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Wann ist eine Gallenblasenentfernung notwendig?

Priv.-Doz. Dr. Holler-Waldmann

© Piotr Marcinski fotoliaDie Gallenblase sollte entfernt werden, wenn Schmerzen auftreten (© Piotr Marcinski fotolia)Wenn die Gallenblase entfernt werden muss, liegt das meistens am sogenannten symptomatischen Gallensteinleiden. Unter diesem Begriff sind die Gallenkolik, die Gallenblasen- und die Bauchspeicheldrüsenentzündung zusammengefasst. Ab wann ist eine Operation notwendig? Wie läuft sie ab? 

Was ist eine Gallenkolik?

Bei der Gallenkolik treten Steine aus dem Gallenwegssystem in den Zwölfinger-Darm ein, wobei die Schmerzen durch den Übertritt des Steins an der Papille ausgelöst wird. Die Papille ist ein Schließmuskel an der Einmündungsstelle des Hauptgallengangs und des Bauchspeicheldrüsengangs in den Zwölffingerdarm. Durch Steine, die hier festsitzen, staut sich Bauchspeicheldrüsensekret auf. So kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung entstehen. Die Entzündung ist eine lebensbedrohliche Situation.

Wird die Gallenblase nicht entfernt, können schwere Folgen entstehen

Um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse zu vermeiden, sollte die Gallenblase bereits nach einmaliger Gallenkolik entfernt werden. Vor dem Eingriff muss allerdings sichergestellt werden, dass kein Gallenstein im Hauptgallengang oder an der Papille festsitzt, der sich im Rahmen einer Kolik gelöst haben kann.

Dazu wird der gelbe Blutfarbstoff überprüft und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Falls Steine, die zu einem Aufstau führen, im Hauptgallengang sind, ist eine sogenannte Endoskopische Retrograde Cholangiographie (kurz ERC) erforderlich. Hier wird der Gallenausführungsgang wie bei einer Magenspiegelung über den Zwölffingerdarm im Bereich der Papille untersucht. Dabei können eventuell vorhandene Steine entfernt werden.

Wie wird die Gallenblase entfernt?

Die Gallenblasenentfernung wird heute üblicherweise in minimalinvasiver Technik durchgeführt und dann als laparoskopische Cholezystektomie bezeichnet. Wenn Gallensteine nicht die oben genannten Beschwerden auslösen, muss die Gallenblase nicht entfernt werden.

Ausnahmefälle sind die sogenannte Porzellangallenblase und Gallenblasenpolypen von mehr als zehn Millimeter Größe. Die Gallenblasenentfenrung ist in diesen Fällen dringend anzuraten. 

© fotolia-Bruno RaffaWenn sich Gallensteine verbreiten sollte die Gallenblase in der Regel entfernt werden (© fotolia-Bruno Raffa)Was bedeutet eine minimalinvasive Gallenblasenentfernung?

Bei einer laparoskopischen Cholezystektomie werden über vier kleine Zugänge (0,5-1 cm) Instrumente eingebracht, mit denen die Gallenblase mitsamt der Steine abgesetzt und aus dem Körper geborgen wird.

Als erster Schritt werden zunächst der Gallenblasenausführungsgang und danach die zuführende Gallenblasenarterie mit Clips verschlossen und durchtrennt. Um zu vermeiden, dass die rechte Leberarterie verletzt wird, ist es sehr wichtig, dass sich der Operateur gut mit der Anatomie der Gallenblasenarterie auskennt. Komplikationen, wie eine Gallefistel, ein Bluterguss oder Hauptgallengangsverletzungen, sind bei der minimalinvasiven elektiven Cholezystektomie sehr selten. Sie stellt an vielen Kliniken einen Ausbildungseingriff dar.

Die konventionelle Gallenblasen-OP oder Konversion wird immer dann erforderlich, wenn nach der Voroperation Verwachsungen vorhanden sind, die sich minimalinvasiv nicht lösen lassen, keine eindeutige anatomische Übersicht gewonnen wurde und der Gallenblasenausführungsgang nicht sicher identifiziert werden kann. Ein weiterer Grund kann eine Blutung sein, die allerdings extrem selten auftritt. Insgesamt werden über 90 % der minimalinvasiv begonnenen Cholezystektomien auch minimalinvasiv zu Ende geführt. Eine große Rolle spielt auch die persönliche Erfahrung des Operateurs.

Die minimalinvasive Cholezystektomie erfolgt in Vollnarkose und ist in der Regel mit einem stationären Aufenthalt von zwei Tagen verbunden. Nach einer offenen Operation ist die mittlere Liegedauer fünf Tage.


Ein Leben ohne Gallenblase

Das Leben ohne Gallenblase unterscheidet sich eigentlich nicht von dem mit dem Organ. Die Patienten werden normalerweise nach einer Gallenblasenentfernung keinen Unterschied feststellen, da die Gallenblase ein Relikt aus grauer Vorzeit und damit entbehrlich ist.

Die Speicherfunktion der Gallenblase übernimmt zu einem überwiegenden Anteil das Gallengangssystem, das sich nach dem Eingriff von fünf auf zehn Millimeter erweitert. Die Ernährung und Verdauung bleiben unbeeinträchtigt.

 

Auf einen Blick

Erfolgsraten

Die Entfernung der Gallenblase gelingt bei 100 % der Fälle.

Kostendeckung bei Beschwerden zu 100 %.

Risiken

  • Verletzung des Hauptgallenganges, Gallefistel, Hämatom,Trokarhernie
  • sehr selten: Verletzung benachbarter Organe (Zwölfingerdarm, Dickdam oder leber), Nachblutung

Arbeitsunfähigkeit

in der Regel sieben bis vierzehn Tage

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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