Graue Haare - 8 Mythen über Entstehung und Ursachen

Dr. Beyer

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©fotolia-goodluzGraue Haare sind ein natürlicher Teil des Alterungsprozesses, den jeder Mensch früher oder später durchläuft (©fotolia-goodluz)Es gibt eine Vielzahl von Mythen über graue Haare. Welche stimmen, welche nicht? Lesen Sie nach, wie graue Haare entstehen und was Sie dagegen tun können.

 

Mythos 1: Wenn man älter wird, bekommt man graue Haare

Die meisten Haare werden nicht grau, sondern weiß. Warum?

In den Haarwurzeln gibt es Zellen, die Pigmente bilden. Sie reichen die Pigmentkörperchen an den Haarschaft weiter, das eigentliche und von außen sichtbare Haar. In einem bestimmten Rhythmus sterben sie ab und bilden sich aus Stammzellen neu.

Doch irgendwann ist der Vorrat an Stammzellen ausgeschöpft, d.h. es werden keine Pigmentzellen mehr produziert. Daher verlangsamen die Zellen, die Farbstoffe in der Haarwurzel bilden, die Produktion. Sie sterben ab, ohne ersetzt zu werden.

So wachsen weiße, also farblose Haare nach. Das passiert aber nicht bei allen Haaren gleichzeitig. Dadurch mischen sich dunkle und weiße Haare, was ein graues Gesamtbild ergibt.
Zum anderen gibt es einzelne Haare, die eine Pigmentverdünnung aufweisen, also tatsächlich grau sind. 

Mythos 2: Graue Haaren sind vererbbar

Europäer bekommen durchschnittlich mit 35 Jahren ihr erstes graues Haar. Asiaten beginnen erst mit rund 40 Jahren zu ergrauen. Und Afrikaner bleiben meist bis zu ihrem 45. Geburtstag farbig.
Hauptsächlich genetische Faktoren sind für den Farbverlust verantwortlich. Britische Wissenschaftler haben zuletzt auch die zuständigen Gene entdeckt. Es ist auch genetisch festgelegt, wie viele Pigmentstammzellen vorrätig sind.


Mythos 3: Wer ergraut, der wird nicht kahl

Wer gute Gene hat und nicht ergraut, ist nicht vor Haarausfall geschützt: Graue Haare unterliegen dem normalen Haarwurzelzyklus und können auch ausfallen.


©fotolia-DirimaKann Stress ein Auslöser für graue Haare sein? (©fotolia-Dirima)Mythos 4: Stress lässt Haare schneller ergrauen

Stress wie zum Beispiel Druck bei der Arbeit oder in der Liebe hat nicht direkt etwas mit Haarausfall zu tun. Entscheidend ist vielmehr der Stress der Stammzellen der Haarfollikel, sogenannter oxidativer Stress.

Im Alter kann dieser oxidative Stress immer schlechter bekämpft werden. Wenn die Abwehrarbeit nachlässt und dann noch zusätzliche Faktoren dazu kommen, wie z.B. psychoemotionaler Stress und Umweltstress (UV-Strahlen, Rauchen etc.), sind die empfindlichen Pigmentzellen den Angriffen nahezu schutzlos ausgeliefert. Die Folge: Sie sterben verfrüht ab. Psychischer Stress kann darum den Zeitpunkt des altersbedingten Ergrauens vorziehen.


Mythos 5: Man kann über Nacht ergrauen

Bis Haare vollständig grau werden, vergeht Zeit. Aber es werden Fälle beschrieben, in denen Menschen über Nacht grau geworden sind. Alle farbigen Haare sind ihnen ausgefallen, nur die grauen blieben übrig. Dabei handelt es sich allerdings um eine Krankheit, bei der sich Abwehrzellen gegen körpereigene Substanzen richten, in diesem Fall pigmentierte Haare. Wenn daraufhin nur die pigmentierten Haare ausfallen und die unpigmentierten Haare stehen bleiben, sieht es so aus, als sei man über Nacht ergraut.


Mythos 6: Der Prozess des Ergrauens ist umkehrbar

Sogenannte „direktziehende Tönungen“ sind so schwach pigmentiert, dass die Leute denken, dass ihre Farbe wieder zurückkommt. Aber oft stellt sich nicht der gewünschte Effekt ein. Manchmal kann sogar ein Violett-Stich entstehen.


Mythos 7: Graue Haare kann man tönen

Grauabdeckung ist nur bedingt möglich. Bei grauen Haaren hilft nur Färben. Gray-Shading funktioniert ähnlich wie Färben, aber die Färbemasse bleibt nicht so lange auf dem Kopf. Sie  wirkt sehr natürlich. Das Ergebnis ist ein Schimmer, da nur 30 bis 50 Prozent gefärbt werden. Die Farbe wächst und wäscht sich nach ein paar Wochen heraus.


©goodluz - fotoliaGraue Haare können verschiedenen Methoden gefärbt werden, die ein natürliches Aussehen ermöglichen (©goodluz - fotolia)Mythos 8: Man darf die ersten grauen Haare nicht auszupfen - sonst wachsen drei graue Haare nach

Haare auszuzupfen, ist nicht unbedingt schädlich. Aus einem gesunden Haarfollikel wachsen im Idealfall mehr als zwei Haare. Die grauen Haare kann man damit leichter erkennen und sieht die Gruppen. Ein ausgefallenes oder ausgerissenes Haar wächst aber nicht schneller nach und hat daher nichts mit den nachwachsenden Haaren zu tun.


Welche Rolle spielt Übersäuerung?

Neben klinisch-wissenschaftlichen Entgleisungen sehen Ganzheitsmediziner auch eine flüchtige vermehrte Ansammlung von Säuren - sei es durch vermehrte Produktion oder verringerte Ausscheidung - als einen Risikofaktor für chronische Erkrankungen an. Als Ursachen der Übersäuerung gelten einseitige säurebildende Ernährung und Stress. Um die Übersäuerung auszugleichen, werden Mineralstoffe und Spurenelemente aus den Körperdepots entzogen. Hierzu zählt auch der Haarboden.

Der Theorie, dass Übersäuerung der Kopfhaut zu grauen Haare oder Haarausfall führt, fehlt jegliche wissenschaftliche Grundlage. Ebenso gibt es keine klinischen, wissenschaftlich ernst zu nehmenden Studien, die eine Wirksamkeit entsprechender Präparate oder Verfahren belegen.


Kann sich UV-Licht auf den Alterungsprozess auswirken?

Das UV-Licht ist nicht direkt für den Farbverlust verantwortlich. Vielmehr ist wieder der oxidative Stress verantwortlich. Diese Entdeckung japanischer Forscher stützt die Vermutung, dass Schäden an der Erbsubstanz entscheidend zum Alterungsprozess beitragen.

Die DNA wird ständig von erbschädigenden Einflüssen angegriffen, wie z.B. UV-Licht. Täglich wehren die Zellen Schäden durch Reparaturmechanismen ab. Ist der Schaden zu groß, müssen die Zellen vernichtet werden. Das führt auch zum Rückgang der Stammzellpopulation.

Oxidativer Stress, der die Stammzellen negativ beeinflusst, entsteht auf zellulärer Ebene durch zahlreiche reaktive Sauerstoffe. Eine dieser aggressiven Sauerstoffverbindungen ist Wasserstoffperoxid.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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