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Nabelbruch: Operation ja oder nein? (Teil 1)

Nabelbruch: Operation ja oder nein? (Teil 1)

Prof. Dr. Holzheimer

von
verfasst am 20.06.2013

© Kaarsten - Fotolia.com
Was ist eigentlich eine Nabelhernie?
Eine Nabelhernie ist eine Vorwölbung des Bauchfells (peritoneum) im Nabel oder im Bereich des Nabels durch einen Defekt in der Bauchwand. Das als Bruchsack imponierende Bauchfell, dass die Bauchhöhle innen im Bauchraum auskleidet, schiebt sich durch eine Lücke im Nabelbereich und drückt, wenn der Bruch nicht versorgt wird, immer stärker gegen die Haut im Nabel, die schließlich wie Pergament ausdünnen kann. In diesem Bruchsack kann Fettgewebe aus dem Bauchraum z.B. Netz, das vom Dickdarm ausgeht, Darm oder präperitoneales Fettgewebe (Fettgewebe, das unmittelbar auf dem Bauchfell liegt) sein.

Welche Ursachen hat der Nabelbruch? Wie kommt es zum Nabelbruch?
Auslöser für einen Nabelbruch kann eine erbliche Veranlagung sein (kongenital) oder schwere Belastung, z.B. Heben schwerer Lasten bei Bindegewebsschwäche. Bei einer erblichen Veranlagung ist der Nabelbruch schon bei Geburt vorhanden, wenn sich die Öffnung, die durch die Nabelschnur führt, nach der Geburt nicht verschließt. Eine Nabelhernie kann sich im Erwachsenenalter ausbilden, wenn mit dem Alter eine zunehmende Bindegewebsschwäche auftritt, eine Verletzung (Trauma) auftritt. Ein hoher Druck im Bauchraum bei Übergewicht verstärkt die Belastung der Bauchwand und dehnt schließlich den Defekt noch weiter aus.

Was sind Risikofaktoren zur Entstehung eines Nabelbruches?

  • Chronischer Husten
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Pressen beim Heben schwerer Lasten
  • Pressen beim Stuhlgang
  • Schwangerschaft
  • Medikamente (Kortison)
  • Frühgeburt
  • Schwere Lebererkrankung
  • Laparoskopische Operation (Trokarhernie)

Welche Beschwerden macht der Nabelbruch?
Nicht immer kommt es bei einem Nabelbruch zu Beschwerden. Bei Husten und Belastung verstärkt sich die Vorwölbung, es kann zu Bauchschmerzen und Druckgefühl kommen. Vorsicht: Schmerzen können heimtückischerweise erst sehr spät bei dieser Erkrankung auftreten. Bei Kindern kann der Nabelbruch uncharakteristische Bauchbeschwerden machen, ausgelöst oft durch das Netz, das im Nabelbruch festhängt, verbunden mit dem Dickdarm. Übelkeit, Erbrechen, starker Ruheschmerz im Nabelbereich weisen auf eine Darmeinklemmung (inkarzerierte Hernie) hin. 

Muss man den Nabelbruch in jedem Fall operieren?
Bei Kindern im Vorschulalter kann sich der Nabelbruch noch verschließen. Hier kann man in der Regel abwarten, es sei denn es gibt Beschwerden. Der Nabelbruch des Erwachsenen verschließt sich nicht von selbst! Es gibt gute Gründe den Nabelbruch elektiv, d.h. als Wahleingriff zu versorgen, da dabei die Risiken sehr viel geringer sind als bei einem Notfalleingriff, der Wahleingriff wird in den allermeisten Fällen sehr gut überstanden.

Warum sollte der Nabelbruch operiert werden?
Ein nicht behandelter Nabelbruch wird von allein nicht kleiner oder verschwindet! Durch die ständige Bewegung im Bruchsack oder um den Bruchsack kann es zu entzündlichen Veränderungen kommen, die dann als Verwachsungen imponieren. Die Haut des Nabels, die schon empfindlich ist, wird durch den steten Druck verändert und neigt dann schon zu Heilungsstörungen. Ohne Schmerz besteht häufig keine Veranlassung den Bruch zu operieren. Leider ist der Schmerz oft ein Spätzeichen und tritt auf, wenn schon schwerwiegende Veränderungen im Gang sind. Das Risiko eines Wahleingriffes ist klein, das eines Notfalleingriffes hoch. Während man sich beim Wahleingriff den Operateur, Ort und Zeit der Operation aussuchen kann, ist dies beim Notfalleingriff nicht möglich.

Morgen folgt der zweite Teil des Artikels. 

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Kommentare zum Artikel (5)


07.09.2014 - 14:18 Uhr

Ich habe ein ganz großes Problem. Ich bin 36...

von Anja

... Jahre alt und hatte 2008 und 2012 eine kleine Nabelhernie, welche mit einem Netz in Onlay-Technik versorgt wurde. Seitdem ich ein Netz habe, habe ich wahnsinnige Schmerzen. Das Netz wurde aber 2013 in einem anderen Krankenhaus entfernt und ein neues Netz in Sublay-Technik gelegt. Das ist jetzt 1 Jahr her und leider habe ich nach wie vor immer noch Schmerzen. Ich habe alle Thearpieoptionen ausgeschöpft, ob es eine Schmerztherapie war oder zahlreiche Unterspritzungen, es hat alles nichts genützt. Selbstverständlich habe ich mich des öfteren in dem Krankenhaus, wo ich operiert wurde vorgestellt aber es wurde mir gesagt, dass eine Netzentfernung nicht möglich sei, weil ich bei zusätzlich bestehender Rektusdiastase ein großes Netz im Bauch habe (12cmx14cm) und der Bruch immer wieder auf gehen würde. Jetzt mache ich wieder eine Schmerztherapie, nehme Celecoxib 200mg und Metamizol Natrium-hydrat aber ich bin einfach nicht schmerzfei. Das ganze geht seit 2 und halb Jahren nun schon so, ich habe den ganzen Tag über Schmerzen und ich bin sehr verzweifelt. Der Arzt im Krankenhaus meinte zwar im Gespräch, dass man Nerven durch trennen könnte und dann würde ich nichts mehr spüren aber das wurde dann im nach hinein nicht durch geführt, weil es hieß, es könnte dann alles noch schlimmer werden als es schon ist. Ich war schon bei einigen Chirurgen und alle sagten eigentlich, dass das Netz nicht entfernt werden kann, das ist mir alles klar und das verstehe ich auch aber wie werde ich meine Schmerzen los, sie bestimmen meinen gesamten Alltag! Ich wäre Ihnen für eine Anrwort wirklich sehr dankbar!

Prof. Dr. Holzheimer

Antwort vom Autor am 17.09.2014
Prof. Dr. med. Rene Holzheimer

Wie Sie selbst sagen - ein großes Problem. Es sieht so aus, als ob das Netz die Schmerzen verursacht. Ob eine Netzentfernung möglich ist oder nicht vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen. Ich halte die Nervendurchtrennung - in ihrem Fall schon angedacht - auch für eine Massnahme, die man nur in Erwägung ziehen sollte, wenn keine andere Therapie geholfen hat. Haben Sie mal daran gedacht, dass man auch über eine Sonde die Nerven behandeln kann? Manche Schmerztherapeuten bieten das an.

11.06.2014 - 15:44 Uhr

Ich habe eine Frage zum möglichen Nabelbruch:...

von Apfelsinchen

... Mein Mann (Adipositas) hat seit einigen Tagen im Nabel, der sonst immer glatt war, eine Vorwölbung in der Größe einer Kirsche. Auch der Bauch über dem Nabel siehr irgendwie "verschoben", also nicht mehr gleichmäßig aus. Seit heute klagt er über starke Schmerzen im Bereich des Rückens, als wenn es ihn "nach unten zieht". Er meint, es sei die Lendenwirbelsäule, mit der er auch öfter zu tun hat, aber ich befürchte, es könnten Schmerzen mit einem ev. Nabelbruch in Zusammenhang sein, die in den Rücken ausstrahlen. Kann das sein? Wie würden Sie das bewerten und was raten? Danke für Ihre schnelle Antwort.

Prof. Dr. Holzheimer

Antwort vom Autor am 11.06.2014
Prof. Dr. med. Rene Holzheimer

Sicher sollte Ihr Mann sich unverzüglich bei einem Arzt vorstellen. Ich denke Sie haben die Beschwerden richtig eingeordnet. Um sicher zu gehen, dass die Beschwerden nicht von einer akuten Veränderung des Nabelbruches verursacht werden sollte er von einem Spezialisten mit Ultraschall untersucht werden, falls das nicht die Lösung bringt mit MRT. Die Wirbelsäule kann Ursache der Rückenbeschwerden sein, es kann aber auch von Veränderungen im Bauchraum also auch von dem Nabelbruch verursacht sein. Das ist ohne eine körperliche Untersuchung und ohne dass man Ihren Mann persönlich sieht schwer zu unterscheiden. Beides ist wichtig. Sie sollten nur bald zu einem Arzt gehen, sicher weiß Ihr Hausarzt einen zuverlässlichen Chirurgen in der Nähe. Prof. Dr. René Holzheimer www.praxisklinik-sauerlach.de

11.03.2014 - 11:40 Uhr

Hallo, bei mir wurde ein kleiner Nabelbruch im...

von Patient

... Millimeterbereich festgestellt. Kurz vor der geplanten OP ist es mir gelungen das erbsengroße Fettgewebe in den Bauchraum zurückzudrücken. Somit habe ich mich nach intessiver Überlegung gegen die OP entschieden. Falls es wieder zu auftretenden Schmerzen kommt werde ich die OP vornehmen lassen. Ich hoffe das war eine gute Entscheidung!? Was meinen Sie? Mit freundlichen Grüßen S.

Prof. Dr. Holzheimer

Antwort vom Autor am 15.03.2014
Prof. Dr. med. Rene Holzheimer

Sie haben damit festgestellt, dass die Operation nicht als dringliche Operation oder Notfalloperation durchgeführt werden muss. Sie haben damit Zeit eine Entscheidung zu treffen. Man muss dazu wissen, dass die Öffnung in der Bauchwand da ist und sich jeder Zeit darin wieder etwas einklemmen kann. Prinzipiell hat eine elektive Operation, d.h. Wahleingriff, für Sie weniger Risiken als ein Notfalleingriff. Bei einem Wahleingriff können Sie außerdem Operateur, Zeitpunkt und Ort selbst bestimmen - bei einem Notfalleingriff geht das nicht! Wenn man also die Entscheidung hat - Wahleingriff - geringe Risiken und Wahlmöglichkeit - Notfalleingriff - hohes Risikopotential und keine Wahlmöglichkeit - dann sollte man sich entscheiden können. Der Bruch geht nicht von alleine weg.

30.11.2013 - 11:51 Uhr

Es handelt sich hier um körperlich teilweise...

von Isolde

... schwere Arbeit. LKW-Fahrer im Stückgutverkehr. Also täglich heben und ziehen von Lasten. Also müsste ja alles komplett ausgeheilt sein? Eine ungefähre Zeitangabe würde mir reichen, MfG

28.11.2013 - 19:41 Uhr

Wie lange ist man nach einer Nabelbruch-OP nicht...

von Kasperline

... belastbar und somit nicht arbeitsfähig? MfG

Prof. Dr. Holzheimer

Antwort vom Autor am 29.11.2013
Prof. Dr. med. Rene Holzheimer

Die Frage ist wichtig. Das hängt sehr davon ab, wie ausgeprägt der Nabelbruch ist, wie groß der Defekt ist, wieviele Verwachsungen mit dem Gewebe gelöst werden müssen und wie die Wundheilung nach der Operation verläuft. Deswegen ist es wichtig, dass sich der Operateur nach einer Operation den Befund selbst ansieht, da nur er einen Vergleich hat. Man muss die Belastbarkeit von der Arbeitsunfähigkeit trennen. Zunächst einmal ist man nach einer normalen Nabelbruchoperation soweit belastbar, dass man bereits nach einer Stunde selbstständig umherlaufen kann und auch essen kann. Sportliche Betätigungen hängen wie gesagt vom Befund ab. Fahrrad, Schwimmen ist in der Regel nach wenigen Tagen wieder möglich, anders bei Situps, etc.. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist von der auszuführenden Arbeit abhängig, hier ist eine Bürotätigkeit anders zu werten als eine Arbeit auf dem Bau z.B.. Eine weitergehende Aussage ist ohne persönliche Vorstellung bei einem Chirurgen nicht möglich.


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