Kann eine Psychotherapie dazu führen, dass man sich schlechter fühlt als vorher? Ich habe das Gefühl

5 Antworten
Kann eine Psychotherapie dazu führen, dass man sich schlechter fühlt als vorher? Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Zweifel, Sorgen, Probleme und Gedanken habe als vorher. Mein Therapeut sagte, dass es normal sei, sich so zu fühlen.
Dr. phil. Susanne Herzog
Psychologischer Psychotherapeut
Hamburg
Es kann durch verstärkte Selbstreflektion und den Fokus auf Probleme zu einer Erstverschlechterung zu Beginn eines Therapieprozesses kommen, sollte jedoch im weiteren Verlauf durch Klärung der Beschwerden wieder besser werden.
Dipl.-Psych. Ralica Hypko
Psychologischer Psychotherapeut, Private Krankenkasse
Frankfurt
Das kann ich bestätigen. Es ist in der Regel so, dass wenn Sie an Ihren Problemen arbeiten, vieles mit Distanz und „anderen Augen“ sehen und es Ihnen zeitweise schlecht geht. Es ist ein Teil der Therapie, bevor es Ihnen nachhaltig besser geht. Es ist wichtig, dass Sie darüber mit dem Therapeuten offen sprechen.
Dipl.-Psych. Tabea Plötz
Psychologischer Psychotherapeut
Leipzig
Ja, das subjektive Erleben, dass man sich "schlechter fühlt" während einer Therapie, kommt sehr häufig vor. Es ist aber eher so, dass einem viele der verdrängten Probleme nun bewusster werden, da man sich im Rahmen der Therapie konkret mit Ihnen auseinandersetzt.
Ich nehme dazu manchmal die Metapher von einem Schimmelbefall hinter der Tapete. Am Anfang ahnt man vielleicht nur, dass da Schimmel sein könnte, weil es vielleicht ein wenig riecht. Man lüftet, stellt Duftspender auf und ignoriert ansonsten das Problem. Dann tauchen die ersten dunklen Flecken auf und man streicht frische Farbe drüber. Dann sieht es zwar erstmal wieder gut aus, aber das behebt ja in keiner Weise die Ursache. Letztlich wird die Belastung durch Geruch und Flecken so offensichtlich, dass man es nicht mehr ignorieren kann und sich entschließt, das Thema gründlich anzugehen. Wenn man jetzt die Tapete herunterreißt, wird das gesamte Ausmaß des Schimmelbefalls sichtbar (und Renovierungsarbeiten verursachen immer einiges Chaos).
Die Therapie ist an der Stelle eben vergleichbar mit dem Herunterreißen der Tapete. Ja, die Therapie deckt alles auf und das sieht erstmal schlimm aus, bzw. man hat den Eindruck, dass es einem schlechter geht, aber tatsächlich bestanden die Probleme schon vorher, sie waren nur eben durch Verdrängungsmechanismen (frischer Duft und frische Farbe) verdeckt. Damit man ein Problem wirklich an der Ursache angreifen kann, muss man manchmal etwas mehr Chaos verursachen, damit es hinterher ganz weg ist und nicht ständig wiederkommt.
M.Sc. Taleke Janetz
Psychologischer Psychotherapeut
München
Guten Tag,
tatsächlich kann das eine der sogenannte Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie sein. In der Behandlung erleben viele vor allem zu Beginn eine weitere Verschlechterung, da man sich zunehmend mehr mit seinen inneren Konflikten und Defiziten auseinander setzt und generell "mehr ins Denken" kommt. Im weiteren Verlauf kann man diese Konfrontation nutzen, um in der Therapie funktionale Wege für die Zukunft zu entwickeln. Falls diese Tendenz allerdings bestehen bleibt melden Sie dies unbedingt wieder Ihrem Therapeuten zurück.
Dipl.-Psych. Manuel Musselmann
Psychologischer Psychotherapeut
München
Ja, das kann vorkommen und ist für viele Menschen zunächst verunsichernd. In einer Psychotherapie werden oft Themen, Gefühle und innere Konflikte bewusster wahrgenommen, die zuvor eher im Hintergrund waren oder vermieden wurden. Dadurch kann sich das Erleben vorübergehend intensiver oder belastender anfühlen.

Dieses Phänomen ist in der Psychotherapieforschung gut beschrieben und bedeutet nicht, dass die Therapie „falsch“ verläuft oder nicht hilfreich ist. Vielmehr gehört es bei vielen therapeutischen Prozessen dazu, dass Belastungen zunächst spürbarer werden, bevor sich langfristig Entlastung, Klarheit und neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln.

Entscheidend ist daher der Verlauf über mehrere Sitzungen hinweg. Wichtig ist, solche Veränderungen offen in der Therapie anzusprechen, damit der Prozess gemeinsam eingeordnet und gut begleitet werden kann.

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