Wissenschaftler warnt vor Duftstoffen und Parfum während der Schwangerschaft

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Werdende Mütter sollten, neuesten Forschungen aus England zufolge, Kosmetika mit Duftstoffen oder Parfums vor allem während den ersten Monaten der Schwangerschaft besser meiden. Viele Chemikalien, aus denen Duftstoffe heutzutage hergestellt werden, können in den ersten acht bis zwölf Schwangerschaftswochen das Fortpflanzungssystem bei ungeborenen Jungen schädigen. Laut Prof. Richard Sharpe, der über seine Forschungsergebnisse aktuell auf einem Fertilitätskongress der Universität Edinburg berichtete, kann die Schädigung durch Duftstoffchemikalien u. a. zu Infertilität und Hodenkrebs in späteren Lebensjahren führen. Sharpe gab zu bedenken, dass Infertilität und Hodenkrebs weltweit ein immer größer werdendes Problem darstellen. Ein Verzicht auf Duftstoffe während der Schwangerschaft minimiert für das Ungeborene Risiken und hat für die werdende Mutter keine nachteiligen Konsequenzen.

Kinderwunsch mit Problemen behaftet
Samenqualität und Samenquantität haben in den letzten 30 Jahren laut WHO nachgelassen. Hodenhochstand gehört mit 8% zu den häufigsten Geburtsdefekten bei Jungen und steht in Verbindung mit Infertilität sowie Hodenkrebs im späteren Alter. Auch bei Hodenkrebs gibt es einen weltweit zu beobachtenden Anstieg, der bei 1-6% liege. Ebenso wird versagter Kinderwunsch immer öfter berichtet, und bei ungefähr einem Drittel der Fälle liegt das zugrunde liegende Problem beim Mann.

Hormone durch Chemikalien blockiert
Prof. Richard Sharpe von der Universität Edinburgh weist in seiner aktuell veröffentlichten Forschungsarbeit auf die besondere Problematik hin, dass viele werdende Mütter in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sich ihrer Schwangerschaft nicht bewusst sind und somit Duftstoffe wie gewohnt verwenden. Genau in diesem kritischen Zeitraum werden bestimmte Hormone aktiviert und das männliche Fortpflanzungssystem entwickelt. Der englische Wissenschaftler stellte fest, dass Fertilitätsprobleme, verminderte Spermienanzahl und das Risiko für Hodenkrebs genau in diesem Zeitraum bestimmt werden, wenn Hormone wie Testosteron nicht richtig arbeiten. Tierversuche an Ratten führten zu Bestätigung. Die Tiere entwickelten Fertilitätsprobleme, wenn Hormone bei den Versuchstieren durch Chemikalien aus Duftstoffen blockiert waren.

Kritischer Entwicklungsabschnitt
Der Wissenschaftler aus Edinburgh und sein Team fanden ein so genanntes Programmierungsfenster, das wesentlich eher in der Entwicklungsphase des Fötus eintritt als zuvor vermutet, nämlich schon bevor die Fortpflanzungsorgane sich voll entwickeln. Genau in dieser Phase sind Androgene wie das Testosteron beim Fötus jedoch besonders aktiv. Wenn der männliche Fötus in diesem Zeitraum nicht genügend Androgene erhält, besteht die Chance, dass der Junge sein volles Fortpflanzungspotenzial nicht erreicht. Diese Problematik umfasst Größe des Penis und der Hoden, Anzahl der Spermien und Hodenhochstand.

Risiko fürs Baby ohne Nachteile minimieren
Sharpe vertritt die Auffassung, dass Frauen für ihr Baby aufhören könnten, Parfum und duftende Bodylotion zu verwenden, da es etwas Positives sei was sie für die Zukunft ihres Kindes tun können. Duftstoffe und ihre Chemikalien seien ein Expositionsweg, der Schäden bei einem ungeborenen Baby verursachen kann, und in diesem Fall könne man ihn durch eigenen Entschluss vermeiden. Dass noch kein absoluter völliger Beweis für seine Erkenntnisse vorliege und es noch einige Fragezeichen gäbe, wie beispielsweise das Ausmaß der Schäden, die durch die Auswirkungen einer Kombination bestimmter verschiedener Chemikalien eintreten, hält der Wissenschaftler in diesem Zusammenhang für nebensächlich, weil ein Verzicht für die Frauen mit Kinderwunsch überhaupt keine negativen Konsequenzen mit sich zieht.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 1. September 2008

Literatur:
Richard Sharpe, Complications in the Male, 16th Simpson Symposium 31st August – 2nd September 2008

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (6)

Martine, 17.01.2015 - 11:04 Uhr

Hallo Fr Müller, Vielen Dank für diese wichtige Aufklärung. Ich bin im 8.Ssw und arbeite in einer Firma die Duftstoffen und Duftöle für Parfum und viele Andere Sachen produziert. Ich bin ständig im Kontakt mit Duftstoffen da ich in der Qualitätskontrolle arbeite. Ich werde nächste Woche nach meinem Frauenarzt Termin mein Arbeitgeber informieren. Glauben Sie dass ich so weiter dort arbeiten kann? Was muss ich machen? Danke schön im Voraus für Ihre Antworte.

Amelie, 04.10.2008 - 15:31 Uhr

Das sehe ich ebenso, die Abhängigkeit durch die Werbung lässt vermutlich manche wissenschaftliche Erkenntnisse im Sand verlaufen. Das ist bedauerlich für uns alle, denn wir bezahlen dies mit unserer Gesundheit, sogar das ungeborene Leben. Aber Aufklärung tritt oft auf Widerstand, weil viele Menschen ihre lieb gewonnenen Gewohnheiten nicht aufgeben möchten. Ein Verzicht auf Parfum während der Schwangerschaft ist für viele Menschen unvorstellbar. Diese Erfahrung habe ich selber gemacht, meine Warnungen wollten viele einfach nicht hören. Ich verweise nochmals auf den im meinem Kommentar vom 7. September angegebenen Link zu Greenpeace. Zu glauben, dass alle Produkte des Alltags auch tatsächlich alltagstauglich sind, ist ein Trugschluss.

Silvia, 07.09.2008 - 14:04 Uhr

Die Ablehnung von Duftstoffen, die Heidi anführt, ist ein natürlicher Schutzmechanismus, den jede Schwangere von Natur aus hat. Leider sind viele junge Frauen heutzutage regelrecht süchtig nach Duftstoffen und der natürliche Schutzmechanismus wird überlagert. Die Sucht nach Duft tritt durch gesellschaftliche Zwänge ein, aber auch durch manche Chemikalien in Parfums. Warum man nicht davon gehört hat, Claudia? Diese Fakten werden im wissenschaftlichen Bereich seit Jahren diskutiert. Die Fakten aus dem Artikel sind jedoch völlig neu. Ob sie an die breite Öffentlichkeit dringen, wage ich zu bezweifeln, denn die einschlägigen Zeitschriften, in denen solche Artikel an die Frau kämen, leben von Parfümwerbung.

Amelie, 07.09.2008 - 11:34 Uhr

@Claudia Über das traurige Thema "Schadstoffe in der Muttermilch oder Nabelschnur" kann man viele Meldungen im Internet finden. Allerdings bekommt man davon ohne Eigeninitiative in den Medien leider kaum was mit. Irgendwie wird die Tragweite des Ganzen erfolgreich hinterm Berg gehalten. Daher kann ich nur zur Vorsicht im Umgang mit so manchem Alltagsprodukt raten. Greenpreace warnt ebenfalls vor Chemikalien in Alltagsprodukten: http://www.greenpeace.de/themen/chemie/gefahren_risiken/artikel/studie_gefaehrliche_chemikalien_im_nabelschnurblut/ Studie: Gefährliche Chemikalien im Nabelschnurblut Zusammenfassung der Studie von WWF und Greenpeace - Autorin: Ulrike Kallee

Claudia K., 05.09.2008 - 01:47 Uhr

Wirklich sehr belehrend.. aber warum hat man dieses Thema nicht in "ehrlicher" Art bereits erfahren? Ich lese dies zum ersten Mal..

Hedi33, 04.09.2008 - 14:09 Uhr

Wertvolles Bauchgefühl... Vielen Dank für diesen informativen Artikel. In meinen beiden Schwangerschaften habe ich jede Art von unnatürlichen Duftstoffen abglehnt. Sobald ein Hauch von Parfum in der Luft lag wurde mir sofort übel. Alle Duftnoten, auch die meines Mannes wurden weggeräumt. Die Ablehnung begann bevor ich von der Scchwangerschaft wußte und hielt noch die Stillzeit über an. Nun kannn ich informiert jeder Schwangeren raten, der Nase nach dem Bauchgefühl zu folgen.

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