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Kalkschulter-OP: Ablauf, Heilungsdauer, Narkose & Nachsorge

Dr. Gaiser

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©fotolia-bilderzwergBei der Kalkschulter verkalken Sehnen, sodass die Bewegung eingeschränkt wird (©fotolia-bilderzwerg)Die Kalkschulter ist ein häufiges Krankheitsbild beim Orthopäden. Erfahren Sie, wann eine OP notwendig ist, wie Ablauf und Nachsorge aussehen und wann Sie wieder fit sind.  

Wie entsteht die Kalkschulter?

Die Ursachen sind vielfältig. In der Regel findet man gleichzeitig immer ein sogenanntes Impingementsyndrom. Das heißt bei Bewegung, vor allem überkopf, klemmen sich die Strukturen zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf regelmäßig ein. Die Strukturen sind ein Schleimbeutel und verschiedene Sehnen der Muskulatur, die den Oberarmkopf umspannt, die sogenannte Rotatorenmanschette.

Die Ursache ist ein hochsteigender Oberarmkopf, ausgelöst durch eine Schwäche oder ein Ungleichgewicht mit den übrigen Anteilen der Schultermuskulatur. Durch die immer wiederkehrende Einklemmung von Schleimbeutel oder Sehnenanteilen kommt es schließlich zur chronischen Entzündungsreaktion unter dem Schulterdach. Verschlechtert sich die Durchblutungssituation in diesem Bereich gleichzeitig, neigen die Sehnen zur Verkalkung. Die Kalkschulter entsteht.

Wie wird die Kalkschulter behandelt?

Die Verkalkungen sind anfänglich relativ weich, können aber mit der Zeit steinhart werden. Wenn der Kalkherd in den Schleimbeutel durchbricht, treten starke Schmerzen auf. Sie können soweit gehen, dass der Arm vollständig gebrauchsunfähig wird. Dort ist die Durchblutungssituation besser, sodass es zu diesem Zeitpunkt häufig zum Abbau und Abtransport des Kalkherdes kommt. 

Die Entzündungsreaktion kann mit einer Kortisoninjektion in den Schleimbeutel abgemildert werden. Unterstützend sollten antientzündliche, schmerzstillende Medikamente für ein bis zwei Wochen gegeben werden. 

Sehr gute Erfolge bei der Kalkschulter erzielt auch die fokussierte Stoßwellentherapie. Hier wird der Kalkherd unter Röntgen- oder Ultraschallkontrolle mit elektromagnetischen Wellen in drei bis vier Sitzungen mit Abstand von einer Woche zertrümmert. Die Erfolgsrate beträgt 70-80 %. Leider übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für dieses sehr wirksame und quasi risikofreie Verfahren nicht.

Wie wird die Kalkschulter operiert?

Sollten die genannten Verfahren versagen, muss der Kalkherd unter dem Schulterdach operativ entfernt werden. Das geschieht in der überwiegenden Zahl der Fälle in Schlüssellochtechnik mittels Schulterarthroskopie. Nur sehr große Kalkherde müssen selten mit einem kleinen offenen Zugang entfernt werden. 

Dazu ist der Patient in Vollnarkose. Zusätzlich wird im Rahmen der Schmerztherapie ein Schulterblock mit örtlichen Betäubungsmitteln durchgeführt. Der Patient wird dabei entweder in Rücken- oder in Seitenlage positioniert. 

©Photographee.eu - fotoliaWenn die Kalkschulter bereits ausgeprägter ist, kann oft nur noch eine Operation helfen (©Photographee.eu - fotolia)Dabei wird in der Regel die Sehne der Rotatorenmanschette längs geschlitzt, da der Kalkherd in der Sehnenstruktur liegt und nur selten frei unter dem Schulterdach. Manchmal muss zur Lokalisation des Kalkherdes der Bildwandler – ein mobiles Röntgengerät – zur Hilfe genommen werden, vor allem wenn die Kalkherde sehr klein sind. Die längsgespaltene Sehne wird mittels Naht verschlossen. Sollte zeitgleich ein Sehnenriss oder -teilriss vorhanden sein, wird er in der gleichen Sitzung mit Ankernähten versorgt. 

Zusätzlich wird das Schulterdach mit einer Hochfrequenzfräse drei bis vier Millimeter abgeschliffen und der Schleimbeutel entfernt, sodass der Raum unter dem Schulterdach erweitert wird.

Insgesamt handelt es sich um ein risikoarmes und effektives Verfahren. Ein hervorragendes Ergebnis wird, wie bei allen operativen Verfahren, durch eine hohe operative Expertise, einen hochmotivierten Patienten und eine optimale Nachbehandlung erzielt.

Wie geht es nach der Operation weiter?

Nach der Operation wird der Arm in einem speziellen Rumpf-Arm-Verband gelagert. Wird zeitgleich ein Sehnenriss oder -teilriss versorgt, erhält der Patient nach der Operation ein Schulteraduktionskissen, das den Arm abgespreizt lagert. 

Der Aufenthalt im Krankenhaus beträgt maximal zwei Tage. Sehr oft wird der Eingriff auch ambulant durchgeführt. 

Bei einem Sehnenriss muss der Patient das Abduktionskissen sechs Wochen tragen. Er darf den Arm nur passiv bewegen. Bei der Kalkschulter ohne Sehnenriss darf der Arm nach einigen Tagen im Rumpfarmverband aktiv bewegt werden. 

Zusätzlich sollte zweimal pro Woche Krankengymnastik durchgeführt werden. Dabei empfiehlt sich eine Schulterbewegungsschiene. Die Genesungszeit für die unkomplizierte Kalkschulter beträgt in der Regel sechs bis acht Wochen. Überkopfsportarten sollten mindestens für drei bis vier Monate pausiert werden.

Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit richtet sich nach dem Berufsbild und der Arbeitsschwere. Für mittelschwere Tätigkeiten erhält der Patient oftmals eine Krankschreibung für sechs Wochen. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (6)


19.09.2018 - 10:45 Uhr

Bei mir wurde eine Kalkschulter festgestellt .Habe...

von Alexandra L.

... vorerst gegen die Schmerzen Kortison in die Schulter gespritzt. Mein Orthopäde meinte, dass wird nicht auf Dauer helfen, und rät mir auf Grund meiner körperlich schweren Arbeit (bin Tierwirtin /Rinderhaltung -hauptsächlich zZ melken) zu einer Stoßwellentherapie, die ich allerdings selbst bezahlen müsste. Sind die Aussichten danach besser oder folgt danach evtl doch eine OP? Ich muss ja danach meine körperliche Belastbarkeit recht schnell wieder erlangen können.

Dr. Gaiser

Antwort vom Autor am 25.09.2018
Dr. med. Eugen Gaiser

Sehr geehrte Patientin, ich führe in meiner Praxis täglich Stoßwellentherapie bei Kalkherden durch. Meine Erfolgsquote bei über 1000 behandelten Schultern liegt im eigenen Patientengut bei 90%. Ich rate jedem Patienten vor dem operativen Eingriff zur Duchführung einer Stoßwellentherapie (auch wenn er diese selber zahlen muss; bei Privatpatienten wird die Therapie ja vollständig übernommen). Der große Vorteil ist, daß keine Arbeitsunfähigkeit entsteht wie bei der operativen Entfernung des Kalkherdes (hier sind mit 6-8 Wochen bei mittelschwerer Tätigkeit zu rechnen). MFG Dr.Gaiser und Team

12.09.2018 - 07:05 Uhr

Ich wurde am 9.8.an der Schulter Operiert und ging...

von Katrin

... am 3.9 wieder arbeiten. Bin in der Küche tätig und kann noch nicht alles machen.

08.08.2018 - 21:29 Uhr

Ich leide seit Monaten an einer Kalkschulter,...

von Petra K.

... möchte aber keine Cortisonspritzen und keine Stosswellenbehandlung, da mir mein Orthopäde davon abgeraten hat, bleibt mir dann nur noch eine OP?

10.07.2018 - 21:13 Uhr

Ich stehe im Moment vor der Frage,ob und wie gut...

von Johannes G.

... Stoßwellen bei einer Kalkschulter sind und ab wann eine Op erforderlich wird.

24.06.2018 - 23:55 Uhr

Ich habe seit acht Monaten Schmerzen und...

von Klaus B.

... Bewegungseinschränkung in der rechten Schulter .z.B. im liegen auf dem Rücken kann ich den rechten Arm nicht mehr wie 90 Grad im Halbbogen über den Kopf führen. Ich mache seit acht Wochen intensive Übungen aber leider ohne erfolg. Was nun?

Dr. Gaiser

Antwort vom Autor am 25.06.2018
Dr. med. Eugen Gaiser

Bei der bestehenden Bewegungseinschränkung beginne ich mit einer 3er Serie von Hyaluronsäureinjektionen zur Verbesserung der Beweglichkeit und ergänze dies im Intervall durch eine gezielte Faszientherapie in Kombination mit einer speziellen osteopathischen Technik (SPENCER-TECHNIK). Vor allen ist zu klären, ob die Bewegungseinschränkung knöchern bedingt ist (durch Arthose) oder durch Weichteile im Rahmen bestehender Verklebungen. MFG Dr.Gaiser

26.03.2018 - 17:13 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Dömkes, ich leide schon...

von J. Buchner

... seit Jahren unter Rückenschmerzen in Höhe der Schulterblätter bei längerem Stehen oder Laufen. Später trat ein HWS-Syndrom auf. Ich kann meinen Kopf nur eingeschränkt nach rechts und links drehen. Wenn ich den Kopf schräg nach oben rechts bewege spüre ich einen deutlichen Schmerz. Seit ca. 3 Monaten leide ich unter bewegungsabhängigen Schmerzen in der rechten Schulter, die mich sehr einschränken. Was mir aber besonderen Kummer bereitet, sind die oft unerträglichen Schulterschmerzen in der Nacht. Konstatiert wurde ein Imgingement Syndrom. Röntgen- und Ultraschall Untersuchung ergaben als Diagnose eine Entzündung in der Schulter. Verschrieben wurden Ibuprophen, das ich nicht vertrug und Physiotherapien, die nicht halfen. Ein Impingement kann, so viel ich weiss mehrere Ursachen haben: Kalkschulter, Bursitis und Riss in der Rotatorenmanchette. Ich bin ziemlich ratlos, wie es weiter gehen soll. Meine Lebensqualität ist stark gemindert. Wie kann ich eine eindeutige Diagnose erlangen, die zu einer zielgerilchteten Therapie und Heilung führt? Ist eine Operation erforderlich? Ich bin 86 Jahre alt, sportlich und physisch in guter Verfassung. Für Ihre Antwort schon meinen besten Dank im voraus. MfG, Buchner

Dr. Gaiser

Antwort vom Autor am 29.03.2018
Dr. med. Eugen Gaiser

Sehr geehrter Herr Dömkes, aus der bisher bei Ihnen durchgeführten Diagnostik (Untersuchung, Röntgen, Ultraschall) kann man eindeutig die Diagnose Kalkschulter bzw. Riß der Rotatorenmanschette stellen oder eben ausschließen. Scheinbar hat der Sie behandelnde orthopädische Kollege dies nicht konsequent genug getan. Der Schleimbeutel reagiert bei jedem Impingementsyndrom mit, sodaß eine Bursitis d.h. Entzündung der Bursa immer vorliegt. Ein Riß der Rotatorenmanschette ist in ihrer Altersgruppe bei ca. 60-70% aller Menschen vorhanden, auch wenn diese Menschen keine Schmerzen aufweisen. Durch den Riß der Rotatorenmanschette kommt es in der Regel zu Hochsteigen des Oberarmkopfes und damit zur Einklemmung (Impingement). In der Regel liegt in Ihrem Alter auch eine mehr oder minder ausgeprägte Verschleißerkrankung des Schultergelenkes vor (Arthrose). Der bei Ihnen bestehende Nachtschmerz ist typischer Ausdruck der bestehenden Entzündung. Ich therapiere meine Patienten mit einer 3er Serie von Hyaluronsäureinjektionen (spezielles Sehnenpräparat) welches ich um die Rotatorenmanschette zur Reduktion der Einklemmungserscheinung und Verbesserung des Gleitverhaltens der Sehnen spritze. Dies kombiniere ich mit einer 3er Serie von fokussierten Stoßwellen (2000 Schuß subacromial) im Bereich der Rotatorenmanschette und radialer Stoßwelle in den muskulären Triggerpunkten. Mit dieser hocheffektiven Therapie läßt sich der Nachtschmerz in der Regel vollständig beseitigen. Leider wird diese hocheffektive von den gesetzlichen Krankenkassen (im Gegensatz zu den meisten privaten Krankenkassen). Für den Selbstzahler belaufen sich die Gesamtkosten der Therapie (3 Sitzungen: Injektionstherapie + radiale/fokussierte Stoßwelle) auf ca. 480 Euro (nach GOÄ). Von einer Operation in Ihrem Alter würde ich generell abraten, da der (mit größter Wahrscheinlichkeit vorhandene) Riß der Rotatorenmanschette nicht rekonstruierbar ist und dann nur die Möglichkeit eines künstlichen Schultergelenkes besteht. Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen weiterhelfen und wünsche gute Genesung.


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