Neues zur Therapie von Nieren- und Harnleitersteinen

© ag visuell - Fotolia.com

Harnsteinerkrankungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In den 80er Jahren wurde mit der in Deutschland entwickelten Stoßwellenbehandlung (ESWL - extrakorporale Stoßwellenlithotripsie) als nicht invasive Behandlungsmethode die Therapie von Nierensteinen erstmals revolutioniert. Bis dahin konnten Nierensteine nur durch Schnittoperationen oder stark kalibrige Endoskope (über die Flanke) behandelt werden. Nicht selten wurden an Kliniken mehr als 1000 ESWL-Behandlungen pro Jahr durchgeführt, was nicht zuletzt durch Mehrfachbehandlung wegen geringer Steinfreiheitsraten (Steinreste verblieben in der Niere) bedingt war.

Die endoskopische Behandlung von Harnleitersteinen war in den 90er Jahren lange nur im unteren Harnleiterabschnitt möglich, da durch die Größe der Instrumente mit zunehmender Entfernung von der Harnblase die Komplikationsrate deutlich anstieg. Auch hier wurden nach vorausgegangener vorübergehender innerer Harnableitung über kleine Röhrchen – sog. Doppel-J-Katheter – die Steine vornehmlich mit ESWL behandelt. Die Weiterentwicklung minimal-invasiver Behandlungsmethoden führte zur Entwicklung dünner Instrumente zur Einführung in den Harnleiter durch die Blase (Ureteroskope), die hier zunehmend die ESWL als primäre Behandlungsmethode ablösten. Mit der Einführung flexibler Ureteroskope war der Zugang auch zu Nierensteinen erstmals auch durch die Harnröhre möglich.

Hier hat die Entwicklung in den letzten zehn Jahren einen rasanten Sprung zu schwach kalibrigen, hoch auflösenden Instrumenten gemacht, deren Bewegungsspielraum durch mögliche Abwicklungen von 270° an der Spitze nahezu uneingeschränkt ist. Die Technik der ESWL-Behandlungen wird an vielen Kliniken zunehmend nur noch in Ausnahmefällen und oft nur auf Wunsch der Patienten durchgeführt. Der Grund: Dank der modernen Instrumente (flexible Ureteroskopie) und schonenden Anästhesieverfahren können die Patienten in der Regel in nur einer Behandlungssitzung steinfrei gemacht werden.

Alle nicht spontan abgangsfähigen Steine im Harnleiter und Nierensteine bis zu einem Volumen von ca. 1cm³ werden in Narkose mit oder ohne Zertrümmerung durch einen Holmiumlaser durch die Harnröhre entfernt. Zur sicheren Harnableitung erhalten die Patienten eine innere Schiene (Doppel-J-Katheter), die der niedergelassene Urologe nach einer Woche ambulant in örtlicher Betäubung entfernt.

Größere Nierensteine werden durch ein bleistiftdickes Instrument, welches über die Flanke zur Niere vorgeführt wird, entfernt. Der anschließend über den gleichen Zugang eingelegte dünne Nierenkatheter wird in der Regel am übernächsten Tag entfernt und dann geht es stein- und schlauchfrei nach Hause. Was bleibt, ist eine 1 cm große Narbe an der Flanke. Das gesamte Repertoire der modernen Steinbehandlung von Medikamenten über die Zertrümmerung und die Laserbehandlung sollte vorgehalten werden und für jeden Patienten eine individuelle Therapie gewählt werden. Ab besten ist aber weiterhin die Verhütung von Nierensteinen. Das geschieht am einfachsten durch regelmäßiges Trinken: Es reicht aus, alle 1-2 Stunden 1 Glas zu trinken, um die Steinbildung zu verhindern!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 7

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (3)

Monika, 21.11.2014 - 07:40 Uhr

Sehr geehrter Herr Doktor Thiel, ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre freundliche Antwort. Mit besten Grüßen Monika

Monika, 26.10.2014 - 09:50 Uhr

Sehr geehrter Herr Doktor Thiel, bei meinem Freund wurde ein Nierenstein diagnostiziert, der noch keine größeren Beschwerden verursacht. Allerdings ist der Drang zum Wasser lassen sehr häufig, obwohl er sehr wenig trinkt.Was kann ich ihm raten, um eine evtl.spätere Operation auszuschließen? Erwarte gerne Ihre Antwort. Vielen Dank. MfG Monika

Antwort von Dr. med. Ralf Thiel, verfasst am 20.11.2014

Sehr geehrte Angehörige, Beschwerdem beim Wasserlassen nur durch einen Nierenstein (und keinen Harnleiterstein!) sind kaum denkbar und ungewöhnlich. Da liegt eventuell eine andere Ursache vor. Ob der Stein trotzdem behandelt werden sollte, kann nur entschieden werden, wenn die Bilder und der Patient dazu bekannt sind. Manche Steine gehen von alleine ab, andere kann man mit Medikamenten behandeln, andere endoskopisch entfernen. Das ist - wie so häufig in der Medizin - eine Einzelfallentscheidung. Bitte wenden Sie sich an den Urologen Ihres Vertrauens. Beste Grüße Dr. R. Thiel

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?