Long-Covid: Weiter trifft es vor allem Herz- und Gefäßpatienten

Risikogruppen von Covid und Long-Covid sind nach wie vor Herz- und Gefäßpatienten. (© Prof. Dr. med. Rainer Wessely)

Schon in der Akutphase der Pandemie waren die sogenannten "Risikogruppen" vor allem Herz- und Gefäßpatienten. Das ist nun auch wieder beim Long-Covid-Syndrom der Fall. Im Vordergrund stehen vor allem erhöhte Herzfrequenz und Herzrhythmusstörungen, mangelnde Belastbarkeit, Müdigkeit, Atemnot insbesondere unter Belastung und Schwindel.

Aber auch erhöhter Blutdruck und übermäßige Blutdruckschwankungen sowie Brustschmerzen werden nicht selten beobachtet. Bei Persistenz der Symptome sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Möglicherweise bietet sich auch die Gelegenheit, eine speziell eingerichtete Long-Covid-Sprechstunde aufzusuchen.


Wie kommt es dazu, dass vor allem diese Organe geschädigt werden?

Ein Hauptziel des Virus ist die Innenauskleidung von Organen und Gefäßen, das sogenannte Endothel. Diese Zellen tragen ganz erheblich dazu bei, dass Gefäße und Organe gesund bleiben, denn sie bilden eine natürliche Barriere auch gegen Krankheitserreger. Bei der Coronavirus-Infektion werden die protektiven (also schützenden) Eigenschaften des Endothels verletzt, es kann so seiner Barrierefunktion nicht mehr gerecht werden. Ferner können dadurch Durchblutungsstörungen sowie eine Thromboseneigung auftreten.

Darüber hinaus haben gerade Menschen in den Risikogruppen eine höhere Anzahl an sogenannten ACE2-Rezeptoren, also dem Rezeptor, der dem Virus als Eintrittspforte in Organe dient. Dadurch werden diese Menschen anfälliger für das Virus.

 

Erhöhtes Risiko für Patienten mit Herz- und Gefäßerkrankungen

Nach überstandener Coronainfektion, so eine Studie von Xie und Kollegen, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Medicine“ erschienen ist (https://www.nature.com/articles/s41591-022-01689-3), bestehen für die Erkrankten weiterhin ein erhöhtes Risiko, insbesondere auch im Bereich der Herz- und Gefäßerkrankungen.

So ist die Zahl der Herzinfarkte und Hirnschläge auch nach überstandener Akutinfektion im Vergleich zu denen, die vorher nicht an Covid erkrankt waren, erhöht. Auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Blutgerinnseln, die zum Beispiel zu Venenthrombosen und Lungenembolien führen können, ist weiterhin deutlich erhöht.

Insbesondere Venenthrombosen und Lungenembolien können heimtückisch sein, da sie vom Patienten oft nicht erkannt werden und damit potentiell tödlich enden können. Dies konnten auch Studien gerade am Anfang der Pandemie zeigen, in denen die Rate oft unentdeckter Lungenembolien und Beinvenenthrombosen überraschend hoch war.

Dabei gilt der Grundsatz, je schwerer man an Covid erkrankt war, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auch später eine akute Herz- und Gefäßerkrankung wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolien oder Thrombosen zu erleiden.

Menschen, die stationär behandelt wurden, haben auch im Zeitraum nach der Krankenhausbehandlung eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Komplikationen zu erkranken als Covid-19-Infizierte, die nicht in die Klinik mussten. Wie lange das erhöhte Risiko anhält, wissen wir noch nicht, derzeit geht man von mindestens einem Jahr aus.

Fazit

Die Pandemie scheint immer neue Überraschungen für uns bereitzuhalten, täglich lernen wir Neues hinzu. Übrigens haben wir kürzlich auch gelernt, dass eine (mRNA) Impfung nach einer Erkrankung mit Covid die Wahrscheinlichkeit eines Post-Covid-Syndroms nicht erhöht.

Bei länger anhaltenden Symptomen sollten Sie also unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Bei akut auftretenden typischen Beschwerden insbesondere nach einer Covid-19-Infektion sollten Sie auch weiter wachsam sein und bei Verdacht auf Schlaganfall, Thrombose oder Herzinfarkt sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (4)

Ingrid, 20.05.2022 - 09:41 Uhr

Sehr informativ, gut das zu wissen!

Helga, 25.04.2022 - 12:20 Uhr

Die folgenden 2 Kommentare sagen genau das aus, was auch uns belaset. Alter d. Frau: 86 J. Ehemann: 89 Jahre mit Pflegediensten im Betreuten Wohnen. (Relativ selbständig und aktiv.)

Anna, 19.04.2022 - 20:10 Uhr

Ich hatte Januar2019 einen Herzinfarkt und 2 stents bekommen, habe aber auch asthma bronchiale, Covid geimpft und habe mich eigentlich immer sehr wohl gefühlt. In den letzten 4 - 5 Wochen leide ich aber öfter an trocknem Husten und Atemnot, auch das gehen fällt mir immer schwerer, habe Kppfschmerzen und bin immer müde, Ich habe meinen Hausarzt schon darauf angesprochen aber keine befriedigende Antwört erhalten, es geht mir ja auch nicht besser . Vielleicht können Sie mir einen Rat geben ??? Ich bin 86 Jahre alt.

Anton, 11.04.2022 - 03:53 Uhr

Was kann ich tun um im Ausland von meiner Versicherung meine Medikamente zu bekommen? Wir sind Familienmäßig 3 mal ,3 Monate im Jahr in den USA und müssen immer in dieser zeit nach Deutschland zurück, weil wir keine Opiate in den USA bekommen. Wir haben Ausweise das wir Oxycodone mitführen können und holen sie in Deutschland ab. Leider geht es nicht anders als das wir 2 x mal je 100 Tabletten verschrieben bekommen von unserem Hausarzt. Unser Schmerztherapeut ist in Rente und unsere Hausarzt hat jetzt angst, sodass wir nur noch 100 verschrieben bekommen. Das reicht nicht und ich bekomme keine Hilfe mehr für Freiflüge von Freunden. Meine Frau kann auch nicht mehr mit ihren Service Dog so einfach mal fliegen. Da ich nach 1 Jahr versuch keine Hilfe in Deutschland von der Versicherung und In den USA erwarten kann, muss ich ein anderes Land finden wo ich eventuell meine Medikamente bekommen kann auf legalem WEG. Ist es möglich in einem anderen Europäischen Land meine Gesundheitskarte zu benutzen? Ich weiß nicht wer mir helfen kann. Konsulat ist auch nicht möglich, alle sagen es gibt keine abkommen und die USA nimmt keine Ärztlichen Berichte an. Wir beide sind behindert Meine Frau hat künstliche Gelenke und Jetzt noch einen Schrittmacher bekommen. Ich habe Gelenk und Muskelschmerzen 2013 Quadruple Bypass bekommen. Ohne diese Medikamente sind wir nicht lebensfähig. Die Professoren Die uns seit vielen Jahren behandelten sagten einstimmig als auch unsere ehemalige Schmerztherapeutin, dass wir nach unserem Krankheitsverlauf Oxycodone beibehalten muessten. Nach 2019 mit neuen Werten wurde alles anders wir wurden wieder durch die ganze Suchmaschine der Ursachen gezwungen weil es (wiederum)andere Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung gäbe nach den Neuen Jungen Aerzten. Bitte helfen sie weil wir auch mit unserem Herz Probleme haben. Bitte um Informationen die hilfreich sein können. Danke freundlichst !

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