Borrelien (Lyme-Borreliose) und FSME (Frühsommer-Meningoencephalitis)

Dr. Gündogan

von
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© stokkete - fotolia© stokkete - fotoliaEin Spaziergang durch Wald und Wiesen tut Körper, Geist und Seele gut, allerdings nehmen wir von dort manchmal ungebetene Gäste mit. Zecken lauern im dichten Gras und warten bis wir vorbeistreifen, um sich dann unbemerkt auf unserer Haut oder Kleidung niederzulassen. Es hält sich zwar nachhaltig das Gerücht, die kleinen schwarzen Krabbler würden auf Bäumen von Blatt zu Blatt springen und sich dann auf uns stürzen, wenn wir vorbeigehen, aber dazu ist die Zecke gar nicht in der Lage. Sie wartet auf ihrem Grashalm, bis Mensch oder Tier vorbeikommen und lässt sich dann von uns einfach abstreifen. Dass ein Opfer naht, merkt die Zecke an der Vibration des Wald- oder Wiesenbodens.

Durch eine zügige und fachmännische Entfernung der Zecke in Ihrer Hautarztpraxis können Sie das Risiko einer Infektion so gering wie möglich halten. Denn wenn die Zecke durch unsachgemäßes entfernen unter Stress gerät, entleert sie erst recht ihre gefährlichen Krankheitserreger!

Ihr Biss kann gefährlich werden, denn dabei kann zum einen Borreliose und zum anderen eine Frühsommer-Meningoencephalitis übertragen werden. Leider sieht man es der Zecke nicht an, ob sie infiziert ist, aber die Rate der mit Borrelien infizierten Zecken liegt bei uns in Europa zwischen zwanzig und fünfzig Prozent. In Deutschland gibt es jedes Jahr etwa 30.000 bis 100.000 Borrelieninfektionen, die unbehandelt zu Problemen mit Herz, Nerven und Gelenken führen können. Da die Symptome oft eher unspezifisch sind und oft erst sehr viel später nach einem Zeckenbiss auftreten, wird die Diagnose manchmal erst Monate danach gestellt.

Gelegentlich tritt bei einer Infektion mit Borrelien nach dem Biss innerhalb von fünf bis zehn Tagen als klassisches Indiz die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) auf. Da dies aber nur auf etwa zwanzig Prozent der Betroffenen zutrifft, kann man im Umkehrschluss nicht davon ausgehen, dass ohne Wanderröte keine Infektion vorliegt. Symptome, die denen einer Grippe ähneln, können ebenfalls auftreten.

Die Borreliose muss zügig mit Antibiotika behandelt werden, damit die Erreger nicht durch den ganzen Körper wandern können. Erste Anzeichen dafür sind allgemeine Abgeschlagenheit, Herzrasen und Schweißausbrüche, Sehstörungen, Schwindel und Sensibilitätsstörungen. Eine Laboruntersuchung des Blutes kann und sollte sofort eine Verdachtsdiagnose bestätigen, da die Symptome eben auch auf andere Krankheitsbilder passen.

FSME (Frühsommer-Meningoencephalitis)
Von Infektionen mit FSME-Viren, die eine Frühsommer-Meningoencephalitis auslösen können, sind in Deutschland jedes Jahr etwa sechshundert Menschen betroffen. Die meisten Fälle treten in der Regel in Süddeutschland auf, oder in den Grenzgebieten zu Österreich, dem Balkan und Osteuropa.

Die FSME ist eine virale Infektion und spricht nicht auf Antibiotika an. Die große Gefahr liegt in der Entwicklung einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns mit irreversiblen Schäden. Die Infektion schleicht sich auch mit typischen Grippesymptomen heran und kann im Falle einer Beteiligung der Meningen (Hirnhäute) und des Encephalons (Gehirn) mit dramatischen Symptomen wie extrem starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Nackensteife, Fieber und Kribbelparästhesien (Sensibilitätsstörungen) einhergehen.

Da die FSME eine sehr ernste Erkrankung ist, sollten Menschen, die sich in Endemiegebieten (Häufung der Infektionen tragenden Zecken) von Berufs wegen, oder in ihrer Freizeit sehr viel im Grünen aufhalten, eine FSME-Impfung in Erwägung ziehen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


27.09.2016 - 19:50 Uhr

Im Juli 2015 wurde ich 2 Mal von Kuhbremsen...

von Frau S.

... gestochen. Innerhalb von 4 Wochen zeigte sich eine massive Wanderröte am Unter-, und Oberschenkel (rechts). Da es keine Zecke war, ging ich erst nach 29 Tagen zum Dermatologen, weil ich immer schwächer wurde und auch Konzentrationsprobleme bekam. In einer Fotodokumentation zeigte ich dem Hautarzt das Prozedere. Bluttest = 2 Borrelienstämme= 50 Tage Antibiotika-Therapie. Nach einem Jahr habe ich immer noch Muskelschmerzen und 4 Kilo Gewichtszunahme. Was läuft da falsch? Auch Mücken können laut meinem Arzt Borrelien-Träger sein.

13.03.2014 - 10:24 Uhr

Ja leider bin ich auch ein Opfer der...

von michael

... Zecke.Kribbelparästhesien könnte ich haben im Geschlechtsbereich,bin aber nicht sicher. Eine Art Wurmbefall.Schade.

16.02.2014 - 03:51 Uhr

Leider sind auch die meisten Ärzte mit dem...

von Pit

... Krankheitsbild der Lyme-Borreliose heillos überfordert. Da die Multiorganerkrankung eine Vielzahl an Beschwerden hervorruft und jeder Arzt nur seine Fachrichtung kennt, folgt für den Patienten nicht selten eine Ärzte-Odyssee. Selbst die Wanderröte, die als Infektionsbeweis gelten sollte, wird von vielen Medizinern nicht erkannt. Erschwerend hinzu kommt eine höchst unzuverlässige und unstandardisierte Diagnostik. Fehldiagnosen wie MS, ALS, Depression, Rheuma, Parkinson, CFS/ME, Alzheimer usw. sind dann leider keine Seltenheit. Ganz zu schweigen von den Lei(d)linien, deren Therapieempfehlungen viele Infizierte in ein chronisches Stadion treiben und unsägliches Leid verursachen. In Amerika findet ganz langsam ein Wandel statt. Dieser ist den seit Jahren kämpfenden Patientenverbänden und nicht zuletzt den medienwirksamen Aufklärungskampagnen von inzwischen unzähligen betroffenen Prominenten zu verdanken. Auch in Deutschland kämpfen Patienten für ihre Rechte.


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