Das aber ist in den wenigsten Fällen ein guter Rat, denn das Krankenhaus sollte nur Anlaufstelle für diejenigen sein, die tatsächlich stationär aufgenommen werden müssen. (Ausnahme: Eine hausärztliche Notfallambulanz im oder am Krankenhaus).

Angesichts der Geldnot im Gesundheitswesen ist es unbegreiflich, dass die Krankenkassen nicht eine große Informationskampagne starten, in der sie zeigen, wer für die Kranken wann zuständig ist. Es ist ganz einfach: Wer unter Kopf- oder Zahnschmerzen leidet, unter Übelkeit, Durchfall, leichten Bauchschmerzen oder einem grippalen Infekt, sollte es zunächst einmal mit Hausmitteln versuchen. Ein Schmerzmittel, Kapseln gegen Durchfall und Übelkeit sowie Nasentropfen sollten in jeder Hausapotheke zu finden sein. Manches ist auch durch eine Wärmeflasche oder ein Kältepack bis zum nächsten Morgen zu lindern. Haus- und Krankenhausärzte sind verwundert und sehr verärgert darüber, wegen welcher Lappalien sie nachts und am Wochenende gerufen werden. Es wird Zeit, dass hier ein Umdenken stattfindet und nur in echten Notfällen sofortiger ärztlicher Beistand gesucht wird.

Wenn es wirklich brennt, wenn der Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall besteht, oder eine Person nicht mehr richtig ansprechbar ist, oder wenn z. B. der Verdacht auf einen Beinbruch besteht, sind Notarzt- oder Rettungswagen über die 112 zu erreichen. Wer teure Rettungseinsätze auslöst, weil ein Angehöriger betrunken ist oder man einfach denkt, dass dies der schnellste Weg zu ärztlicher Hilfe ist (auch, wenn das Krankheitsbild gar kein Blaulicht erfordert), trägt Mitschuld an der Explosion der Gesundheitskosten. Noch immer sind 60 bis 80 Prozent der Blaulichteinsätze überflüssig, weil ein Besuch durch den hausärztlichen Bereitschaftsdienst ausreichend gewesen wäre.

Rund um die Uhr und rund um die Woche gibt es niedergelassene Ärzte in Bereitschaft. Ihren Namen erfährt man aus der Zeitung, oder man ruft einfach in einer Hausarztpraxis an. Hier läuft ein Band, auf dem der aktuelle Diensthabende genannt wird. Er wird ins Haus kommen oder die Patienten in seine Praxis (oder in die Notfall- Ambulanz) bestellen. Meistens dauert das keine Stunde, und diese Konsultationen kosten die Krankenkassen nicht viel.

Wer z. B. mit einer Darmgrippe den Krankenhausarzt aufsucht, muss sich nicht wundern, wenn der einen kurzerhand ins Klinikbett steckt und erst nach einer Magenspiegelung in drei Tagen wieder entlässt. Krankenhausärzte sind oft recht jung und unerfahren, darum wagen sie manchmal nicht, Patienten wieder gehen zu lassen. Außerdem sind sie zu Recht der Meinung, dass man sie nur bei wirklich schweren Erkrankungen konsultieren sollte… Haben sie doch mit ihrer Stationsarbeit mehr als genug zu tun.
Abwarten bei Bagatellen, Bereitschaftsarzt falls nötig und Blaulicht nur bei echten Notfällen. Würde sich jeder an diese simple Regel halten, könnten wir Millionen sparen. Ganz einfach. Ich wünsche allen ein gesundes Jahr 2010!

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Kommentare zum Artikel (5)


06.10.2010 - 20:13 Uhr

1. Wenn die Hausärzte nicht erreichbar sind am...

von Dr. Frauke Höllering

... Freitag nachmittag, sind sie verpflichtet, für diese Zeit einen Vertreter zu benennen! Arbeitet keiner am Ort um diese Zeit, sollte der Wochenenddienst erweitert werden. Es lohnt sich, das vor Ort mit der Ärztekammer zu diskutieren (einfach mal hinschreiben). 2. Gegen faule oder unsichere Ärzte ist leider kein Kraut gewachsen....

05.10.2010 - 18:48 Uhr

Im Prinzip bin ich mit dem Artikel einverstanden,...

von G.P.

... nur ergeben sich in der Praxis Löcher im System... 1. Was ist zwischen Freitag 12h und 18h? Hausärzte haben zu, der Bereitschaftdienst ist aber erst ab 18h erreichbar... 2. Es gibt Ärtze, die, wenn sie Bereitschaft haben, lieber ans Krankenhaus verweisen, als selbst tätig zu werden. Was soll da der verunsicherte Patient noch tun?

10.09.2010 - 07:40 Uhr

Schade, dass Sie meine Erklärungen zum System,...

von Dr. Frauke Höllering

... die meine Patienten begrüßen, als "Herablassung" empfinden. Gerade der Hausarzt ist aufgefordert zu entscheiden, ob es nur ein Rausch oder ein Schlaganfall ist. Der Notfall- Hausbesuch wird im Übrigen besser bezahlt als anderes, das der Hausarzt tut. Es geht hier (u.a.) um das Geld der Versicherungen, lso aauch Ihres. Sie werden mit dieser Einstellung, die viele teilen, noch reichlich Geld verschwenden, für das Sie dann mit noch weiter steigenden Kassenbeiträgen bezahlen. Also strafen Sie mit der Weigerung zum Umndenken nur sich und Ihre Mitversicherten. Schlimm, aber mir nicht unbekannt ist das, was hier im Juli geschrieben wurde. Für so eine Reaktion und für (Großstadt-)"Haus"ärzte, die keine Hausbesuche machen, habe ich kein Verständnis.

25.08.2010 - 00:13 Uhr

Total daneben der Artikel. Welcher Laie kann denn...

von G.

... schon den Zustand einer Person richtig gut beurteilen. Und wer auf einer Party "nur" besoffen ist oder vielleicht doch einen leichen Schlaganfall hatte, das mag doch lieber ein Arzt entscheiden. Da wähle ich im Zweifel die 112. Wie ich es beim Roten Kreuz gelernt habe: eben genau lieber ein mal zu viel. Wer Arzt ist und Bereitschaftsdienst hat, muss sich eben auch am Wochenende um einen Patienten mit Übelkeit kümmern, auch wenn die Kasse hierfür eben nicht so viel zahlt. Auf mich wirkt der Artikel sehr herablassend.

14.07.2010 - 11:55 Uhr

das system krankt. im letzten jahr versuchte...

von S.

... ich für einen bettlägrigen, halbseits gelähmten angehörigen einen bereitschaftsarzt kommen zu lassen - die situation an sich war noch nicht genug fürs krankenhaus, aber auch nicht mehr so, dass man bis nach dem wochenende hätte warten können. als man nun also überhaupt jemanden erreichte, gab es die auskunft: rufen sie den notarzt, wir haben für sowas keine zeit.... und es bestand keine! lebensbedrohliche situation...


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