Hashimoto: Müdigkeit trotz guter Medikamenten-Einstellung?

Dr. Lunow

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© Syda Productions - FotoliaWer trotz guter Medikamenten-Einstellung müde ist, leidet vielleicht unter einem Nährstoffmangel (© Syda Productions - Fotolia)Weil fehlgeleitete Abwehrzellen die Schilddrüse von Hashimoto-Patienten langsam zerstören, produziert das kleine schmetterlingsförmige Organ nicht mehr genügend Hormone. Um diesen Mangel auszugleichen, müssen Betroffene die fehlenden Hormone in Form von Tabletten einnehmen. Doch viele Patienten klagen trotz guter Medikamenten-Einstellung über Müdigkeit. Woran das liegen kann, wollte jameda vom Schilddrüsen-Spezialisten Dr. Lunow wissen.    

jameda: Müdigkeit kann viele Ursachen haben und muss nicht zwangsläufig mit Hashimoto Thyreoiditis zusammenhängen. Wie erkennen Patienten, die bereits Medikamente gegen ihre Symptome einnehmen, woher ihre Müdigkeit kommt?
Dr. Lunow: Die Ursachen ihrer Müdigkeit herauszufinden, ist für Patienten sehr schwierig – nur selten liegen so offensichtliche Gründe vor wie eine schlechte Schlafhygiene, beispielsweise durch viele Tassen Kaffee am Abend. Auch für den Arzt ist es nicht leicht, die richtige Diagnose zu stellen: Er muss einige Tests durchführen, um herauszufinden, ob typische Begleiterkrankungen von Hashimoto wie etwa Rheuma, Vitamin- und Nährstoffmangel oder Entzündungen anderer Organe die Müdigkeit verursachen. Erst wenn sie auszuschließen oder behandelt sind, liegt eine falsche Medikamenteneinstellung nahe. Dann sind die Hormongaben schrittweise anzupassen, bis die Müdigkeit verschwindet.      

jameda: Kommt es häufig vor, dass Hashimoto-Patienten trotz guter Medikamenten-Einstellung von ständiger Müdigkeit geplagt sind?
Dr. Lunow: Ja. Viele Patienten glauben, richtig eingestellt zu sein, sind es aber gar nicht. Ein TSH-Wert von 2 – 4 μIU/ml gilt in vielen Laboren als normal. Patienten mit 2 μIU/ml können aber bereits eine Unterfunktion haben. Weil sich die Werte des Patienten innerhalb der Norm befinden, erkennen Hausärzte das Problem und damit die eigentliche Ursache der Müdigkeit aber oft nicht. Ich schätze, dass dies bei über 50 Prozent der Patienten der Fall ist.    

jameda: Helfen gängige Hausmittel gegen Müdigkeit, wie etwa eine bessere Schlafhygiene, mehr Bewegung und Entspannung sowie eine gesunde Ernährung auch Hashimoto-Patienten?
Dr. Lunow: Hängt die Müdigkeit mit einer falschen Medikamenteneinstellung zusammen, hilft eine Umstellung des Lebensstils wenig. Ein gesunder Lebensstil ist aber trotzdem wichtig, weil Stress neue Schübe auslösen kann. Regelmäßige Entspannung beugt also eine Verschlimmerung der Erkrankung vor. Das gilt auch für eine gesunde Ernährung: Die Zwangsjodierung deutscher Lebensmittel hat die Anzahl der Hashimoto-Patienten vermutlich in die Höhe getrieben. Daher sollten Patienten darauf achten, nicht zu viel Jod zu sich zu nehmen. 

jameda: Das Hormon, das für unser Energielevel verantwortlich ist, heißt „T3“. Manche Hashimoto-Patienten können jedoch nicht genug T3-Hormone produzieren – und sind müde. Kann eine Anpassung der Medikamente helfen?
Dr. Lunow: Wenn es durch die Therapie nicht gelingt, die Müdigkeit oder andere Symptome in den Griff zu bekommen, sollte der Arzt neben einer ausreichenden Therapie mit T4, aus dem der Körper T3 herstellen kann, auch Selen verordnen, das die Umwandlung des T4 fördert. Manchmal ist es aber auch notwendig, zusätzlich zum Speicherhormon T4 das stoffwechselaktive T3 als Tablette einzunehmen. Die Dosis wird schrittweise angepasst, damit die Patienten am Ende nicht überaktiv sind. 

© Dr. LunowDr. Lunow im jameda-Interview (© Dr. Lunow)

jameda: Könnte die Müdigkeit auch mit einem Mangel an B12, Eisen, Vitamin D oder Folsäure zusammenhängen?  
Dr. Lunow: Nährstoffmängel sind sehr häufig und können tatsächlich Müdigkeit verursachen. Eisenmangel beispielsweise bleibt oft unerkannt, weil die Eisenbestimmung im Blut sehr ungenau ist. Besser ist es, das Ferritin, den Speicherstoff des Eisens, ebenfalls zu messen. Auch hier ist Vorsicht bei den Normwerten geboten, die bei 10 – 160 mg liegen. Schon bei 30 mg kann ein Mangel vorliegen. Ähnliches gilt für Vitamin D: Ein Wert von 20 mg gilt als normal, 30 mg sind aber besser. Deshalb leiden viele Patienten unter einem Mangel, ohne es zu wissen.   

jameda: Sind Hashimoto-Patienten häufiger von Nahrungsunverträglichkeiten betroffen, die für die ständige Müdigkeit verantwortlich sein können?
Dr. Lunow: Nahrungsmittelunverträglichkeiten kommen nicht nur bei Hashimoto-Patienten häufig vor. Wenn der Magen und vor allem der Dünndarm wichtige Nährstoffe nicht richtig aufnehmen, fehlt dem Körper Energie. Außerdem fühlen sich manche Patienten durch die Blähungen, die durch die Unverträglichkeit entstehen können, wie benebelt. Da die Symptome unspezifisch sind, wissen viele allerdings gar nichts von ihrer tatsächlichen Ursache.

jameda: Könnte auch eine schlechte Verdauung zu chronischer Müdigkeit führen?
Dr. Lunow: Der Darm ist für ein funktionierendes Immunsystem sehr wichtig, weil sich dort rund 80 Prozent aller Abwehrzellen unseres Körpers befinden. Häufig finden wir bei Hashimoto-Patienten Begleiterkrankungen wie Histaminintoleranz oder Fruktosemalabsorption. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa kommen auch vor, sind aber erfreulicherweise bei Hashimoto-Thyreoiditis im Vergleich zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten eher selten zu finden.       

jameda: Was würden Sie Hashimoto-Patienten raten, die sich trotz ausreichender Therapie ständig müde fühlen?
Dr. Lunow: Entspannungstechniken zu erlernen, ist sehr sinnvoll. Denn das Immunsystem ist eng mit der Psyche verbunden. Das zeigt eine Studie, bei der Forscher Krebspatienten vor und nach Mitteilung ihrer Diagnose Blut abnahmen. Schon eine halbe Stunde nach Erhalt der Diagnose brach ihr Immunsystem zusammen. Deshalb gilt: Alles, was der Psyche gut tut, hilft auch dem Immunsystem – und hält gesund. 

jameda: Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (11)


14.03.2018 - 16:38 Uhr

Ich leide seit nun mehr fast drei Jahren an...

von Peggy G.

... Hashimoto. Habe Thyroxin und Euthyrox genommen, was ich nicht vertragen habe. Es hat alle Symptome wie Müdigkeit, Schmerzen, Depressionen verschlechtert, je höher ich gegangen bin. Nun nehme ich seit vier wochen eine halbe Levothyroxin von 100. Ich merke aber immer noch keine Besserung. Zu Anfang dachte ich es ist besser aber im Moment geht es mir wieder schlechter. Vor allem Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Gelenkschmerzen sind wieder sehr ausgeprägt. Meine Werte waren zuletzt: Freies t3: 2.26pg/ml ( 2.0-5.2 ) Freies t4: 0.75ng/du ( 0.8 - 1.6 ) TSH: 1.45 (0.6 - 3.6 ) Nächste Woche muss ich zur neuen Blutentnahme. Was könnte noch damit zusammen hängen?

03.02.2018 - 22:24 Uhr

Was mich irritiert ist, dass im Artikel der...

von Marcus

... Zusammenhang zwischen Schilddrüse und Nebennieren nicht mal angesprochen wird. Eine bestehende Nebennierenschwäche kann erheblich durch Thyroxineinnahme verschlimmert werden, als Folge sind die Nebennieren noch erschöpfter als zuvor und der Homonspiegel (insb. Cortisol) fällt noch weiter, der Mensch wird noch müder und schlapper.

16.08.2017 - 16:20 Uhr

Ich kam immer gut 8 Jahre mit L-Thyroxin Henning...

von Martina

... 60 mg klar. Bin jetzt 62 Jahre. Seit März dieses Jahr wurde eine fast komplette Laktoseintoleranz diagnostiziert. Da fing alles an, u.a. auch mit Laktasespaltenden Zusätzen, die ich seit 2 Monaten abgesetzt hatte. Ich bekam mehr oder minder starke Nesselsucht und entwickelte laut meinem Hautarzt eine Neurodermitis. Nach vielen Recherchen im Internet könnte das Rizinus im Henning-Präparat dafür verantwortlich sein. Bei Umstieg auf Everox-Tropfen ging die Nesselsucht weg aber die leichte Neurodermitis nicht. Diese kann ich aber einigermaßen in Schach halten. Nach Arztwechsel liegt jetzt umfangreiche Blutuntersuchung und Neueinstellung an. Bin sehr viel müde und fühle mich benebelt.

09.05.2017 - 23:46 Uhr

Sehr hilfreich.

von Isabell

04.02.2017 - 06:18 Uhr

Ich habe MB Basedow und war im Oktober 2016 bei...

von Steffi F.

... der Radiojodtherapie. Ca 4 Wochen später bin ich in der Unterfunktion und werde immer dicker und nehme Medikamente ein, dennoch wird nichts besser. Ich bin nur müde, lebe mit angezogener Handbremse und bin total depressiv, nehme seit Jahren Medikament trotz Appetitlosigkeit. Ich wiege jetzt ca 25 kg mehr und fühle mich total unwohl. Mein Hausarzt und Radiologe sehen das alles als nicht so schlimm an, aber ich habe es langsam total satt.

25.01.2017 - 12:33 Uhr

Ich habe Hashimoto und meine Schilddrüse hat nur...

von Peggy G.

... noch ein Volumen von 6 ml. Ich bin nur müde und erschöpft und schaffe meinen Alltag kaum...

20.12.2016 - 11:19 Uhr

Die Ärzte bei mir sind Stümper, der eine stellt...

von Minzi

... die Diagnose und der andere revidiert diese, obwohl ich alle Symptome habe. Beide glänzten mit eklatanten Falschaussagen (Basiswissen, es ist genau umgedreht fachlich) und geben einem falsche Tipps, wie Jod bei Hashimoto nehmen. Obwohl Antikörper da sind, wird nicht weiter geforscht bzw. der letzte Arzt nahm nur eine Antikörperart, die aber nicht betroffen ist. Eine vermutete Quecksilberursache wurde bestätigt und Ausleitung auf eigene Kosten empfohlen, aber keine Quecksilberwerte untersucht. Wozu sind die eigentlich da? Um etwas herauszufinden oder zu missachten. Bei vermuteter Quecksilbervergiftung kein Untersuchungsbedarf. Man ist sich selbst überlassen.

04.09.2016 - 11:16 Uhr

Ich kannte diese Problem auch und habe bei Olivia...

von Sylvia

... Hirschberg (auch hier zu finden) Hilfe gefunden. Ich bin von Arzt zu Arzt marschiert - alles ohne Erfolg. Es wurde immer nur die Schilddrüse angeschaut. Die Heilpraktikerin beschäftigt sich mit dem ganzen Körper und schaut auch die Nährstoffe etc. an. Die Erschöpfung ist nicht mehr da - vielleicht hilft es Dir auch. Liebe Grüße

02.02.2016 - 14:39 Uhr

Hallo liebe Maggie, also ich kann dir nur sagen,...

von Sabine

... dass ein Arzt, der diese Krankheit wirklich richtig diagnostizieren kann, sehr schwer bzw. in München nahezu unauffindbar ist. Vielleicht gibt es diese Ärzte aber auch nur in Privatpraxen und das, weil es sich eben um zeitaufwendige Behandlungen handelt. Ich weiß es aber nicht. Leider kann ich dir auch nicht weiterhelfen, zumal ich weiß, dass die jeweilige Homepage der Praxis noch so schön und informativ aussehen kann, dies aber trotzdem nichts über die jeweilige Fähigkeit des Arzt aussagt. Schon gar nicht über die Leistungen, die man dann wirklich als (Kassen-)Patient bekommt. Ich muss sagen, dass ich momentan einfach aufgegeben habe nach dem richtigen Arzt zu suchen. Ich schaue meine Blutwerte an und versuche selbst das zu ergänzen, wenn ich sehe, dass einige Werte gesunken sind (z.B. Eisen/Ferritin). Wenn man etwas zahlen muss (z.B. Vitamin D) überlege ich mir vorher ganz genau, ob ich das auch wirklich brauche. Sorry, dass ich keine besseren Nachrichten für Dich habe. Den einzigen Tipp, den ich Dir vielleicht geben kann, ist eventuell auch mal länger zu fahren und einen Arzt ausserhalb Deines PLZ-Bereichs zu suchen. Alles Liebe, Sabine.

18.01.2016 - 13:14 Uhr

Hallo Maggie, mir geht es leider auch so....

von Stella

... Früher hat mich kein Arzt ernst genommen. Irgendwann hab ich all meinen Mut zusammengefasst und habe so lange den Arzt gewechselt, bis der Richtige dabei war. Es kommt wahrscheinlich sehr selten vor, einen Arzt zu finden der wirklich richtig über die Schilddrüse und der Autoimmunerkrankung Bescheid weiß, aber dir gleichzeitig zuhört und dir auch glaubt und das ohne Vorurteile. Ich hab meine Informationen selbst zusammengesucht, damit es mir besser geht und anschließend einen Arzt gesucht, der mir glaubt und mich ernst nimmt. Mein jetziger Arzt nimmt meine Vorschläge an, schaut nicht nur auf die medizinischen Werte, sondern auch auf mein Wohlbefinden. Suche weiter, irgendein Arzt bei dir in München wird hoffentlich auch so sein. Ich wohne leider in Duisburg. LG, Stella

03.10.2015 - 18:40 Uhr

Hallo! Ich habe seit knapp 4 Jahren Hashimoto, in...

von Maggie

... München gibt es scheinbar keine Ärzte, die sich mit dieser Krankheit wirklich auskennen, man kommt sich vor wie ein Hypochonder. Die sagen immer, das kommt nicht von Hashimoto, es sollte sich schon rumgesprochen haben, dass diese Krankheit den ganzen Organismus in Mitleidenschaft zieht! Auch die ganzen natürlichen Mittel oder bestimmte Vitaminwerte im Blut muss man selber zahlen, es ist doch eine chronische Krankheit. Weiß vielleicht hier jemand einen wirklich guten Arzt. der mit der Krankheit umgehen kann?


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