Was tun, wenn das Keloid nicht weggeht? So hilft die intraläsionale Kryotherapie!

Darstellung eines Keloids (© fotolia-117795021-weerajata)

Keloide sind überschießende Narbenwucherungen, die bei Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung nach Verletzungen an bestimmten Körperstellen auftreten. Verursacher können z.B. kleine Pickel sein. Sie treten bevorzugt an den Ohren, der Brust, am Hals, den Schultern und am Rücken auf. Eher seltener entstehen Keloide spontan, das heißt auf unverletzter Haut.
 

Was sollten Betroffen wissen?

Keloide entstehen durch fehlprogrammierte Fibroblasten, was bedeutet, dass das Verhältnis Kollagen Typ 1 zu Typ 3 erhöht ist. Demnach fehlt das Stop-Signal nach abgeschlossener Wundheilung und der Körper produziert weiterhin Narbengewebe – und das über die ursprüngliche Verletzung hinaus.

Die wulstförmigen Narben jucken, schmerzen und wirken zudem oft entstellend. Sie wachsen immer weiter – vor allem, nachdem sie operativ entfernt wurden.
 

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt diverse nicht sehr zufriedenstellende Behandlungsmethoden, wie z.B. Druckverbände mit Silikonfolien, Cortisoninjektionen oder Medikamente, die auch in der Krebstherapie eingesetzt werden.

Weitere Therapiemethoden sind die Bestrahlung direkt nach einer Operation und die Kryotherapie (Kältetherapie) von außen. All diese Methoden haben jedoch eine Gemeinsamkeit - ihre Rezidivrate liegt bei 100 %.

Ein bereits lang bekanntes Verfahren ist die intraläsionale Kryotherapie, bei der das Keloid mit einer Spezialnadel von innen nach außen weggefroren wird. Diese Behandlungsmethode wurde in einer Kooperation von Israel und Deutschland entwickelt.

Leider hat sich diese Therapie noch nicht soweit durchgesetzt, dass sie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Lediglich Kassenpatienten, die bereits mehrere erfolglose Standardbehandlungen hinter sich haben, können sich über eine Übernahme der Kosten freuen. Privatkassen hingegen bezahlen die Behandlung zumeist immer vollständig.


Wie läuft die intraläsionale Kryotherapie ab?

Lassen Sie sich von Ihrem Hautarzt beraten! (© WavebreakMediaMicro)
Zunächst betäubt der Arzt das zu behandelnde Areal, damit die Behandlung schmerzfrei verläuft. Indem er die Nadel in der Mitte des Keloids platziert, kann im Kern der Narbe eine Temperatur von bis zu -70 Grad erreicht werden.

Das Keloid wird von innen nach außen durchgefroren, wobei die umgebende gesunde Haut aber nicht geschädigt wird, da dort die Durchblutung normal ist und die Temperaturen gegen 0 Grad gehen.

Aufgrund der Kälte kommt es zu einer sehr effizienten Verkleinerung der Keloide. Die fehlprogrammierten Fibroblasten, die für die überschießende Narbenbildung verantwortlich sind, werden außerdem zerstört, ohne dass es zu einer Beschädigung der oberflächlichen Pigmentierung kommt.

Nach der Behandlung bildet sich innerhalb von 24 Stunden eine "Frostblase", die nach rund 8 Tagen eintrocknet. Im Anschluss entsteht eine Kruste, die sich allmählich schwarz verfärbt. Je größer der schwarz verfärbte Bereich ist, desto mehr Keloid fällt ab. Eine erneute Behandlung ist möglich, sobald die Kruste weg ist.

Doch auch nachdem die Kruste abgefallen ist, verkleinert sich das Keloid noch weiter. Je nach Größe sind mehrere Behandlungssitzungen nötig, da das Keloid pro Behandlung um bis zu 50 % schrumpft.

Die intraläsionale Kryotherapie hat lediglich eine Rezidivrate von 5-7 %, was im Vergleich zu den alternativen Behandlungsmethoden sensationell ist.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 13

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (13)

Amtaf, 11.08.2021 - 19:44 Uhr

Hallo Frau Dr. med. Susanna Meier, ich bin zufällig auf Ihre Seite gestoßen und wollte nochmal zum Verständnis fragen, ob Sie die Behandlung (Kryotherapie) zur Zeit durchführen? Wenn ja, ab wann gäbe es wieder Termine? Lg Ertas

Michael S., 20.07.2021 - 21:39 Uhr

Hallo ich habe eine Frage ich habe ein Keloid am Ohr was zum jetzigen Zeitpunkt schon 6 mal Operativ entfernen ließ. Beim letzten mal sogar mit Bestrahlung. Aber es kam schon wieder jetzt weiß ich nicht mehr weiter Kryotherapie vielleicht die letzte Hoffnung ?? Hoffe doch sie können mir weiter Helfen. Mit freundlichen Grüßen Michael S.

Antwort von Dr. med. Susanna Meier, verfasst am 22.07.2021

Sehr geehrter Herr Michael S., allgemein kann ich Ihnen sagen,dass die intraläsionale Cryotherapie mit der speziellen Cryoshape Nadel eine sehr niedrige Rezidivrate (das Wiederauftreten nach Behandlung) von 5-7 % hat (im Vergleich bei der OP 50-100%) und in Ihrem Fall wahrscheinlich ein sehr sinnvoller Behandlungsansatz wäre. Allerdings gibt es das Problem, daß diese Behandlung seit fast 2 Jahren (und derzeit nicht absehbar) nicht möglich ist, da es derzeit (Stand Juni 2021) keine Firma gibt, die diese speziellen Nadeln produziert. Die alte Firma war in Israel, hat die Produktion aber aufgegeben. Wir haben in der Praxis eine Warteliste und sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir die Patienten informieren. Falls Sie daran Interesse haben, müssten Sie in der Praxis unter 04018988755 anrufen und sich auf die Liste setzen lassen. Sie können sich aber auch ans "Netzwerk Keloid" wenden (Tel.02508-2159300), dort kann man Ihnen einen Arzt in Ihrer Nähe nennen, den Sie kontaktieren können, falls Sie nicht aus Norddeutschland kommen. Es führen nicht sehr viele Ärzte in Deutschland diese Behandlung durch, aber die, die es anbieten, haben inzwischen Wartelisten. mfG Dr.S.Meier

Sylvia W., 20.11.2020 - 18:22 Uhr

Guten Tag Frau Dr.Meier, ich komme aus NRW. Mein Sohn hat sehr starkes Narbengewebe (Wulstnarben) am Arm hat, welche durch selbstverletzen entstanden sind. Da die Schnitte geklammert wurden, haben sich nun dicke Narben gebildet. Mitlerweile ist dies sehr unangenehm für ihn, und auch eine Ausbildung zu finden ist dadurch sehr schwer. Ich habe nun von der Kryotherapie gehört. Ist diese hier anzuraten? Und wo in NRW (Recklinghausen) kann man diese anwenden lassen? Vielleicht können Sie mir helfen. Vielen Dank im voraus LG Sylvia

Antwort von Dr. med. Susanna Meier, verfasst am 27.11.2020

Sehr geehrte Frau Sylvia W., das kann ich so leider nicht beantworten, da ich die Narben nicht gesehen habe, aber wenden Sie sich ans "Netzwerk Keloid" (Tel.02508-2159300), dort kann man Ihnen sicher einen Arzt in Ihrer Nähe nennen, den Sie kontaktieren können. Die intraläsionale Kryotherapie ist allerdings momentan nicht möglich, da die speziellen Nadeln dafür nicht produziert werden können. Es ist vielleicht aber auch eine andere Therapie für Ihren Sohn geeignet. Ich wünsche Ihnen alles Gute! fG Dr.S.Meier

Matias, 12.11.2020 - 00:32 Uhr

Guten Tag Frau Dr. Meier Leider habe ich über die Seite von Netzwerk Keloid keinen Arzt gefunden der mir die Behandlung in der Schweiz anbietet. Einen Arzt in München habe ich angeschrieben gestern und warte noch auf AntwortNach Laser, Rausschneiden, Bestrahlung, Kortison, 5FU und Bleomycin bin ich am Ende vom Latein. Die Narbe ist im Gesicht und ca 1cm x 3.5cm gross stark wachsend seit der letzten OP leider. Können Sie mir eine Adresse empfehlen? (Wohne in St. Gallen) Vielen Dsnk Matias

Antwort von Dr. med. Susanna Meier, verfasst am 12.11.2020

Sehr geehrter Herr Matias, es tut mir leid, aber ich kann Ihnen nicht helfen - ich wüßte auch keinen Kollegen in der Schweiz - aber abgesehen davon ist diese Behandlungsmethode momentan (und auch schon seit mehr als einem Jahr) nirgends verfügbar, da die spezielle Cryonadel nicht produziert werden kann. Sie haben ja wirklich offenbar bereits alle Behandlungsmöglichkeiten versucht und die intraläsionale Kryotherapie wäre für Sie sehr sinnvoll. Ich würde an Ihrer Stelle mit dem Netzwerk Keloid Kontakt aufnehmen - vielleicht gibt es ja einen Arzt in der Schweiz, der noch nicht auf der Liste steht - und vom Netzwerk werden Sie auch informiert, wann wieder Behandlungen durchgeführt werden können. Ich wünsche Ihnen alles Gute, Dr.S.Meier

Maria, 08.11.2018 - 17:00 Uhr

Ich habe das vor Jahren mal gemacht, höllische Schmerzen. Die genannte Wundblase ist schrecklich, da man sich damit nicht im Alltag zeigen kann. Seitdem haben sich alle 4 Keloide extrem vergrößert. Ich bereue die schmerzhaften Sitzungen mit Vereisung und anschließenden Wunden...

Antwort von Dr. med. Susanna Meier, verfasst am 09.11.2018

Sehr geehrte Maria, danke für Ihren Kommentar, aber wahrscheinlich haben Sie keine intraläsionale Kryotherapie gemacht, da keiner meiner Patienten je über höllische Schmerzen geklagt hat und bei keinem das Keloid größer wurde, als es vorher war, sondern sich pro Behandlung um circa 50% verkleinert hat. mfG Dr.S.Meier

Alvaro P., 14.03.2018 - 03:56 Uhr

Bitte empfehlen Sie mir eine Arzt der die Intraläsionale Kryotherapie anbietet. Vielen Dank für den tollen Bericht .

Antwort von Dr. med. Susanna Meier, verfasst am 14.03.2018

Lieber Alvaro P., Am besten Sie suchen im Netz unter www.Netzwerk Keloid nach einem Arzt in Ihrer Nähe - da sollten alle Ärzte aus Deutschland, österreich und der Schweiz gelistet sein. mit freundlichen Grüßen

Dr. B., 09.04.2017 - 10:22 Uhr

Ich interessiere mich für Seminare zur intraläsionale Kryotherapie. Wer organisiert diese?

Antwort von Dr. med. Susanna Meier, verfasst am 20.04.2017

Lieber Dr. B., Wenden Sie sich an Dirk Brandl - Netzwerk Keloid mfg

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?