
Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Thomas Gierth interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Orthopäde.
jameda: Herr Gierth was hat Sie motiviert, Orthopäde zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?
Herr Dr. Gierth: Mir liegt viel daran, den Beruf des Arztes als Behandlung von Menschen zu begreifen, die unterschiedliche Ansprüche an uns Ärzte haben. Als Orthopäde sieht man eine Vielzahl verschiedener Menschen (von jung bis alt) mit unterschiedlichsten Störungen, Verletzungen oder Erkrankungen.
Ein 20-Jähriger hat ggf. den Wunsch, nach einer Verletzung schnellstmöglich wieder zum Sport 'zurückzukehren'. Ein 75-Jähriger hat evt. eher den Anspruch auf Schmerzfreiheit, um auch im etwas höherem Alter Lebensqualität zu erhalten. Hier entsteht nicht unbedingt der Wunsch nach einer raschen Verbesserung der sportlichen Spitzenbelastungen.
Insofern ist der Beruf sicherlich sehr anspruchsvoll, wenn man sich diesen unterschiedlichsten Anforderungen stellt.
jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht ihn so besonders?
Herr Dr. Gierth: Die Behandlung von komplexen Knie- und Schulter-Erkrankungen oder -Verletzung. Das Team und die Infrastruktur der Praxis machen es möglich, die Behandlung von Anfang bis Ende (inkl. evt. notwendiger Operationen) in der Hand einer Praxis zu lassen. Das heißt, dass das Überweisen und 'Behandelnlassen' in anderen Krankenhäusern mit den daraus resultierenden Problemen entfällt.
jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?
Herr Dr. Gierth: Ganz bestimmt einige der Oberärzte und Chefärzte, die meine Ausbildung geprägt haben. An dieser Stelle werden oft die Namen 'höchst'-rangiger Ärzte genannt, die beeindrucken sollen, den Patienten aber vielleicht gar nicht bekannt sind.
Erwähnenswert in meiner Ausbildung sind aber Dres. Josef Fitzek, Stefan Preis und Alexander Lages in Köln, weil sie mich als jungen Assistenzarzt operativ sehr beeindruckt haben. Außerdem ist mein großes Vorbild in der Schulterchirurgie Dr. Laurent Lafosse.
jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?
Herr Dr. Gierth: Ich bin gespannt, wie sich die Videosprechstunde in den nächsten Jahren entwickelt. Hier ist sicherlich ein großes Potential in der Betreuung und Behandlungskontrolle einiger Patienten. Außerdem machen eine digitale Terminvergabe und elektronische Aktenführung einem das Arztleben schon deutlich leichter.
jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?
Herr Dr. Gierth: Es ist eine große Herausforderung, Patienten mit steigendem Anspruch auch weiterhin optimal zu versorgen. Der reifere Patient von heute hat deutliche höhere Ansprüche an seine Lebensqualität und Gesundheit als noch vor 20 Jahren.
Wir sehen sehr oft Patienten, die auch mit über 70 noch ein sehr aktives Leben inklusive Sport (z. B. Golf, Schwimmen, Wandern o.ä.) gestalten und nicht nur die Rosen züchten wollen – und das völlig zurecht. Damit steigt dann auch die Erwartungshaltung an den Arzt, hierbei zu helfen.
jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?
Herr Dr. Gierth: Ich würde ja sagen: meine charmante und offene Art. Aber Spaß beiseite: Das sollten doch Patienten und ihre Angehörigen beurteilen.
jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?
Herr Dr. Gierth: Offenheit, erst recht, wenn man Therapieschritte oder Konsequenzen aus der geplanten Therapie nicht verstanden hat. Ehrliche und klare Kritik und Absprachen.


