SCIT/SLIT: Neue Tabletten-Therapie der Baumpollenallergien

Stark ausgeprägte Allergien können das Leben der betroffenen erheblich belasten. (© Henry Schmitt - fotolia)

Menschen, die unter Allergien leiden, haben nicht nur eine deutlich schlechtere Lebensqualität, sondern auch schlechtere Perspektiven für Ausbildung, Zufriedenheit und ein finanziell einträgliches Leben.

Auch haben an Heuschnupfen Erkrankte haben ein häufiges Risiko für die Entwicklung von allergischem Asthma, Lebensmittelallergien oder einer zweiten, dritten oder auch Vielfachallergien.
Mit einem Vorkommen von 34,5 % in unserer Bevölkerung sind Allergien auf frühblühende Bäume wie Birke, Hasel und Erle eine der häufigsten Allergien in Deutschland.1

Wann sind Allergiker betroffen?

Die Baumpollenallergiesaison ist erstaunlich lang. In warmen Wintern kann diese in Süddeutschland schon Mitte Dezember beginnen und in einem kalten Sommer bis Anfang Juli dauern. Bei einer Vielzahl der Patienten ist diese Pollenallergie ausgeweitet gegen Eiche-, Buchen-, Eschen-, teilweise sogar gegen Kastanienpollen.

In der Allergiesaison werden Allergikerinnen und Allergiker teils von schweren allergischen Symptomen geplagt. Besonders belastend ist die häufige Entwicklung von allergischem Asthma und Lebensmittelallergien. In einer neuen europäischen Studie aus dem Jahr 2018 mit 632 Allergikern litten vor Studienbeginn schon

  • 44 % an allergischen Asthma
  • 66 % an Kreuzallergien auf Lebensmittel (orale Syndrom)
  • 76 % an zusätzlichen weiteren Allergien

Wie können Allergien behandelt werden?

Die Behandlung einer Baumpollenallergie ist wichtig, um in der Pollensaison die teils schweren allergischen Beschwerden zu vermindern oder zu vermeiden und langfristige Komplikationen wie Asthma, Lebensmittelallergien oder weitere Allergien prophylaktisch zu lindern oder zu unterbinden. 

Das kann ausschließlich durch eine gezielte systemische Immuntherapie (SIT, früher als Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung bezeichnet) erreicht werden. Keine andere Therapie, weder antiallergische Tabletten wie Cetirizin, Loratadin, Desloratadin o. a., noch Kortison kann eine solche Beschwerdelinderung und Prophylaxe gegen Allergiefolgeerkrankungen in ähnlicher Weise erreichen.

Wie funktioniert die SCIT/SLIT-Therapie?

Seit Jahren ist neben der im Volksmund oft „Spritzentherapie“ genannten subkutanen Immuntherapie (SCIT) auch die sogenannte „Tropfentherapie“ gegen Baumpollen (sublinguale Immuntherapie = SLIT) etabliert, wobei die Tropfen täglich unter die Zunge eingebracht werden. 

Seit September 2019 ist nun eine SLIT in Tablettenform gegen Baumpollen erhältlich.
Nach Vorlage von vier hochwertigen Studien wurde in Deutschland erstmals eine Tabletten-SLIT zur Therapie zugelassen. Zum ersten mal hat eine allergenspezifische SLIT-Tablettentherapie eine Medikamentenzulassung nach deutschem Recht.

Die Bedeutung der anderen wissenschaftlich gut untersuchten und etablierten Therapien – ob als Spritze (SCIT) oder als Tropfen-SLIT – bleibt erhalten. Jedoch stellt diese neue Baumpollen-Therapietablette eine Erweiterung der Bandbreite der allergiespezifischen Therapie dar. Die langjährige Erfahrung mit SLIT-Tabletten gegen Gräserpollen bestätigen diese positive Erweiterung im Sinne von Allergikerinnen und Allergikern.

Quellen:

  • INSIGHT Health, NVI KV National, Dezember 2013.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (1)

Becker A., 20.12.2019 - 18:27 Uhr

Hilft dieses Tablette sofort? Habe aufgrund der erhöhten Außentemperatur jetzt im Dez.leider schon extreme Niesattacken. Vielen Dank.

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