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Bioidentische Hormonersatztherapie

Bioidentische Hormonersatztherapie

Prof. Dr. Kleine-Gunk

von
verfasst am 26.06.2012

© Hannamonika - Fotolia.com
So wechselhaft wie die Wechseljahre, so wechselhaft ist auch die Geschichte der Behandlung klimakterischer Beschwerden. Insbesondere die Hormonersatztherapie hat dabei sehr unterschiedliche Bewertungen erfahren. In den 1980er und 90er Jahren war sie nicht nur die Standardtherapie zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden, sie stand auch in dem Ruf, eine Art hormoneller Jungbrunnen zu sein. Gleich ob Arterienverkalkung, Osteoporose oder Alzheimer (Demenz) - Östrogene und Co. galten als Universalwaffe gegen Alterserkrankungen.

Anfang 2000 kam dann der große Rückschlag. Eine große amerikanische Studie (die Women`s Health Initiative, WHI) zeigte, dass die Hormonersatztherapie durchaus mit Risiken verbunden war. So war die Rate an Thrombosen und Brustkrebs bei den Hormonanwenderinnen deutlich höher als bei Frauen, die nur ein Scheinmedikament (Plazebo) bekommen hatten. Und auch der erhoffte Schutz gegen Gefäßverkalkungen zeigte sich nicht. Im Gegenteil: Frauen, die Hormonpräparate nahmen, erlitten sogar mehr Herzinfarkte als die Vergleichsgruppe.

Sowohl für die betroffenen Frauen selbst als für auch ihre Ärzte und Ärztinnen waren diese Ergebnisse ein Schock. Über Nacht war aus einem Therapieansatz, der Millionen Frauen beschwerdefreie Wechseljahre und ein gesundes Altern versprach, eine Gefährdung für die Gesundheit geworden. Vom Jungbrunnen zum Teufelszeug? Der Wandel hätte grundlegender nicht sein können.

Inzwischen sind seit der viel diskutierten WHI-Studie gut zehn Jahre vergangen, und - das ist das Schöne an wissenschaftlicher Medizin - die Ärzte haben dazugelernt. Wir wissen inzwischen recht genau, was zu den bedauerlichen Resultaten der amerikanischen Studie geführt hat. Und wir wissen auch, wie wir es im 21. Jahrhundert besser machen. So ist mittlerweile eine "Renaissance der Hormonersatztherapie" unübersehbar. Aber es ist eine Renaissance unter veränderten Vorzeichen. Fünf Punkte sind es im Wesentlichen, welche die neue "Bioidentische Hormonersatztherapie" von dem alten Behandlungsansatz unterscheiden.

Erstens: Dosisreduktion 

In den letzen Jahrzehnten wurden Hormonersatzpräparate häufig überdosiert. Für Hormone gilt jedoch nicht die Devise: "Viel hilft viel". Vielmehr lautet das Motto: "So viel wie nötig, so wenig wie möglich". Und auch mit niedrigen Dosen lässt sich viel erreichen.

Zweitens: Individualisierung

Frauen sind unterschiedlich und müssen somit auch unterschiedlich behandelt werden. In den Wechseljahren für alle Patientinnen das gleiche Präparat in der gleichen Zusammensetzung und Dosierung zu verordnen, wie dies in der WHI-Studie geschehen ist, wird der Individualität und Komplexität des weiblichen Organismus nicht gerecht. Die moderne Hormonersatztherapie ist keine Standardbehandlung sondern sie ist entsprechend den persönlichen Bedürfnissen der Frau "massgeschneidert".

Drittens: Transdermale Östrogengabe (Zufuhr über die Haut)

Die Östrogene sollten möglichst nicht in Form von Tabletten gegeben, sondern über die Haut (als Pflaster oder Gel) zugeführt werden. Damit wird der Stoffwechselweg über die Leber umgangen und das Thromboserisiko deutlich gesenkt. Darüber hinaus führt die Zufuhr über die Haut auch zu einer weiteren Dosisreduktion.

Viertens: Verwendung bioidentischer Hormone

Bei den Gestagenen, die immer dann zusätzlich gegeben werden müssen, wenn die Gebärmutter noch vorhanden ist, sind es nach neuesten Erkenntnissen vor allem die synthetischen Gestagene, die zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko führen. Wann immer möglich sollte daher das körpereigene Gelbkörperhormon, das Progesteron, verwendet werden. Dieses belastet die Brust deutlich weniger.

Fünftens: Berücksichtigung sogenannter "zeitlicher Fenster"

Die Wirkung der Östrogene auf die Blutgefäße hängt offensichtlich vom Lebensalter der Frau ab. Bei Frauen vor dem 60. Lebensjahr mit noch gesunden Blutgefäßen wirken die Östrogene überwiegend schützend. Bei älteren Frauen, bei denen die Blutgefäße bereits deutliche Verkalkungen aufweisen, führt eine Östrogengabe aber dazu, dass die Verkalkungen instabil werden, sich aus der Gefäßwand lösen und dann gegebenenfalls zu einem Herzinfarkt führen. Ein in Hormonfragen versierter Gynäkologe weiß um diese Zusammenhänge und wird bei der Verordnung von Hormonpräparaten diese "zeitlichen Fenster" berücksichtigen.

Werden diese fünf Kriterien eingehalten, ist die Hormonersatztherapie nicht nur eine sichere und effektive Maßnahme um klimakterische Beschwerden zu behandeln. Sie ist auch eine aktive Prävention für ein gesundes Altern.

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Kommentare zum Artikel (2)


22.10.2012 - 09:02 Uhr

Hallo, ein sehr eindeutiger Artikel, leider wird...

von Eva H.

... diese Meinung Bioidentische Hormontherapie nicht von allen Krankenkasssen und Ärzten für so wichtig empfunden. Ich bin 36 Jahre alt, nach einer langjärhigen Endometriose 3-4 Stadium wurde mir vor drei Wochen meine Gebärmutter und mein Eierstock entfernt (der erster und die beiden Eileiter wurden leztes Jahr entfernt).. Laut vielen Erfahrungsberichten sollte ich die nächsten Jahre Östrogene und Progestrogene einnehmen. Mein Arzt und die Krankenkasse sehen das nicht so. Das Progestrogendas ich von meinem Arzt empfohlen bekommen habe ist künstlich hergestellt. Das wollte ich nicht haben und jezt muß ich mein Alternativpräparat die nächsten 15 Jahre selber bezahlen. Wie kann ich die Kasse oder den Arzt davon überzeugen das natürliche Hormone bei Langzeittherapie gesunder sind? Wo erfahre ich ob mir diese zustehen, warum will der Arzt es nicht auf GKV verschreiben?

Prof. Dr. Kleine-Gunk

Antwort vom Autor am 22.10.2012
Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Sehr geehrte Frau H, wenn Ihnen bereits mit 36 Jahren die Gebärmutter und beide Eierstöcke entfernt wurden, so besteht eine absolute Notwendigkeit für eine Hormonersatztherapie. Darüber dürfte es eigentlich gar keine Diskussion geben - die Hormongabe ist bei Ihnen ja nichts anderes als die Wiederherstellung der natürlichen Verhältnisse. Normalerweise dürften auch die Krankenkassen keine Probleme machen, die Kosten zu übernehmen. Ich empfehle Ihnen, das Östrogen in Form eines Gels zuzuführen. Natürliches Progesteron wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Prof. Dr. med. B. Kleine-Gunk

27.10.2012 - 18:13 Uhr

Guten Tag Ich kam mit 35 Jahren in die...

von Beatrice

... Wechseljahre. Kinderwunsch Ade. Benutze nun seit 1 Jahr bio identische Hormone. Hatte vorher Hormone. Wünsche mir die Therapie sehr mit bio identischen Hormonen, komme jedoch gar nicht klar damit. Habe Estradio. 0.01% morgens 2kl und abends 1 kl Hub Estriol 0.1% morgens 1 grosser Hub Progesteron, 1%, morgens 2 grosse und abends 2 grosse Hub Mein Fa weiss darüber auch zuwenig Bescheid. Mein Therapeut riet mir zwar zu den bio identischen Hormonen, ist aber, wie mir scheint überfordert, ich kann nicht auf seine Hilfe zählen. Ich habe mal versucht das Estradiol und Estriol zu verringern (nicht mehr täglich) und fühlte mich besser, meine Schleimhaut wurde jedoch wieder dünner, somit riet mir mein FA wieder normal zu dosieren (wie oben erwähnt) nur 1 Woche später habe ich nun wieder totale Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit (jede Nacht ab 1 - 5 Uhr) extreme Hitzewallungen nachts , depressiv, aufbrausend, Herzrasen. Ich überleg mich Estradiol und Estriol wieder zu verringern, habe jedoch Angst vor Osteporose, da bei mir die Wechseljahre ja 20 Jahre früher eingesetzt haben. Mein Gedanken kreisen seit 5 Jahren um meine Gesundheit, da ich einfach noch keine rechte Dosierung habe und dauernd Nebenwirkung (Hitzewallung, Schlaflos etc) Bin um jeden Rat dankbar! Danke Beatrice B.


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