Team jameda
Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herr Prof. Dr. Detlev Hebebrand interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Plastischer & Ästhetischer Chirurg.
Jameda: Herr Prof. Dr. Hebebrand, was hat Sie motiviert, Plastischer und Ästhetischer Chirurg zu werden?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: Für mich ist die Ästhetische Chirurgie der Endpunkt und nicht der Beginn einer chirurgischen Ausbildung. Ich wollte schon immer Defekte des Körpers nach Unfällen und Krankheiten rekonstruieren. Das habe ich über 20 Jahre gemacht und noch heute freue ich mich auf eine aufwendige mikrochirurgische Rekonstruktion der Brust. Aber stets hatte ich das ästhetische Gesamtbild im Auge und empfinde diese hiermit verbundene Feinheit und Schönheit als unabdingbar. Es motiviert mich jetzt, nach vielen Facharztausbildungen und langen Jahren der chirurgischen Ausbildung an diesem Endpunkt immer wieder neu anzusetzen und diesen zu perfektionieren.
jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: Es ist schwierig den wirklichen Wunsch meiner Patienten zu erkennen. Wenn ich es geschafft habe, diesen Wunsch mit der machbaren Wirklichkeit in Einklang zu bringen und dieses anspruchsvolle Resultat auch wirklich zu erreichen, macht mich dies sehr glücklich und zufrieden. Das ist gerade in der Plastischen Chirurgie nicht immer einfach. Hierzu gehört viel Erfahrung und gutes Zuhören. Letzteres braucht Zeit – ein teures Gut der Gegenwart.
jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: Das man jeden Wunsch erfüllen könnte. Im Gegenteil – es gibt nichts Wichtigeres als die sorgsame Erläuterung dessen, was man nicht machen kann oder machen sollte. Schönheit ist nicht machbar. Aber sie kann gemeinsam definiert und mithilfe von gezielten Maßnahmen erreicht und noch mehr empfunden werden. Das Vorurteil des alles erfüllenden operativen Eingriffes erlebe ich leider zu häufig.
jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: Den Horizont zu sehen und sich trotzdem des Weges zum Ziel bewusst zu sein. Beides gibt Kraft und Zuversicht. Die Schritte dorthin muss man aber wollen. Das erfordert ein aktives Vorgehen und wenn der Mut fehlt, kann eine Unterstützung hilfreich sein.
jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: Ich mache ihm klar, dass es sich um seine Gesundheit und um seine Verantwortung handelt. Ein Arzt kann nur raten und beraten. Wenn die Überzeugung jedoch nicht hilft, sollte man den gemeinsamen Weg abbrechen und gegebenenfalls eine Behandlungspause oder einen anderen Kollegen empfehlen.
jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: Das Risikobewusstsein und die Eigenverantwortung stärken: Jeder trägt selbst jeden Tag aufs Neue dazu bei, wie gesund oder krank er sein kann. Mit Ausnahme von Unfällen oder schicksalhaften Erkrankungen für die unser Solidaritätsprinzip geschaffen wurde, gehören Erkrankungen, für die es eine nachweisliche Komponente aus beeinflussbaren Lebensgewohnheiten gibt, nur noch zum Teil in die Verantwortung der gesetzlichen Krankenkassen, sondern eher in jene der privaten oder Selektivversicherer. Dieses System muss mit einer neuen, jungen Generation beginnen. Am anderen Ende müssen renditeorientierte Gesundheitsanbieter und Systemzulieferer entfernt werden und eigene Finanzierungswege finden, die nicht zu Lasten der allgemeinen Krankheitsversorgung gehen.
jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: In der Rückbesinnung auf ihr eigentliches Tun und Wirken, welches uns diesen wunderbaren Beruf ergreifen ließ. In der Pflege der Kollegialität, die verhindern kann, dass Fachwissen und Behandlungspfade an Wirksamkeit verlieren und in einer gemeinsamen Haltung, die es ermöglicht, den Bürokratie-Wahnsinn zu reduzieren. Es ist nicht auszuhalten, dass von jedem Euro über die Hälfte in die Verwaltung und die Steuerung eines Systems fließen.
jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: In der Plastischen Chirurgie gibt es einen eindeutigen Trend zur unblutigen, nicht operativen Versorgung. Hier dominieren Lasertechniken, Kälte-und Ultraschallversorgungen sowie minimal invasive Eingriffe. Diejenigen Techniken aus diesem Bereich, die einen evidenzbasierten Behandlungserfolg versprechen und welche anhand von Studien schon bewiesen wurden, wenden wir auch an.
jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Herr Prof. Dr. Hebebrand: Das Glück, mit einer kleinen Maßnahme eine große Last zu nehmen, bleibt lange im Gedächtnis. Davon zehrt man dann eine geraume Zeit.
Die Veröffentlichung dieser Inhalte durch jameda GmbH erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der jeweiligen Autoren.
Die Inhalte der Experten Ratgeber ersetzen nicht die Konsultation von medizinischen Spezialisten. Wir empfehlen Ihnen dringend, bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder medizinischen Behandlung stets eine qualifizierte medizinische Fachperson zu konsultieren. Der Inhalt dieser Seite sowie die Texte, Grafiken, Bilder und sonstigen Materialien dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine gesundheitlichen Diagnosen oder Behandlungen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Meinungen, Schlussfolgerungen oder sonstige Informationen in den von Dritten verfassten Inhalten ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors darstellen und nicht notwendigerweise von jameda GmbH gebilligt werden. Wenn die jameda GmbH feststellt oder von anderen darauf hingewiesen wird, dass ein konkreter Inhalt eine zivil- oder strafrechtliche Verantwortlichkeit auslöst, wird sie die Inhalte prüfen und behält sich das Recht vor, diese zu entfernen. Eigene Inhalte auf unserer Website werden regelmäßig sorgfältig geprüft. Wir bemühen uns stets, unser Informationsangebot vollständig, inhaltlich richtig und aktuell anzubieten. Das Auftreten von Fehlern ist dennoch möglich, daher kann eine Garantie für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität nicht übernommen werden. Korrekturen oder Hinweise senden Sie bitte an experten-ratgeber@jameda.de.