Wie wirkt eigentlich Homöopathie? So geht man vor

Welche Wirkungen können homöopathische Mittel erzielen? (© Bru-nO)

Homöopathie ist eine ganzheitliche Heilmethode. Sie wurde von dem Arzt Samuel Hahnemann vor ca. 200 Jahren begründet.

„Ganzheitlich“ bedeutet, dass Körper und Seele bei der Behandlung als eine Einheit gesehen werden. Ziel der Behandlung ist es, die Energie des Menschen (die sog. Lebenskraft) von innen heraus zu stärken und die Selbstheilungskräfte anzuregen. In der Homöopathie steht daher auch nicht eine Krankheit im Mittelpunkt der Behandlung. Behandelt wird vielmehr der ganze Mensch.

Wie geht man in der Homöopathie vor?

Die homöopathische Behandlung folgt drei Prinzipien:

  • Ähnlichkeit: Das Ähnlichkeitsprinzip besagt, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt wird. HomöopathInnen suchen bei der Behandlung daher nach einem Mittel, das bei gesunden Menschen ähnliche Symptome erzeugt, wie sie auch beim Patienten oder der Patientin vorliegen. Dieses Mittel wird in einer stark verdünnten Form verabreicht.
  • Potenzierung: Potenzierung bezieht sich darauf, dass das homöopathische Mittel bei der Zubereitung sowohl verdünnt wird als auch verschüttelt. Die Flasche mit der Mittellösung wird z. B. mehrfach gegen einen festen Gegenstand geschlagen. Denn Hahnemann entdeckte durch Zufall, dass ein Mittel nach der Verschüttelung stärker wirkt als vorher.
  • Individualisierung: Ein homöopathisches Mittel wird so ausgewählt, dass es möglichst gut zu dem Patienten oder der Patientin passt. Die homöopathische Behandlung ist also immer auf den einzelnen Menschen abgestimmt. Was bei dem einen Menschen wirkt, verändert bei dem anderen möglicherweise gar nichts.

Wirkt Homöopathie überhaupt?

Gegen die Homöopathie wird oft der Einwand vorgebracht, dass sie eigentlich gar nicht wirken könne. Denn homöopathische Mittel werden so stark verdünnt, dass in den Verdünnungen ab einer bestimmten Potenz in der Tat keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr nachweisbar sind. Dies ist ab den Potenzen D24 und C12 der Fall.

Der Nachweis für die Wirkung der Homöopathie ist sehr komplex. Das ist schon deswegen der Fall, weil Homöopathie ein individualisierter Ansatz ist. Man würde also in der Homöopathie gar nicht erwarten, dass dasselbe Mittel bei mehreren Menschen mit derselben Erkrankung eine Verbesserung der Symptome bewirkt.

Trotz dieser Probleme beschäftigen sich verschiedene Organisationen mit Forschung zur Homöopathie. In Deutschland ist das die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie, in England das Homeopathy Research Institute.

Es gibt auch eine ganze Reihe von Studien zur Wirkung der Homöopathie. Besonders wichtig sind dabei sog. Meta-Analysen. Bei einer Meta-Analyse werden viele Studien zum selben Thema (also hier zur Wirkung einer homöopathischen Behandlung) zusammengefasst und daraufhin beurteilt, ob sich über alle Studien zusammen ein Hinweis auf die Wirksamkeit ergibt.

In den letzten Jahren haben mehrere Regierungen solche Meta-Analysen in Auftrag gegeben, nämlich die Englands, Australiens und der Schweiz (auf die gleich zwei Studien zurückgehen). Drei dieser Meta-Analysen kommen zunächst zu dem Ergebnis, dass Homöopathie eher nicht wirkt.1

Diese Meta-Analysen werden in der Literatur jedoch sehr kontrovers diskutiert. So gibt es Zweifel daran, dass Studien (die für die Homöopathie sprechen) hinreichend in die Meta-Analysen einbezogen wurden. Auch hat es in Bezug auf die australische Studie gegen einzelne Autoren Vorwürfe wegen ethischen Fehlverhaltens gegeben.2

Eine der beiden Schweizer Studien findet dagegen hinreichende Nachweise für eine Wirksamkeit der Homöopathie, insbesondere bei Atemwegserkrankungen.1

Wie wirkt Homöopathie?

Wie kann etwas wirken, das keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr enthält? Seit einigen Jahren widmen sich immer mehr WissenschaftlerInnen mit der Grundlagenforschung der Frage nach dem Wirkmechanismus der Homöopathie.

Unterstützung für das Ähnlichkeitsprinzip findet sich vor allem in der Forschung zur sog. Hormesis: Hormesis bezieht sich darauf, dass ein- und dieselbe Substanz in unterschiedlicher Konzentration je unterschiedlich wirken kann, nämlich schädlich in einer hohen Dosierung und gesundheitsförderlich in einer niedrigen Dosierung.3

Wenn man einem Organismus eine schädliche oder sogar giftige Substanz verabreicht, kann die schädliche Wirkung dieser Substanz dadurch abgemildert werden, dass dem Organismus im Anschluss eine deutlich schwächere Dosis derselben Substanz verabreicht wird. Hormesis ist in der Medizin ein gut belegtes Phänomen.

In Bezug auf das Prinzip der Potenzierung lohnt sich ein Blick in die Nanowissenschaften. Dort beschäftigt man sich mit den Eigenschaften von Nanopartikeln. Nanopartikel sind winzigste Teilchen, gerade mal 10⁻⁹ Meter groß, d. h. ein milliardstel Meter.

Allerdings sind die Nanopartikel einer Substanz nicht einfach nur kleinere Teichen dieser Substanz. Nanopartikel haben durch ihre Faltung im Vergleich zur Ausgangssubstanz eine ungleich größere Oberfläche. Dadurch verändern sich auch die Eigenschaften einer Substanz. Das Metall Gold weist beispielsweise, wie der Name schon sagt, in seiner Ausgangsform eine goldene Farbe auf und hat keine magnetischen Eigenschaften. Nanopartikel von Gold sind dagegen rot und magnetisch.4

In der Forschung gibt es Hinweise darauf, dass Arzneien in homöopathischen Hochpotenzen solche Nanopartikel der entsprechenden Substanzen enthalten. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Oberfläche der Nanopartikel mittels der homöopathischen Verschüttelung durch Bläschenbildung noch einmal vergrößert wird. Schließlich gibt es eine Vielzahl von Forschungsarbeiten, die zeigen, dass Substanzen in homöopathischen Hochpotenzen eine (experimentell abgesicherte) Wirkung auf Zellen, Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere haben.14

Es gibt diesbezüglich auch Modelle, die zeigen, wie genau die Wirkung homöopathischer Substanzen auf der Ebene von Nanoteilchen aussehen könnte. Diese Modelle sind allerdings hochkomplex und auch noch nicht durch empirische Studien belegt.4

Wie genau Homöopathie wirkt, wird also derzeit noch untersucht. Es gibt aber durchaus Hinweise aus der wissenschaftlichen Forschung darauf, dass sie wirkt. Und es scheint plausibel, dass dabei sowohl das Phänomen der Hormesis als auch die Eigenschaften von Nanopartikeln eine Rolle spielen.

Literatur

  1. Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (2016). Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie. https://www.wisshom.de/whwp/wp-content/uploads/2019/11/forschungsreader_2016.pdf
  2. Ullman, Dana (2021). An analysis of four government-funded reviews of research on homeopathic medicine. Cureus 13(6): e15899. doi:10.7759/cureus.15899.
  3. Dei, Andrea (2017). Hormesis and homeopathy: Towards a new self-consciousness. Dose-Response. https://doi.org/10.1177%2F1559325817744451.
  4. Ullman, Dana (2021). Exploring possible mechanisms of hormesis and homeopathy in the light of nanopharmacology and ultra-high dilutions. Dose-Response. https://doi.org/10.1177%2F15593258211022983

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

Karsten, 13.09.2021 - 18:40 Uhr

Nur ein Satz: Homöopathie wirkt nicht über den Placeboeffekt hinaus (ist bereits während der Zeit von Hahnemann bekannt gewesen und einfach Fakt).

Antwort von Dr. phil. Margrit Schreier, verfasst am 14.09.2021

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar! In der Tat ist die Homöopathie ein umstrittenes Verfahren. Umso spannender finde ich es, dass es inzwischen durchaus Studien gibt, die nach den üblichen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt sind und für die Wirksamkeit der Homöopathie sprechen, z.B.: Die Schweizer Metaanalyse mit einer zusammenfassenden Veröffentlichung der Ergebnisse in Complementary Medicine Research: https://www.karger.com/Article/Abstract/93586; oder, als Einzelstudie, die 2020 im Onocologist publizierte Studie von Prof. Michael Frass et al. aus dem Allgemeinen Krankenhaus Wien: https://theoncologist.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/onco.13548.

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