Lymphödem - Krankheitsbild und Therapie

© Feldbergklinik Dr. Asdonk

Zwischen einer und zwei Millionen Menschen in Deutschland, vorwiegend Frauen, sind von einem Lymphödem betroffen. Beim Lymphödem handelt es sich um eine Weichteilschwellung, die durch eine Stauung eiweißreicher Flüssigkeit als Folge einer Lymphabflussstörung entsteht.

Lymphödeme können in zwei Kategorien unterschieden werden:
Das primäre Lymphödem entsteht als Folge einer Entwicklungsstörung des Lymphgefäßsystems und/oder der Lymphknoten während der Embryonalphase. Das Krankheitsbild ist folglich bereits bei der Geburt manifestiert, zumal ein späteres Auftreten ebenfalls möglich ist.

Beim sekundären Lymphödem handelt es sich um eine erworbene Schädigung des Lymphgefäßsystems. Es kann also Folge einer Operation wie bspw. einer Brustamputation und der damit in Zusammenhang stehenden Lymphknotenentfernung sein. Ferner kommen als Ursache Strahlenschäden sowie Traumata wie offene Brüche, Gewebsquetschungen infrage.

Lymphödeme werden in Stadien und Grade eingeteilt:

Stadium 1: reversibles Lymphödem (spontan oder infolge einer Therapie) - keine Eiweißfibrose und keine Gewebsveränderungen der Haut
Stadium 2: manifestes Lymphödem – Eiweißfibrosen unter der Haut, leichte Hautveränderungen – hierbei handelt es sich um das typische und meistverbreitete Lymphödem
Stadium 3: manifestes Lymphödem – massive Eiweißfibrosen unter der Haut, schwere Hautveränderungen (Ekzeme, Lymphfisteln, Nagelveränderung u.ä.) und häufige Erysipele

Die Ödemgrade werden anhand der Volumendifferenz zwischen der gesunden Extremität und der erkrankten Extremität gewertet. Sind beide Extremitäten betroffen, so muss geschätzt werden, wie die gesunde Extremität aussehen würde.

bis 25 % - geringes Ödem
bis 50 % - mäßiges Ödem
bis 100 % - starkes Ödem
bis 200 % - massives Ödem
über 200 % - gigantisches Ödem

Die Therapie des Lymphödems kann in zwei Phasen beschrieben werden.

Phase 1 – Entstauung
Diese Phase dient als Grundstein der Therapie. Hierbei kommt die sog. KPE, die komplexe physikalische Entstauungstherapie nach Dr. Johannes Asdonk zum Einsatz. Diese besteht aus der täglichen (1 bis 2 Mal) manuellen Lymphdrainage, der Kompressionsbandagierung sowie der Bewegungstherapie in der Kompressionsbandagierung, durch welche der lymphatische Abfluss verstärkt und der therapeutische Erfolg der Lymphdrainage deutlich erhöht wird. Aufgrund der hohen Frequenz dieser Phase kann diese fast ausschließlich unter stationären Bedingungen vorzugsweise in einer Fachklinik für Lymphologie erfolgen.

Phase 2 – Konservierung
Während der Phase 2 erfolgt die manuelle Lymphdrainage beim niedergelassenen Therapeuten je nach Schwere der Erkrankung zwischen ein- und dreimal wöchentlich. Nachdem die Möglichkeit, täglich bandagiert zu werden, nicht besteht, erhalten Lymphödempatienten für ihre ambulante Therapie Kompressionsstrümpfe, die einen Rücklauf der Lymphflüssigkeit und damit eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes verhindern sollen.

Während der Phase 2 kann es im Laufe der Zeit trotz der regelmäßigen ambulanten Therapie zu Verschlechterungen kommen. Erreicht die Verschlechterung ein entsprechendes Ausmaß, so kann eine erneute stationäre Therapie beantragt werden und damit wieder von Neuem bei Phase 1 begonnen werden.

Bei der stationären Maßnahme handelt es sich in der Regel um Rehabilitationsmaßnahmen, die eine Genehmigung durch den Kostenträger, also den Rentenversicherungsträger bzw. die Krankenkasse voraussetzen. §40 SGB V schreibt zwar eine Vierjahresfrist für Rehabilitationsmaßnahmen vor, entkräftet diese aber sogleich, indem er eine vorzeitige Rehabilitationsmaßnahme genehmigt, sofern die medizinische Notwendigkeit hierfür gegeben ist, wovon bei einem Gros der chronisch kranken Lymphödempatientinnen und Patienten ausgegangen werden darf.

Eine Heilung eines Lymphödems der Stadien 2 und 3 ist leider nicht möglich, jedoch können die damit einhergehenden Beschwerden durch regelmäßige Therapie entsprechend gering gehalten und damit eine hohe Lebensqualität aufrecht erhalten werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (6)

Gudrun, 13.01.2015 - 10:22 Uhr

Nach einer Brustkrebs - OP 2006 mußten auch die Lymphknoten rechts entfernt werden(waren ohne Befund).Seitdem bekomme ich Manuelle Lymphdrainage jede Woche. Meine Beine und vor allem mein Bauch wer- den tagsüber immer dick und schwellen auf selbst mit Kompressions-Kniestrümpfe. Gibt es noch bessere Mittel dafür?

Antwort von Feldbergklinik Dr. Asdonk Fachklinik für Lymphologie & Ödemkrankheiten (Lymphödem), verfasst am 16.01.2015

Guten Tag Gudrun, leider ist eine Ferndiagnose nicht sinnvoll und sicherlich auch nicht professionell. Nichts desto trotz lässt sich mit Sicherheit sagen, dass die Manuelle Lymphdrainage immer das Mittel der Wahl bei einem sekundären Lymphödem ist. Wir können Ihnen von hier aus nur empfehlen, sich bei Ihrem behandelnden Onkologen / Gynäkologen vorzustellen, um ein Rezidiv auszuschließen und/oder sich bei einem lymphologisch tätigen Arzt aus der Region zur Diagnostik vorzustellen. Adressen hierzu finden Sie auf der Internetseite der Asdonk Kliniken unter dem Punkt Patienten / Ärztesuche. Herzliche Grüße!

Lisa, 29.12.2014 - 16:00 Uhr

Habe festgestellt, dass sich mein primäres Lymphödem der unteren Extremität durch Rotwein schnell und stark verschlechtert. Gibt es weitere Lebensmittel, die diesen ungünstigen Effekt haben und die ich meiden sollte? Gibt es Lebensmittel, Medikamente, Sportarten, die den umgekehrten Effekt bewirken und besonders günstig bei primärem Lymphödem sind? (Manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Schwimmen, Maßstrümpfe, all das setze ich schon ein.)Danke!

Antwort von Feldbergklinik Dr. Asdonk Fachklinik für Lymphologie & Ödemkrankheiten (Lymphödem), verfasst am 09.01.2015

Guten Tag Lisa, bitte verzeihen Sie die aufgrund des Jahreswechsels verspätete Antwort. Der Genuß von Alkohol generell wirkt sich in aller Regel negativ auf ein Ödem aus, weil Alkohol zu einer Erweiterung aller Gefäße führt. Durch die Erweiterung verstäkt sich die Durchlässigkeit bzw. mögliche Lecks werden hierdurch noch größer. Eine spezielle Diät gibt es nicht, allerdings zeigt die Erfahrung,dass eine Reduktion der Kohlenhydrate sich positiv auf Ödemerkrankungen auswirkt. Ganz herzliche Grüße aus dem Schwarzwald! Hubertus Reither Chefarzt der Feldbergklinik

Rolf, 19.09.2014 - 21:27 Uhr

Frage: Therapie bei einem Lymphödem im Hals/Mundbereich?

Antwort von Feldbergklinik Dr. Asdonk Fachklinik für Lymphologie & Ödemkrankheiten (Lymphödem), verfasst am 24.09.2014

Guten Tag Rolf, bei sekundären Lympödemen, die bspw. Folgen von Bestrahlungen, Operationen, Zukgenkarzinom etc. sind, kann eine Lymphdrainage auch im Mundinnenraum durch erfahrene Therapeuten erfolgen (sog. Mundinnendrainage). Thomas Beckert Cheftherapeut der Feldbergklinik Dr. Asdonk Bei weiteren Fragen können Sie mich jederzeit telefonisch erreichen.

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