Guten Tag, wenn ich Stress habe oder ich habe Angst eine Aufgabe nicht zu erfüllen, verkrampft mir

4 Antworten
Guten Tag,
wenn ich Stress habe oder ich habe Angst eine Aufgabe nicht zu erfüllen, verkrampft mir besonders der linke Fuß und die rechte Hand. Ich habe dann kaum noch Gefúhl in diesem Bereich. Die Stellen sind dann kalt. Was kann man dagegen unternehmen?
Dipl.-Psych. Ralica Hypko
Psychologischer Psychotherapeut, Private Krankenkasse
Frankfurt
Guten Abend, es klingt nach einer körperlichen Angstreaktion. Haben Sie bereits mit Entspannungsübungen versucht? Zum Beispiel PMR oder Autogenes Training?
Dr. phil. Susanne Herzog
Psychologischer Psychotherapeut
Hamburg
Ich würde eine neurologische Untersuchung empfehlen, um eine körperliche Ursache auszuschließen
M.Sc. Julia Ronge
Psychologischer Psychotherapeut, Psychologe
Bochum
Guten Tag und danke für Ihre Frage – sie beschreibt sehr anschaulich, wie stark sich Stress auf den Körper auswirken kann.

Die Symptome, die Sie schildern – Verkrampfung, Kältegefühl und eingeschränktes Empfinden in bestimmten Körperbereichen unter Stress oder Leistungsdruck – können Ausdruck einer sogenannten psychosomatischen Reaktion sein. Das bedeutet: Ihr Nervensystem reagiert auf seelische Belastung mit körperlichen Anzeichen.

Was passiert im Körper bei Stress?

Unter Stress aktiviert der Körper das sogenannte sympathische Nervensystem – auch bekannt als „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“. Das führt unter anderem zu:

Muskelanspannung

veränderter Durchblutung (z. B. kalte Extremitäten)

Sensibilitätsstörungen (z. B. Taubheitsgefühl oder Kribbeln)

teilweise auch Bewegungsblockaden oder Zittern

Dass das bei Ihnen seitenspezifisch auftritt – also besonders im linken Fuß und in der rechten Hand – ist nicht ungewöhnlich, kann aber individuell verschieden ausgeprägt sein.

Was kann man dagegen tun?

1. Körperliche EntspannungsübungenGezielte Entspannung kann helfen, die Reaktion des Nervensystems abzuschwächen:

Progressive Muskelrelaxation (PMR): Sie lernen, Muskelgruppen bewusst an- und zu entspannen – das reduziert chronische Anspannung.

Atemübungen: Ruhiges, tiefes Atmen (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus) aktiviert das parasympathische System und wirkt beruhigend.

2. Bewegung und Körperwahrnehmung

Leichte Bewegung (z. B. Gehen, Schüttelübungen, Yoga) hilft, den Muskeltonus zu regulieren.

Auch achtsame Körperübungen (wie Bodyscan oder Feldenkrais) stärken das Gefühl für den eigenen Körper und helfen, Anspannung frühzeitig zu erkennen.

3. Psychotherapeutische UnterstützungWenn diese Reaktionen häufiger oder stark auftreten, kann es hilfreich sein, sich psychotherapeutisch begleiten zu lassen. Dort können Sie:

Ihre individuellen Stressmuster besser verstehen

neue Bewältigungsstrategien entwickeln

ggf. zugrunde liegende Ängste oder Überforderungen bearbeiten

4. Ärztliche AbklärungAuch wenn vieles auf eine stressbedingte Reaktion hinweist, ist es sinnvoll, einmal neurologisch oder orthopädisch abklären zu lassen, ob körperlich alles in Ordnung ist – besonders, wenn die Taubheit sehr stark oder anhaltend ist.

Fazit:

Was Sie erleben, ist nicht ungewöhnlich – aber es ist ein Signal Ihres Körpers, dass der Stress zu viel wird. Mit gezielten körperlichen und psychischen Strategien lässt sich viel dagegen tun. Und je früher Sie ansetzen, desto leichter ist es, die Beschwerden zu lindern.
Dipl.-Psych. Tabea Plötz
Psychologischer Psychotherapeut
Leipzig
Sie haben Ihre Situation schon gut erkannt und können Auslöser (Stress, Angst) und Folgen (Verkrampfung) gut benennen. Hier empfiehlt sich ein ganzheitliches Vorgehen, dass sowohl an den Auslösern, als auch an den akuten Folgen ansetzt.
Zu den Auslösern wäre also die Frage, was Sie in so großen Stress versetzt und warum Sie eine so starke Angst bei der Erfüllung von Aufgaben empfinden. Hier ist das Ziel also Angst- und Stressreduktion. Wenn Sie dabei nicht allein vorankommen, können Sie sich jederzeit professionelle Hilfe suchen. Die allgemeinem gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen gelten aber auf jeden Fall, wie z.B. ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, Bewegung, Pausen.
Ganz besonders förderlich können Entspannungstechniken, wie PMR und Autogenes Training sein, aber auch Gesundheitssport und Massagen, Wärme und alles, was Ihr persönliches körperliches Wohlbefinden steigert. Sie können sich auch einmal zum Stichwort "Parasympathikus" (das System, das für die körperlichen Prozesse bei Entspannung zuständig ist) informieren und dabei besonders mit dem Vagusnerv beschäftigen. Es gibt unzählige Möglichkeiten und Übungen, um den Vagusnerv anzusprechen und so aktiv zur ganzheitlichen Entspannung beizutragen.

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