
Allergien sind Überreaktionen des Immunsystems: Die Allergie-Auslöser, etwa bestimmte Stoffe aus Nahrungsmitteln oder Gräserpollen, werden vom Körper als Fremdstoffe erkannt. Und entsprechend startet das Immunsystem seine Abwehrreaktion. Die bekannten Folgen: tränende Augen, laufende Nase, Hautausschläge, in schwereren Fällen sogar allergisches Asthma und Atemnot. Dabei sind die Allergene eigentlich keine Gefahr für den Körper - aber das Immunsystem hält sie für eine.
Um die Allergie zu bekämpfen, müssen häufig Medikamente eingesetzt werden, nicht immer mit ausreichendem Erfolg. Gerade Heuschnupfengeplagte können ein Lied davon singen, wie Pollen den schönsten Frühling vermiesen können. Für sie ist deshalb ein Behandlungskonzept interessant, das an der Überempfindlichkeit des Immunsystems ansetzt: der Hyposensibilisierung, die auch als 'spezifische Immuntherapie' bezeichnet wird.
Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Dem Betroffenen wird das Allergen in verdünnter und gereinigter Form zugeführt. Dabei werden die Mengen in regelmäßigen Abständen gesteigert, so dass sich das Immunsystem langsam daran gewöhnen kann. Eine hundertprozentige Allergiefreiheit lässt sich mit dieser Therapie allerdings nicht erreichen. Deshalb wird in Fachkreisen auch der lange geläufige Begriff „Desensibilisierung' nicht mehr gebraucht. Allerdings kann die Empfindlichkeit deutlich gesenkt und damit der Leidensdruck für die Allergie-Patienten spürbar verringert werden. Eine Hyposensibilisierung führt bei den meisten Betroffenen dazu, dass sie deutlich weniger Medikamente benötigen.
Für die Hyposensibilisierung werden im Wesentlichen zwei Verfahren eingesetzt. Bei der klassischen subkutanen Immuntherapie (SCIT) wird das Allergen von einem erfahrenen Facharzt unter die Haut des Oberarms gespritzt. Die Konzentration wird über einen Zeitraum von etwa vier Monaten wöchentlich bis zu einer Erhaltungsdosis gesteigert, die dann in etwas längeren Abständen verabreicht werden kann. Je nach Allergietyp kann eine komplette Hyposensibilisierungsbehandlung drei bis fünf Jahre dauern, in Einzelfällen auch noch darüber hinaus. Nach der Injektion muss der Patient noch etwa 30 Minuten in der Praxis warten, damit bei einem eventuell auftretenden allergischen Schock schnell ärztliche Hilfe bereit steht.
Für einige Allergene gibt es auch eine alternative Behandlung in Form von Tropfen oder Schmelztabletten, bei der die allergieauslösenden Substanzen über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Diese Therapieform ist auch unter dem Namen sublinguale Immuntherapie (SLIT) bekannt. Für die Patienten ist die Einnahme von Tabletten oder Tropfen angenehmer als häufige Spritzen, allerdings müssen die meisten Präparate nahezu täglich eingenommen werden. Außerdem wird die SLIT von Fachleuten nur für Patienten mit Pollenallergie empfohlen, bei denen die Beschwerden noch nicht auf die unteren Atemwege übergegriffen haben. Bei stärkeren Beschwerden bzw. Ganzjahresallergien wie auf Hausstaubmilben, Insektengifte oder Tierhaare sollte dagegen die klassische SCIT eingesetzt werden.
Bei saisonalen Allergien wie Heuschnupfen liegt der beste Behandlungsbeginn für die Hyposensibilisierung direkt nach dem Ende der betreffenden Jahreszeit (Spätsommer bis Herbst). Bei anderen Allergien ist der Start der Therapie frei wählbar. Leider gibt es noch keine Hyposensibilisierungsmethoden für Nahrungsmittelallergien - hier besteht noch großer Forschungsbedarf.


