
Ich glaube, dass die plastischen Chirurgen weltweit ein sehr hohes Niveau haben. Was jedoch in der täglichen Diskussion oftmals nicht gesehen wird ist, nenne ich die „Regionalität“.
Medizin ist, auch wenn wir noch so sehr alles standardisieren, etwas, bei dem Erfahrung zählt. Jeder Arzt, ganz besonders jeder Chirurg, braucht gelegentlich eine Rückkopplung zu seinen Operationsverfahren.
Chirurgen tauschen sich auf Kongressen abseits der Vorträge über Knotentechniken, Schnittführungen, Verbände etc. aus. Für jeden Außenstehenden absolut unverständlich, worüber sie sich unterhalten. Dieses Wissen können sie auch mit keiner Statistik oder einem Qualitätsmanagement erfassen und weitergeben. Wenn ein Chirurg dann einen einzelnen Knoten etwas anders setzt, dann braucht er unbedingt später ein Feedback, eine Kontrollmöglichkeit.
Ich rede hier nicht über gravierende Änderungen. Aber er wird später mikroskopisch genau hinschauen, ob sich die Narbe ein Zehntel Millimeter nach links oder rechts verschoben hat.
Diese Rückkopplung ist für jeden Chirurgen, ganz besonders für jeden plastischen Chirurgen, von enormer Wichtigkeit. Es ist seine persönliche Entwicklung, sein „persönlicher Reifungsprozess“.
Und für diesen Prozess ist es unumgänglich, dass ein plastischer Chirurg, z. B. nach einem Facelift oder einer Brustvergrößerung zumindest einmal das Ergebnis sieht.
Er braucht hierfür keine ewigen Wiedereinbestellungen. Aber ein- bis zweimal ist unumgänglich. In der plastischen Chirurgie ist dies ganz besonders essentiell bei Brustvergrößerungen, Bruststraffungen, Bauchdeckenplastiken oder gar einem Facelift.
Und genau dies ist beim Medizintourismus oftmals ein erhebliches Problem. Sie müssen nicht alle Ihre Patienten routinemäßig wiedereinbestellen. „No News are Good News“, aber wenn sie einen Großteil ihrer Patienten zumindest nicht einmal nach OP wiedersehen, dann saldiert sich diese fehlende Rückmeldung auf und kann zu einem Problem werden. Da helfen ihnen alle Auszeichnungen, Kongresse, Weiterbildungen und Zertifikate nicht.
In den Foren liest man inzwischen doch immer öfters, dass die Ergebnisse gelegentlich nicht überzeugen. Ganz häufig scheinen Dellenbildungen und grenzwertige Asymmetrien bei Brustvergrößerungen zu sein.
Dies sind auch Phänome, welche die Ärzte nicht im Rahmen einer Visite nach ein oder zwei Tagen erfassen können. Da braucht es etwas zeitlichen Abstand zur Operation. Die Brustdrüse ist sehr empfindlich und unterliegt nicht nur den üblichen postoperativen Gewebeveränderungen wie Schwellunge, sondern auch hormonellen Schwankungen. Das kann man nicht im Kurzurlaub bereits nach zwei Tagen beurteilen.
Bei uns in der Privatklinik Schloßstraße sehen wir dies inzwischen auch gelegentlich, wenn sich Patientinnen nach einer Brustvergößerung im Ausland anvertrauen. Man sollte dies nicht überbewerten, aber die räumliche Distanz über Ländergrenzen hinweg kann gelegentlich zu einem unbefriedigend Ergebnis führen.


