Artikel 20/02/2020

Behandlungsansätze der Osteopathie: Warum heißt sie "Krankheit des Knochens"?

Team jameda
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Andrew Taylor Still, der Begründer der Osteopathie, sah im Knochen weitaus mehr. Der Knochen ist nicht starr, er muss eine gewisse Elastizität haben, sonst würde er sofort brechen. Wenn diese Auf- und Abbauprozesse nicht stimmig sind, führt es zur Osteoporose oder auch zur Osteomalazie (Knochenerweichung).

So ist der Knochen aufgebaut

Der Knochen besitzt eine Knochenhaut, die für den Knochen formgebend ist. Je jünger ein Kind ist, desto mehr hat der Knochen noch bindegewebige Anteile. Daher spricht man bei einer Fraktur bei Kindern von einer Grünholzfraktur. Hier bleibt die Hülle erhalten und der Knochen heilt in dieser schnell wieder zusammen.

Ein Kind hat an den langen Knochen noch Wachstumsfugen. Hier kann sich der Knochen verlängern. Flache Knochen, wie die Schädelknochen, wachsen durch Apposition (Anheftung).

Die Knochenhaut wird durchbohrt von Gefäßen und Nerven. Im Inneren der Knochen ist das Knochenmark, das zur Blutbildung dient. Damit sind die Knochen auch für das Immunsystem wichtig. Bricht der Knochen, kommt es aufgrund der starken Durchblutung im Markbereich zu starken Blutergüssen.

Der Knochen besitzt außen die ‘Compacta’, den festen Teil des Knochens. Im Inneren des Knochens befindet sich – wie oben beschrieben – das Mark. Schneidet man einen Knochen längs auf, kann man anhand der Struktur der Knochenbälkchen die Spannungslinien sehen und damit wie dieser Knochen belastet wird. Bestimmte Spannungslinien laufen in einer typischen Weise auf das für sie entsprechende Gelenk zu.

Im Oberschenkel gibt es eine Spannungslinie, die der festen Außenseite des Oberschenkels folgt und über den Hüftkopf auf die Schambeine in einer Arkade zuläuft. Werden die Knochen aufgrund einer Fehlhaltung, einem Trauma, einer Operation oder Verplattung gestört, hat das Folgen für den Knochen und kann zu Arthrosen führen.

Wo setzt die Osteopathie hier an?

Babys

Durch eine einseitige Belastung in der Gebärmutter z. B. bei einer Zwillingsschwangerschaft oder Beckenendlage usw., kann es zu bestimmten Verformungen der Gliedmaßen oder des Schädels kommen.

Die Spannungen in der Knochenhaut entstehen durch Abschnitte, die aufgrund von Druck oder Zug zu stark verknöchert sind. Da das Baby noch weitestgehend bindegewebig ist, versucht die Osteopathie die Spannungen in der Knochenhaut zu behandeln.

Auch muskuläre Fehlzüge müssen beachtet werden. Wie z. B. ein Schiefhals, der ebenfalls zu Asymmetrien des Schädels führen kann. Ein zu starrer Knochen wird über das Blutsystem zu wenig versorgt.

Einblutungen in die Knochenhülle wie z. B. bei der Saugglocke aufgrund des Zuges, sollten unbedingt behandelt werden. Verknöchert diese Einblutung, hat das für das gesamte Knochengefüge des Schädels Auswirkungen.

Traumata

Ein Sturz auf das Becken kann das Kreuzbein aufgrund der einwirkenden Kräfte verdichten. Der Knochen fühlt sich starr und fest an. So können die Kräfte, die von oben über die Wirbelsäule kommen, nicht gut an die Beine weitergegeben werden. Oft stellt sich die Wirbelsäule dann steil in eine Habachtstellung. Die Darmbeingelenke sind dann ebenfalls eingeschränkt.

Die Schienbeine sind hier eine Region, die gerne Mal einen Schlag abbekommt, sodass sie sich anschließend verhärten.

Größere Verplattungen nach Frakturen (Sie sind oft medizinisch nötig.) führen ebenfalls zu einer Starre im Knochen mit Fehlbelastungen nach oben und unten. Wenn möglich, werden diese Platte oder Schrauben wieder entfernt. Auch Prothesen können die Eigenbeweglichkeit des Knochens mindern.

Innere Erkrankungen

Immer wiederkehrende Erkrankungen wie z. B. Lungenprobleme können auch zu Minderbeweglichkeit der Brustwirbelsäule, der Rippen oder der Schlüsselbeine führen. Die Lungenhäute haften an den Rippen und durch ihre Bewegungen werden die Knochen immer wieder wechselseitig aktiviert. So beeinflussen sich beide gegenseitig.

Kieferfehlbildungen

Stimmt das Verhältnis des Ober- zum Unterkiefer nicht oder sind einzelne Bereiche fehlbelastet, weil der Kiefer zu schmal ist, wird diese Fehlspannung auf den gesamten Schädel übertragen. Hier setzt die Osteopathie recht früh ein und versucht korrigierend auf die Bildung des Schädels und seiner Bezüge zum Gesamtkörper einzuwirken.

Es gibt eine Vielzahl osteopathischer Herangehensweisen. Exemplarisch möchte ich die Herangehensweise an die Hüftarthrose schildern. Bei ihr kommt es zu einem typischen Kapselmuster des Hüftgelenkes. Die Einschränkungen bilden sich aber auch weiter in dem gesamten Bein ab, wie im Knie- und Sprunggelenk.

Aber auch nach oben ins Darmbeingelenk und in die Lendenwirbelsäule. Hier arbeitet man an den entsprechenden Einschränkungen faszial, da die Faszien auch im Knochen ankern. Die fehlende Biegespannung und Belastungslinien werden über Recoiltechniken aktiviert und die zu ‘starre’ Knochenhaut wird mobilisiert, damit der Knochen wieder besser versorgt wird.

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