Interstitielle Zystitis – schwerwiegend, selten und schwer zu erkennen

Interstitielle Zystitis zeichnet sich durch häufiges Wasserlassen und deutlichen Harndrang aus. (© DenisNata - fotolia)

Die interstitielle Zystitis (IC) ist eine sehr belastende chronische Erkrankung, die hauptsächlich Frauen im mittleren Lebensalter betrifft. In nur etwa 10% der Fälle sind auch Männer betroffen. Es können aber auch alle Altersstufen erkranken.

Gekennzeichnet ist sie durch Schmerzen im kleinen Becken, häufiges Wasserlassen am Tag und in der Nacht und einen deutlichen Harndrang ohne dass es dafür andere organische Erklärungen wie beispielsweise eine bakterielle Blasenentzündung, Tumoren oder Strahlenfolgen gibt. Die Ursachen sind weiterhin unklar, auch wenn mittlerweile viele Theorien bestehen, die von Virus- bis Autoimmunerkrankungen reichen.

Die Blasenschleimhaut ist fast immer sehr empfindlich und gereizt. Oftmals habe die Patienten eine Odyssee von Arztbesuchen beim Urologen, Gynäkologen und Gastroenterologen hinter sich, bevor jemand die richtige Diagnose stellt.

 

Ablauf der Diagnose und Behandlung 

Wie bei fast allen Krankheiten gibt eine genaue Anamnese (Vorgeschichte) inklusive aller Begleiterkrankungen und Sexualanamnese, Medikamente und psychischen Erkrankungen dem Fachmann die entscheidenden Hinweise auf das Vorliegen einer IC. Entsprechende spezifische Fragebögen können weiterhelfen, als auch Miktions- und Schmerztagebücher.

Als nächster Schritt ist eine gründliche urogynäkologische Untersuchung des kleinen Beckens und der Genitalorgane erforderlich. Eine Urinentzündung mit Bakterien, Pilzen und anderen Erregern muss immer ausgeschlossen werden. Weitere Spezialuntersuchungen können sich anschließen ggf. auch mit einer Blasenspiegelung unter Narkose mit Wasserdehnung der Blase (Hydrodistension), bei der sich häufig typische Veränderungen der Blasenschleimhaut zeigen.

Auch Gewebeproben aus der Harnblase können wegweisend sein. Am Ende stellt der Fachmann alle Befunde zusammen und die Diagnose IC kann gestellt werden, wenn „alles andere“ ausgeschlossen ist: Entzündungen, Tumore, Strahlenfolgen, Endometriose, Beckenbodenerkrankungen, Harnröhrenerkrankungen wie Divertikel oder Karunkel u.v.a.m.

 

Therapie 

Therapeutisch steht heute ein ganzes Arsenal verschiedener Methoden zur Verfügung. Begonnen sollte immer werden mit Lebensstilveränderung (Stress, Kälte, Sexualverhalten) falls sich hier Ursachen zeigen. Auch Ernährungsgewohnheiten und Unverträglichkeiten müssen überprüft werden.

Orale Medikamente die in Frage kommen sind: sogenannte Anticholinergika (Blasenberuhiger), Alphablocker (z.B. Tamsulosin), Antidepressiva (z.B. Amytryptilin) aber vor allem Pentosanpolysulfat, das die Blasenschleimhaut regenerieren soll. Weiterhin können eine Fülle verschiedener Wirkgruppen von Analgetika bis Muskelrelaxantien ausprobiert werden.

Weitere Medikamente können direkt in die Blase durch eine Instillation (per Katheter) eingebracht werden. Diese sind mittlerweile auch als Fertigarzneimittel verfügbar wie Heparin, Hyaluronsäure oder Chondroitin-Sulfat und Kombinationspräparate.

In der Regel werden sie einmal pro Woche, dann monatlich verabreicht. Am Ende der Therapiekaskade stehen operative Methoden wie Botoxinjektionen, Verödungen von Geschwüren in der Blase oder sogar die Blasenentfernung. Manchmal helfen aber auch etwas außergewöhnliche Therapien wie Biofeedback, Neuromodulation (Blasenschrittmacher), Nervenstimulationen am Bein (Tibialis) oder die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) in einer Druckkammer. Die wenigen Experten in Deutschland für diese seltene Erkrankung können meist weiterhelfen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 2

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?