
Immer mehr Menschen leiden an Allergien: Rund 15 Prozent der Deutschen haben mittlerweile mit Heuschnupfen zu kämpfen. Weil die Standardtherapie jedoch mit Nebenwirkungen einhergehen kann, entwickeln Wissenschaftler neue Therapieformen.
Durch geringe Gaben der allergieauslösenden Substanz soll sich der Körper langsam an die Pollen gewöhnen. Bis es soweit ist, können jedoch drei Jahre vergehen – solange dauert es, bis die Hyposensibilisierung erfolgreich beendet ist. Bis dahin müssen Patienten unter Umständen mit Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Juckreiz leben. Forscher der Uni Mainz sind gerade dabei, ein Verfahren zu entwickeln, das weniger Nebenwirkungen mit sich bingt.
Nanotransporter auf dem Vormarsch
Hoffnungen setzen die Forscher auf neue Möglichkeiten der Nanotechnologie. In einer Hülle aus PEG, einem Stoff, der bereits in Medizin und Kosmetik eingesetzt wird, verstecken sie Eiweißsubstanzen für die Allergieimpfung. 'Wir haben nanometergroße Kapseln erzeugt, die sich erst öffnen, wenn sie innerhalb der Zellen in saures Milieu kommen. Sie haben molekulare Sollbruchstellen und können dann am Zielort ihre Fracht entladen', erklärt Prof. Dr. Joachim Saloga von der Hautklinik Mainz. Nach einigen Tagen zerfällt die PEG-Verpackung in seine Bestandteile.
Magenfreundliche Therapiemöglichkeit
Die neue Therapie wurde bisher in Zellkulturen und Tierstudien getestet. In Zukunft werden die Forscher an einem „molekularen Adressaufkleber“ arbeiten, damit der Nanotransporter seinen Weg ganz allein zu seinem Zielort findet. Der Vorteil: Die Nanotransporter machen einen großen Bogen um den Magen, der dadurch weniger strapaziert wird.
Neue Impfstoffe, gezieltere Spritzen
Einer besseren Heuschnupfen-Therapie haben sich auch andere Wissenschaftler verschrieben. So versuchen Schweitzer Forscher beispielsweise, geringe Allergenmengen direkt in die Lymphknoten zu spritzen, in denen sich viele Abwehrkräfte befinden. Parallel forschen andere europäische Wissenschaftler an neuen Impfstoffen, die die Anzahl der Injektionen deutlich senken könnten. Heuschnupfen-Patienten dürfen also hoffen: In Zukunft könnte es deutlich schonendere Therapieverfahren geben.


