Gibt es Sportarten, die den Venen schaden?

Dr. Netzer

von
verfasst am

© Vladoskan - Fotolia.com© Vladoskan - Fotolia.comDa bei uns sehr viele Leistungssportler und Berufsathleten aller Sparten Patienten sind, werden wir häufig gefragt, welchen Einfluss bestimmte Sportarten auf die Entstehung von Krampfadern hätten. Diese Frage verwundert schon deshalb nicht, weil es sehr viele Veröffentlichungen von "Experten" jeder Art zu diesem Thema gibt und die Sportwelt zur Zeit diesbezüglich völlig verunsichert ist.

Zunächst ist eine Tatsache festzustellen: Es existiert keine einzige wissenschaftliche Erkenntnis zu diesem Thema, die aufgrund einer validen Studie gewonnen worden wäre.

Eine zweite Tatsache ist festzustellen, deren Bewertung nur den gesunden Menschenverstand braucht: Wenn es tatsächlich Sportarten gäbe, die besonders schlecht für die Venen wären, müsste man folglich unter diesen Sportlern besonders häufig Krampfaderpatienten finden. Das ist nicht der Fall.

Schlussfolgerung:
Es gibt keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen dem Betreiben bestimmter Sportarten und dem vermehrten Auftreten von Venenschäden.

Warum, fragen Sie sich jetzt, gibt es dann so viele Ratschläge, die eine oder andere Sportart (Squash, Tennis, Joggen werden besonders oft genannt) nicht zu intensiv zu betreiben, um die Venen nicht zu schädigen? Das ist den Fachleuten selbst ein Rätsel, weil es eben keinerlei Erkenntnis in dieser Richtung gibt, die dem modernen wissenschaftlichen Standard der „Evidence Based Medicine“ genügt (also der Medizin, die auf wissenschaftlich beweisbaren Grundlagen basiert).

Natürlich kennen alle die Theorie (wohlgemerkt: Theorie), wonach hartes Aufkommen der Beine auf dem Boden (z. B. eben beim Squash) oder extremes Abbremsen einen kurzfristigen Druck auf die Venenklappen auslösen könnten.
Das ist aber eine nicht bewiesene Theorie und gegen diese spricht ganz klar, dass es eben nicht vermehrt zu Varizen bei Tennisspielern und Squashspielern kommt. Das müsste sonst der Fall sein.

Was ist denn nun mit Sport und Venenerkrankungen? Nach dem heutigen Kenntnisstand der „Evidence Based Medicine“ – und nur diese ist anerkannter Standard in der Behandlung und Prävention – schadet keine Sportart den Venen.
Im Gegenteil: Jede Art der sportlichen Betätigung ist – aufgrund der Aktivierung der wichtigen „Muskelpumpe“, die hilft, das Blut in Richtung Herz zu bringen – wichtig und besser als Untätigkeit.

Soweit wir heute wissen, sind Venenerkrankungen (wie die Krampfadern) in erster Linie genetisch bedingt: das heißt, der genetisch unbelastete Proband wird wahrscheinlich nie Krampfadern bekommen, egal ob und welchen Sport er treibt. Umgekehrt wird der genetisch belastete Patient ebenso wahrscheinlich irgendwann Krampfadern bekommen – unabhängig vom Sport.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


18.03.2013 - 09:13 Uhr

Habe mich vor 8 Jahren einem Stipping Bein Links...

von Dieter

... unterzogen.Duch tägliche gezielte morgentliche Fuß und Beinbewegungen im Bett ca 10 Minuten habe ich noch keinerlei Beschwerden bis dato festgestellt.Anschließend betreibe ich noch noch dem Aufstehen 15-20 Minuten Frühsport auch mit Hanteln 1,5Kg und das exakt täglich.Ich bin inzwischen 73 Jahre und verdanke meine Vitalität bestimmt meiner täglichen sportlichen Aktivitäten.

26.10.2012 - 18:27 Uhr

Hallo, ich möchte gern wissen, ob ich nach meiner...

von Amely

... OP, bei der eine Vene ab Kniekehle entfernt wurde und mehrere oberflächliche Venen behandelt wurden, wieder mit Taekwondo beginnen kann oder sich eine andere Sportart mer empfehlen würde. Die OP war am 23. 10. 2012 und ich betreibe Taekwondo seit dem 40. LJ. Man hat mir eine 6wöchige Pause empfohlen. Ich bitte um Ihre Meinung. ( Im nächsten Jahr lasse ich das rechte Bein noch operieren.)

03.05.2012 - 16:17 Uhr

Da ich selber unter Besenreiser leide, kann ich...

von sommer

... bestätigen, dass sich diese durch Joggen und Fahrradfahren vermehren. Ich habe leider ein schwaches Bindegewebe und bekomme seit einem Jahr nach jeder Joggingrunde und Mountainbike tour Besenreiser. Ich denke, dass Menschen die mit den Venen keine Probleme haben auch problemlos diese Sportarten ausüben können. Ich mache seit einem Jahr vermehrt Sport und nun sind meine ganzen Beine damit übersät – innerhalb von ein paar Monaten. Früher habe ich mal einen Besenreiser in fünf Jahren bekommen. Da ich selber unter Besenreiser leide, kann ich bestätigen, dass sich diese durch Joggen und Fahrradfahren vermehren. Ich habe leider ein schwaches Bindegewebe und bekomme seit einem Jahr nach jeder Joggingrunde und Mountainbike tour Besenreiser. Ich denke, dass Menschen die mit den Venen keine Probleme haben auch problemlos diese Sportarten ausüben können. Ich mache seit einem Jahr vermehrt Sport und nun sind meine ganzen Beine damit übersät – innerhalb von ein paar Monaten. Früher habe ich mal einen Besenreiser in fünf Jahren bekommen.


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