Was sind eigentlich Krampfadern?

Dr. Hauk

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©fotolia70552833-zlikovecKrampfadern sind unschöne, bläuliche Venen an den Beinen. (©fotolia70552833-zlikovec)

Krampfadern sind krankhaft erweiterte, oberflächliche Venen, die geschlängelt an den Beinen hervortreten. Man bezeichnet sie in der Fachsprache als Varizen. Sie liegen dicht unter der Haut und sind deshalb meist gut sichtbar. Von Krampfadern sind nur die oberflächlichen Venen betroffen; die kleinsten Krampfadern nennt man Besenreiser und bei den größten handelt es sich um Krampfadern der Seitenäste oder der Stammvenen.

 

 

Was versteht man eigentlich unter Varikose?

Erkrankungen, die Krampfadern zugrunde liegen, werden in der Fachsprache als Varikose oder Varicosis bezeichnet. Varikose ist chronisch und schreitet nur langsam fort. Das bedeutet, dass sich trotz einer Therapie im Laufe der Jahre immer wieder neue Krampfadern bilden können. Die Veranlagung zu Krampfadern - die Bindegewebsschwäche - ist nicht heilbar. Auch andere Risikofaktoren für die Entstehung der Krampfadern - wie z.B. das fortschreitende Alter - sind nicht beeinflussbar, daher kann die Erkrankung nicht dauerhaft geheilt werden.


Was ist eine „primäre“ Krampfadererkrankung?

Die primäre Varikose wird von der sekundären Varikose unterschieden. Die Mehrheit der Erkrankungen gehört zur primären Form, das heißt, die Krampfadern entstehen aufgrund einer geerbten Bindegewebs- und Venenwandschwäche. Es handelt sich hierbei um die häufigste und typischste Ursache von Krampfadern.

Eine sekundäre Varikose entsteht als Folge anderer Venenerkrankungen, wenn z.B. eine tiefe Beinvenenthrombose in den folgenden Jahren, also sekundär, Krampfadern erzeugt. Hier ist die Vorerkrankung die Ursache, die behandelt werden muss.


Was sind Besenreiser?

Es gibt Besenreiser, netzförmige Krampfadern sowie Krampfadern der Perforans-, der Seitenast- und der Stammvenen.

Besenreiser sind kleine erweiterte Venen bis zu einem Durchmesser von 1 mm, netzförmige Krampfadern haben einen Durchmesser von etwa 1 bis 3 mm. Beide liegen in der Haut, die Besenreiser jedoch etwas oberflächlicher als die netzförmigen Krampfadern.


Was sind Perforansvenen?

© 61095732-tibanna79Thrombose wird durch Blutstau in den Venen ausgelöst. (© 61095732-tibanna79)Perforansvenen sind Verbindungsvenen zwischen dem oberflächlichen und dem tiefen Venensystem (perforare lat. „durchbohren“). Jedes Bein besitzt etwa 150 Verbindungsvenen, die dafür sorgen, dass das Blut aus den oberflächlichen in die tiefen Venen abfließt. Um einen Blutrückstrom zu verhindern, besitzen Perforansvenen ebenfalls Venenklappen.


Können erkrankte Perforansvenen Krampfadern verursachen?

Wenn die als Ventile fungierenden Klappen der Perforansvenen (Verbindungsvenen) undicht werden, fließt Blut - unerwünschterweise - aus den tiefen in die oberflächlichen Venen, was den Gewebsdruck erhöht und im Laufe der Jahre Krampfadern erzeugt. Häufig davon betroffene Verbindungsvenen liegen an der Innenseite des Beines oberhalb des Knies.

Die Krampfadern der Perforansvenen bilden oft eine Aussackung der Hautoberfläche. Der erhöhte Druck in der Vene, der durch den umgekehrten Blutfluss entsteht, bewirkt eine Ausbeulung der Vene zusammen mit der darüber liegenden Haut. Die Vene liegt dann besonders oberflächlich und kleine Verletzungen können Blutungen erzeugen, die vor allem die Betroffenen selbst und auch nahestehende Personen im ersten Moment erschrecken können.


Was ist eine Seitenastvarikose?

Wenn die Venenklappen der Seitenastvenen nicht mehr richtig schließen, dann erweitern sich die Venen durch das zurückfließende Blut und es entstehen Krampfadern der Seitenäste. Diese Erkrankung wird als Seitenastvarikose bezeichnet. Häufig kommt die Erkrankung gemeinsam mit einer Stammvarikose vor oder sie geht von dieser aus. Seitenastvarizen können allerdings auch alleine auftreten.

Seitenastvarizen sind meist stark geschlängelt und deutlich sichtbar, da sie sich aus der Haut herauswölben. Behandelt werden isolierte Seitenastvarizen meist mit der Schaumsklerosierung; wenn sie jedoch auf eine Stammvenenvarikose (s.u.) zurückgehen, werden sie mit der Lasertherapie behandelt.


Was ist eine Stammvenenvarikose?

Wir sprechen von Krampfadern der Stammvenen oder Stammvarizen, wenn die Venenklappen der Stammvenen Vena saphena magna ("große Rosenvene") und Vena saphena parva ("kleine Rosenvene") nicht mehr richtig schließen können und deshalb Krampfadern bilden. Die Erkrankung bezeichnen wir als Stammvenenvarikose oder Stammvarikose und sie wird meist mit der endovenösen Lasertherapie behandelt.


© fotolia-Daylight PhotoJe nach Art der Krampfader kann auf verschiedene Verfahren zurückgegriffen werden, um sie zu entfernen (© fotolia-Daylight Photo)Warum ist die Untersuchung mit Gefäß-Ultraschall so wichtig?

Je nach Art und Größe der erkrankten Vene, die mit Gefäßultraschall diagnostiziert wird, verläuft die Therapie unterschiedlich:

- Bei der Stammvenenerkrankung (z.B. der großen Rosenvene) wird meist eine Ausschaltung der Vene mit der endovenösen Lasertherapie angestrebt; nur noch sehr selten eine Stripping-Operation.
- Seitenäste werden (nach Ausschaltung der Stammvene) meist mit Schaum sklerosiert.
- Besenreiser und netzförmige Krampfadern werden meist flüssig sklerosiert.
- Die reine Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen ist bei einer milden Erkrankung manchmal ausreichend und kommt ergänzend zu einer Krampfader-beseitigenden Therapie zum Einsatz.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


25.02.2018 - 00:03 Uhr

Können Krampfadern mittels Lasertherapie entfernt...

von Siegmund

... werden mit einem Geschwür am Unterschenkel?

Dr. Hauk

Antwort vom Autor am 27.02.2018
Dr. med. Michael Hauk

Wenn das Geschwür Folge der Venenerkrankung (defekte Venenklappen mit Rückfluss) ist, dann dürfte sich das Geschwür nach einer Laserbehandlung der verantwortlichen Vene zurückbilden. Eine vernünftige prognostische Einschätzung kann diesbezüglich jedoch nur nach einer fachärztlichen Untersuchung gegeben werden.


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