Akupunktur – kleiner Piks, große Wirkung?

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Akupunktur ist eine Heilmethode der traditionellen chinesischen Medizin und über 2000 Jahre alt. Über diese Nadeltechnik und ihre Anwendung berichtet die jameda Gesundheitsredaktion in diesem Gesundheitstipp.

Qi – Der Fluss der Lebensenergie
Nach Auffassung der traditionellen chinesischen Medizin durchströmt den Körper das Qi. Der Begriff Qi steht für Lebensenergie. In einer Art Hauch oder Atem durchströmt das Qi über Leitbahnen den Körper. Aufgereiht auf den Leitbahnen sitzen über 360 Akupunkturpunkte. Werden ausgewählte Punkte stimuliert, wie z. B. in der Akupunktur über feine Nadeln, kann der Fluss der Lebensenergie harmonisiert werden.

Hauchdünne Nadeln für 20-30 Minuten
Die Lage der Leitbahnen und Akupunkturpunkte sind auf Tafeln und Körpermodellen sehr anschaulich dargestellt. Erfahrene Akupunkteure kennen die Punkte und spüren sie individuell bei jedem Patienten. Eine Akupunktursitzung dauert etwa 20-30 Minuten, der Patient liegt oder sitzt dabei bequem. Verwendet werden feine Nadeln mit einem Durchmesser von 0,14-0,3 mm. Zum Vergleich: Beim Impfen sind beispielsweise Nadeln der Stärke 0,8-0,9 mm üblich.

Beim Einstich sollte sich ein De-Qi-Gefühl einstellen
Der Therapeut sticht die Nadeln an ausgewählten Akupunkturpunkten 10-40 mm in die Haut ein. Zur Wirkungsverstärkung kann er die Nadeln drehen, klopfen oder erwärmen. Der Einstich ist in der Regel schmerzfrei, sollte aber beim Patienten sowie beim Behandelnden ein De-Qi-Gefühl hervorrufen. Der Patient kann dies z. B. als Druck, Kribbeln oder Taubheit verspüren, der Therapeut sieht beispielsweise, wie sich die Haut um die Einstichstelle strafft. Meist werden nur wenige Nadeln gesetzt, manche Therapeuten verwenden aber auch 10-20 oder bis zu 40 Stück. Die Akupunktur wird oft mit Moxabustion kombiniert. Dabei wird die Haut vor dem Setzen der Nadeln oder währenddessen erwärmt, indem Moxazigarren aus getrocknetem Beifuß abgebrannt werden.

Abwandlungen: Elektro- und Laserakupunktur
Es gibt zahlreiche Abwandlungen der klassischen Akupunktur. So kommen z. B. chinesische/japanische Schädel- oder koreanische Handakupunktur zum Einsatz, auch Mund- und Ohrakupunktur haben sich entwickelt. Die Reizpunkte können auch auf andere Weise als durch Nadeln stimuliert werden, z. B. durch schwachen Strom, Laserlicht, Stoßwellen, Infrarotlicht oder Massage.

Akupunktur als Ergänzung zu anderen Heilkonzepten
Nach westlichem Verständnis der Medizin kann die Funktionsweise der Akupunktur bisher nicht ausreichend erklärt werden. Es gibt zahlreiche Berichte über ihre positive Wirksamkeit, in Vergleichen schnitt jedoch auch Scheinakupunktur teilweise sehr gut ab. Die Indikationsliste für Akupunktur, die von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht wird, ist lang. So kann die asiatische Nadeltechnik z. B. bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Magen-Darm-Traktes, Erkältungsbeschwerden oder diversen Schmerzzuständen angewendet werden. Manche Stimmen fordern, die Akupunktur unbedingt mit anderen Methoden der traditionellen chinesischen Medizin wie der Kräuterheilkunde zu kombinieren, viele Ärzte, Hebammen, Physiotherapeuten und Heilpraktiker setzen sie jedoch auch ergänzend zu anderen Heilkonzepten wie der Schulmedizin oder Homöopathie ein.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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