Sick Building Syndrome - Symptome frühzeitig richtig behandeln verbessert die Prognose

Silvia Müller

von
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© Friday - Fotolia.com© Friday - Fotolia.comKrankheiten und Symptome, die mit einem "Sick Building", einem so genannten "kranken Gebäude", in Zusammenhang stehen, treten zunehmend häufiger auf. Zu den Gründen hierfür zählen u.a. schadstoffhaltige Baumaterialien, Gebäude mit zu wenig Luftaustausch, Schimmelbelastung, schadstoffbelastetes Inventar, Renovierungsarbeiten und oft auch verklebte Teppichböden.

Sick Building Symptome sind vielfältig
Die Symptomatik, die Menschen auf ein Sick Building entwickeln, ist unterschiedlich und hängt von der Art des Auslösers ab als auch der persönlichen Konstitution, der Entgiftungsleistung der jeweiligen Person und vielen weiteren Faktoren.
Häufig genannte und relativ typische Symptome bei Sick Building Syndrome sind u.a. Kopfschmerzen, Atemwegsbeschwerden, Schwindel, Irritation der Augen und Schleimhäute, Müdigkeit, Erschöpfung und Übelkeit.

Langzeitpatienten bringen Aufschluss
In Schweden untersuchte ein Wissenschaftlerteam der Universität von Umeå die medizinische und soziale Prognose von 239 Patienten mit unspezifischen Symptomen, die mit dem Aufenthalt in einem Sick Building zusammenhingen. Diese Patientengruppe hatte das Universitätshospital in den Jahren zwischen 1986 und 1998 wegen ihrer Beschwerden durch ein krankes Gebäude aufgesucht. Mittels eines Fragebogens wurden der gegenwärtige medizinische und soziale Status abgefragt, als auch welche Behandlung stattgefunden hatte und welche Maßnahmen derzeit noch stattfanden.

Sick Building Symptome halten über Jahre an
Bei der Rückfrage gab die Mehrzahl der Patienten als häufigste Symptome, die sie wöchentlich verspürten, Erschöpfung, Irritation der Augen und Ausschlag im Gesicht an.

Die Sick Building Patienten gaben an, dass Art und der Schweregrad ihrer Symptome mit der Zeit zwar schwächer wurden, jedoch wurde bei fast die Hälfte der Patienten ermittelt, dass die Symptome mehr oder weniger gleich geblieben waren in den letzten sieben Jahren oder sogar einem noch längeren Zeitraum

Kranke Gebäude lösen Dauerkrankheit aus
Man stellte fest, dass fünfundzwanzig Prozent der Patienten immer noch krankgeschrieben waren. Zwanzig Prozent der Erkrankten erhielten wegen des Andauerns ihrer Symptome trotz aller eingreifenden Maßnahmen eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Die Wissenschaftler ermittelten auch, dass das Risiko, anhaltend krank zu sein und die Arbeitsfähigkeit zu verlieren anstieg, wenn der Ausbruch der Krankheit mehr als ein Jahr bis zum ersten Aufsuchen der Klinik zurücklag.

Ein weiterer Risikofaktor, der zu permanenter Arbeitsunfähigkeit führte, war eine Anzahl von Symptomen von mehr als fünf. Die Mediziner stimmten hierbei ihre Berechnungen auf die Länge des Beobachtungszeitraumes ab. Es wurde auch festgestellt, dass die Symptome der Erkrankten sich im Alltag durch verschiedene Situationen im Tagesablauf verschlechterten. Dies mag wohl damit zusammenhängen, dass wir im normalen Alltag in vielen Situationen Schadstoffen, Schimmel, etc. ausgesetzt sind.

Schnelles Handeln vermindert Risiko, auf Dauer krank zu sein
Die schwedischen Wissenschaftler ermittelten anhand der Ergebnisse ihrer Studie, dass bei der Sick Building Patientengruppe lang anhaltende Symptome auftreten, die sich durch Umwelteinflüsse jeweils verschlimmern. Als Resümee gaben die Forscher an, dass ihre Ergebnisse dafür sprechen, dass frühe und umfassende Maßnahmen zur Rehabilitation von Menschen, die durch ein Sick Building erkranken, unentbehrlich sind.

Kompetente, rasch einschreitende Umweltärzte und zielstrebig vorgehende Umweltkliniken könnten demnach die Situation vieler Sick Building Patienten entscheidend zum Besseren hin beeinflussen. Noch wichtiger ist es, auch präventiv beim Bau neuer Gebäude und beim Renovieren schon auf die richtige Auswahl gesunder Baumaterialien und schadstofffreier Ausstattung zu achten, damit es nicht erst zu einem Sick Building kommt.

Autor:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 17. 01.2009


Literatur:
Edvardsson B, Stenberg B, Bergdahl J, Eriksson N, Lindén G, Widman L., Medical and social prognoses of non-specific building-related symptoms (Sick Building Syndrome): a follow-up study of patients previously referred to hospital. Int Arch Occup Environ Health. 2008 Jul;81(7):805-12. Epub 2007 Oct 9.

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Kommentare zum Artikel (3)


19.07.2010 - 23:44 Uhr

Ich habe eine 24-jährige Tochter,sie ist sehr...

von ute schneider

... krank aufgrund von Umweltbelastungen,alle genannten Symptome des Sickbuilding Syndroms treffen zu,sie kann nur noch 2 Lebensmittel essen,ihr Gewicht ist lebensbedrohlich,Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien aller Art,Ärzte wissen nicht weiter,schicken sie zum Psychologen,wir wissen nicht wer ihr helfen könnte,suchen dringend einen Umweltmediziner der sich damit auskennt,wir sind verzweifelt,wo können wir uns hinwenden

30.01.2009 - 19:17 Uhr

Das Sickbuilding Syndrom ist ja nun nicht gerade...

von Amelie

... eine neue Erkrankung! Daher begreife ich ehrlich gesagt nicht, warum man sich so schwer damit tut, mögliche Anzeichen einer solchen Erkrankung mit den eventuell auslösenden Faktoren z. B. am Arbeitsplatz bzw. im häuslichen Wohnumfeld, in Verbindung zu bringen. Aber dazu müsste eine flächendeckende umweltmedizinische Versorgung aufgebaut werden. Ich denke, das ist das Problem, warum die Diagnostik des Sickbuilding Syndorms nur so schleppend verläuft.

29.01.2009 - 11:41 Uhr

Schweden leistet gute Forschungsarbeit auf dem...

von Caroline

... Gebiet der Umweltkrankheiten. Das Sick Building Syndrome ist leider eine Krankheit unserer Zeit. Ich selber habe einige Jahre in einem Neubau gearbeitet. Es war sogar noch nicht mal ganz fertiggestellt, als ich damals meinen ersten Arbeitstag hatte, die Handwerker hantierten zwischen uns herum. Es war alles komplett neu, auch die Möbel, es roch entsprechend nach Farben, Teppichboden und nach Kunststoffen und den Möbel, PC´s etc. Die Luft war zum Schneiden und das fatale an der ganzen Angelegenheit, wir durften nicht einmal Lüften. Wir hatten eine Klimaanlage, das heilige Kind der Firma, aber die Frischluft die durch die Lüftungsschächte in der Decke ins Büro eingebracht wurde, reichte bei weitem nicht aus, um auch nur ein einigermaßen erträgliches Raumklima zu schaffen. Ich bekam Dauerkopfschmerzen, fühlte mich krank, wie bei einem grippalen Infekt, meine Augen waren trocken und sie brannten unerträglich, meine Nasenschleimhäute waren extrem gereizt. Außerdem war mir übel und mir war sehr oft schwindelig, die Erkältungen wurden quasi zum Dauerzustand, die zu allem Übel meistens mit Antibiotika behandelt wurden. Mein Gesundheitszustand wurde rapide schlechter, lange und häufige Arbeitsunfähigkeiten waren die Folge. Dann kamen Überempfindlichkeiten auf Gerüche hinzu, und so kam der Tag X, an dem nichts mehr ging und seitdem bin ich nicht mehr arbeitsfähig geworden, bin mittlerweile an MCS erkrankt. Das ist leider unheilbar. Mein behandelnder Arzt meinte, wenn man das Problem früher erkannt hätte, wäre mein Gesundheitszustand mit aller Wahrscheinlichkeit nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen und man hätte mich evtl. wieder stabilisieren können, bei Vermeidung solcher Arbeitsbedingungen bzw. bei gesundem Umfeld. Nun beziehe ich eine kleine Erwerbsminderungsrente, liege also dem Staat auf der Tasche, obwohl ich gerne arbeiten möchte, aber mein Gesundheitszustand hat sich bisher nicht mehr normalisiert. Ich hoffe, dass dieser Bericht von Verantwortlichen, Politkern wie auch Arbeitgebern gelesen wird, und man alles daran setzt, dass gesundes schadstoffarmes Arbeiten überall gewährleistet wird, damit nicht noch mehrerer Leute völlig unschuldig ins gesellschaftliche Abseits gedrängt und ihrer Gesundheit beraubt werden. Die Folgen die das Ganze hat, sind nicht gerade angenehm.


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