Tinnitus - Was tun, wenn das Ohr keine Ruhe mehr gibt

Dr. Reinhardt

von
verfasst am

© Halfpoint - fotoliaDas lästige Pfeifen im Ohr kann Folgen wie Depressionen und Konzentrationsstörungen mit sich führen (© Halfpoint - fotolia)

Über 80 % der Bevölkerung bemerken hin und wieder ein Ohrgeräusch für Sekunden oder Minuten, welches dann aber auch wieder spontan verschwindet.

Wie nehmen Betroffene einen Tinnitus wahr?

Ein ständiges Pfeifen oder Rauschen im Ohr hingegen ohne erkennbare Ursache kann Angst machen, die Konzentration beeinträchtigen, den Schlaf rauben und sogar zu Depressionen führen.
Betroffene eines Tinnitus aurium (lat. das Klingeln der Ohren) hören ein permanentes Geräusch.

Dies kann ein Sausen, Summen, Rauschen oder Zischen in unterschiedlichen Lautstärken und Frequenzbereichen sein. Es können „nur“ ein Ohr oder auch beide Seiten betroffen sein.
Man unterscheidet dabei zwischen einem subjektiven Tinnitus, der nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen wird, und einem sehr selten auftretenden objektiven Tinnitus, bei dem ein messbares bzw. objektivierbares, vom eigenen Körper produziertes Geräusch auftritt.

Wie lange kann ein Tinnitus anhalten?

Ein akuter Tinnitus besteht nicht länger als drei Monate, chronisch wird das Ohrgeräusch ab einer Dauer von drei Monaten. Ein Tinnitus zeigt an, dass Körperfunktionen gestört bzw. überlastet sind.
Oft sind Betroffene geräuschüberempfindlich oder leiden unter Schwerhörigkeit als Begleiterkrankung. Ohrgeräusche sind zudem Begleiterscheinungen vieler weiterer Erkrankungen wie Hörstürze, Mittelohrentzündungen, Verknöcherungen der Gehörknöchelchen, HWS-, Zahn- und Kieferproblemen oder dem Krankheitsbild Morbus Menière.

Wie entsteht ein Tinnitus?

Starke Schallbelastung am Arbeitsplatz, durch laute Musik, Verkehrslärm oder Explosionsgeräusche können ebenfalls zu einem Tinnitus führen. Stress und Depressionen gelten als Auslöser, aber auch Medikamente können Ohrgeräusche mit verursachen, ebenso manche Krankheitserreger wie bestimmte Viren oder Borrelien. Ein Tumor am Hörnerv sollte in jedem Falle ausgeschlossen werden.

In der deutlichen Mehrzahl der Fälle ist die Ursache aber unklar; während früher Durchblutungsstörungen als Grund für die Ohrgeräusche galten, geht man heute davon aus, dass im Gehirn die Umwandlung des Schalls in Nervenimpulse gestört ist. Beim akuten Tinnitus vermutet man Reiz-, Schwellungs- oder Entzündungszustände in der Hörschnecke oder am Hörnerv, wodurch eine Art „Dauerfeuer“ der Nervenzellen entsteht. Beim chronischen Tinnitus geht man von einer falschen Reizverarbeitung auf Hirnebene aus, ähnlich, wie man sich einen Phantomschmerz erklären kann.

Wichtig ist jedoch, dass eine HNO-Fachärztliche Abklärung inklusive Ohrmikroskopie, Blutentnahme, Hörtests, Hörnervenmessung (BERA) und ggf. MRT erfolgt, um organische Ursachen sicher auszuschließen!

Etwa 10-20 % der Bevölkerung leiden unter einem chronischen Tinnitus in unterschiedlichen Ausprägungen. Dabei sind Frauen und Männer gleich stark betroffen, meist im Alter von 30-50 Jahren. Aufgrund der zunehmenden Lärmbelastung treten aber auch schon bei Kindern und Jugendlichen vermehrt Ohrgeräusche auf.

W© fotolia-stockyimagesDie meisten Tinnitus-Patienten hören ein Geräusch, obwohl es kein Geräusch gibt (© fotolia-stockyimages)elche Folgen kann ein Tinnitus mit sich bringen?

Ein plötzlich auftretendes Ohrgeräusch, welches sich nicht abstellen lässt, kann den Betroffenen verunsichern und ängstigen. Ist man einmal für das Ohrgeräusch sensibilisiert, schenkt man ihm mehr Beachtung und nimmt es folglich stärker wahr, sodass ein belastender Kreislauf entsteht. Unbehandelt kann ein Tinnitus zu Schlaflosigkeit und abnehmender Konzentrationsfähigkeit führen. Depressionen und Arbeitsunfähigkeit sind keine seltenen Folgen eines Tinnitus.

Wie wird ein Tinnitus behandelt?

Zur Behandlung eines akuten Tinnitus werden verschiedene Medikamente wie Kortison-Infusionen, Vitamin C und durchblutungsfördernde Mittel wie Ginkgo eingesetzt. Je nach Grund- bzw. Begleiterkrankung zudem Antibiotika, Virustatika oder sogar operative Verfahren. Auch Antiepileptika, Antidepressiva oder Benzodiazepine können zum Einsatz kommen. Ausreichend belegt ist die Wirkung dieser Medikamente jedoch noch nicht.

Alternative Verfahren wie die „Low-Level-Lasertherapie“ können zudem als Behandlungsversuch eingesetzt werden. Physikalische Therapie und Physiotherapie (z.B. Naturfango, Massagen im Schulter-Nacken-Bereich) und Entspannungstechniken können zudem einen unterstützenden Effekt haben.

Mit einem Tinnitus-Masker/-Noiser, einer Art Hörgerät, kann man durch ein stetes, angenehmes Geräusch einen chronischen Tinnitus überdecken.

Welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Neuere, vielversprechendere Ansätze zur Beeinflussung der Hirnaktivität sind z.B. das „Tinnitracks“-Modell. Hier wird man die Langzeit-Ergebnisse gespannt abwarten müssen. Im Augenblick gibt es leider immer noch kein „Allheilmittel“; für jeden Tinnitus-Patienten muss individuell untersucht und getestet werden, welches Therapieverfahren den besten Effekt hat.

Die Unterstützung durch Selbsthilfegruppen und Beratungszentren ist in jedem Fall zu empfehlen.
In ausgesuchten Tinnitus-Spezialkliniken können Patienten zudem durch Psycho- und Verhaltenstherapie sowie Entspannungstechniken lernen, ihre Wahrnehmung zu verändern und das Ohrgeräusch als nicht mehr so belastend einzuordnen. Dies ist insbesondere für sehr schwere Fälle zu empfehlen.

Lassen Sie sich von Ihrem HNO-Facharzt untersuchen und beraten, wenn Sie Betroffener eines Tinnitus aurium sind.

Mit Ihrem Feedback helfen Sie uns, die Qualität von jameda laufend zu verbessern – vielen Dank!

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
6

Suchen Sie HNO-Ärzte in Ihrer Nähe?

Ort, PLZ, Stadtteil oder Straße
Interessante Artikel zum Thema „Tinnitus”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
  

Kommentare zum Artikel (1)


01.09.2017 - 17:46 Uhr

Mein Mann hatte vor kurzem ein Ohrgeräusch zu oft...

von Gerda

... und zu dauerhaft, weswegen ich nun nach den Ratschlägen suche, um den Grund zu finden und was es damit zu tun hat. Ich hatte nie gedacht, bevor ich diesen Artikel gelesen habe, dass über 80 % der Bevölkerung ein Ohrgeräusch für Sekunden oder Minuten bemerken. Ich wusste nicht, dass dieses Problem Tinnitus genannt ist, aber es hat mich sehr gefreut, dass es eine Behandlung gibt, die verschiedene Medikamente umfasst und auch die „Low-Level-Lasertherapie“. Ich glaube, dass es besser für meinen Mann zum Arzt gehen, um eine gute und richtige Lösung zu finden und keine Schaden zu erleiden.

Dr. Reinhardt

Antwort vom Autor am 05.09.2017
Dr. med. David J. Reinhardt

Liebe Frau Gerda XXX, vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Artikel. Es freut mich, dass er aufklären konnte. Für Ihren Mann empfehle ich eine HNO-Fachärztliche Abklärung des Tinnitus, wenn das Geräusch länger als 48 h anhält. Dann sollten einige Untersuchungen erfolgen, siehe Artikel. Mit herzlichen Grüßen, Dr. med. David Reinhardt


Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete und Lexikon-Inhalte

Ärzte für spezielle Behandlungsgebiete

jameda Behandlungsgebiete

Über Krankheiten und Symptome informieren

Das jameda Lexikon