Darmspiegelung - für wen ist das sinnvoll?

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Die Darmspiegelung (Koloskopie) ermöglicht durch den Einsatz flexibler Geräte, den Dickdarm (Kolon) über die gesamte Länge zu untersuchen, um insbesondere Darmkrebs, Darmpolypen oder Darmentzündungen festzustellen.

Vorsorge ab 50./55. Lebensjahr:
Im Rahmen der Vorsorgeprogramme werden Patienten ab 55 Jahre (wenn Sie gesetzlich versichert sind) und Patienten ab 50 Jahre (wenn Sie privat versichert sind) einer Koloskopie zugeführt, um insbes. Kolonpolypen festzustellen und abzutragen. Polypen treten relativ häufig auf, ca. 20 – 30 % der Patienten werden bei der Untersuchung „polypektomiert“, d.h. der Polyp wird entfernt: Die Polypektomie erfolgt entweder mit einer Elektroschlinge bei größeren Polypen > 5 mm (sog. Schlingenabtragung unter Einsatz von Hochfrequenzstrom) oder mit Zange bei kleinen Polypen. Der Untersucher dokumentiert dabei die genaue Lage der Polypen. Anschließend werden die abgetragenen Polypen feingeweblich (histologisch) untersucht, insbesondere um festzustellen, ob sich schon bösartige (maligne/ neoplastische) Zellen finden lassen. Aus dem mikroskopischen Aspekt ergeben sich die Information für die weiteren Kontrollintervalle – kurzfristige Kontrollintervalle oder gegebenenfalls Nachoperation bei bösartigen Polypen, mittelfristige Kontrollintervalle bei Adenomen, aus denen sich das Kolonkarzinom entwickeln kann (zwischen 3 und 5 Jahren) und keine besondere Konsequenz bei den sog. hyperplastischen Polypen, die als harmlos einzustufen sind.

Vorsorge bei besonderem Risiko:
Es gibt Risikokonstellationen, die es notwendig machen, Patienten schon vor dem 50. Lebensjahr einer Darmkrebsvorsorge zuzuführen.
Die häufigste Risikokonstellation besteht bei Angehörigen von Familien mit Darmkrebserkrankungen vor dem 50. Lebensjahr oder Kolonpolypen vor dem 50. Lebensjahr. Die erstgradig Verwandten (Kinder, Geschwister) der sog. Indexpatienten (des Patienten, der erkrankt ist) sollten sich mind. 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Indexpatienten zur Darmkrebsvorsorge vorstellen.

Darmspiegelung bei Alarmsymptomen zum Ausschluss eines Kolonkarzinomes (Darmkrebs):
Darmkrebs führt leider erst spät zu Beschwerden. Typische Beschwerden sind unter anderem:

    • Blutarmut (Anämie),
    • Blut im Stuhl (Hämatochezie),
    • Gewichtsabnahme (10% in 6 Monaten ungewollt),
    • B-Symptomatik (Nachtschweiß, subfebrile Temperaturen, Gewichtsverlust),
    • paradoxe Diarrhoe (erst Verstopfung über Tage, dann wässriger, übelriechender Stuhlgang)

Leidet ein Patient unter den o.g. Beschwerden, sollte in Rücksprache mit dem betreuenden Hausarzt eine Koloskopie durchgeführt werden.

Darmspiegelung bei Hinweis auf Darmentzündung:
Darmentzündungen gehen typischerweise mit Durchfällen (Diarrhoe) einher. Nicht jede Darmentzündung bedarf einer Koloskopie. Meist ist die Ursache ein Magen-Darminfekt, der von selbst ausheilt. Anschließend dauert es jedoch eine ganze Weile bis sich wieder normaler (geformter, regelmäßiger) Stuhlgang bildet.
Dauern die Durchfallbeschwerden jedoch über lange Zeit muss man an chronische Durchfallserkrankungen denken (Beschwerden dauern über 4 Wochen). Hier hilft die Koloskopie entscheidend weiter, denn nur so kann man andere Ursachen wie zum Beispiel chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) oder die sogenannte mikroskopsiche Kolitis (nur durch histologische Untersuchung diagnostizierbar) feststellen.
Oder die Durchfallsbeschwerden sind besonders heftig und lassen sich in der hausärztlichen/internistischen Abklärung nicht eindeutig zuordnen. Auch hier ist die Koloskopie eine sinnvolle und häufig wegweisende Untersuchung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (5)

Goldfinger, 04.05.2019 - 19:16 Uhr

Guten Tag, ich beginne eine Behandlung wegen Darm- & Hämorrhoiden-Problematik. Eine sehr baldige Darmspiegelung wurde mit einem Proktologe als 1. Maßnahme vereinbart. Während der Besprechung erwähnte ich Details über die Hämorrhoiden: Größe = extern 4. Grad / ob + wann Blutungen / ob + wann Schmerzen etc. Ich wurde gebeten, 1 Formular auszufüllen zwecks Termin für die Darmspiegelung. Es erfolgte während der gesamten Besprechung keine ärztliche Untersuchung, was mich (jedoch erst im Nachhinein) sehr wundert. Frage 1: Ich bitte um Stellungnahme über folgende Problematik: Ist gewährleistet, dass eine Darmspiegelung bei/trotz jeder Art von externen Hämorrhoiden grundsätzlich möglich ist, da in meinem Fall diese externe Hämo durch eine progressive Verbiegung durch Sitzen den After quasi-sperrt bzw. abschirmt? Ich möchte in der Tat vermeiden, dass 2 Tage Vorbereitung zur Darmspiegelung zuzüglich unnötiger Betäubung umsonst erfolgen (wegen unmöglicher Darmspiegelung, die erst dann festgestellt würde). Wenn ja, welche Methode wird dann in Anspruch genommen, um trotz Hämo diese Darmspiegelung erfolgreich durchzuführen? Anders formuliert: Schafft es 1 Endoskop "in jedem Fall"? Frage 2: Bei Asthma-Vergangenheit und aktuellem Bluthochdruck, welches Betäubungsmittel wäre zu empfehlen? Umgekehrt: welches Mittel nicht? Besten Dank im Voraus für Ihre (hoffentlich baldige) Stellungnahme.

Kristin G., 24.06.2018 - 09:14 Uhr

Hallo. Leide unter NF 1. War kürzlich beim Hautarzt deswegen und er meinte, dass meine Fibrome nicht wirklich das Problem sind, sondern dass ich ein erhöhtes Darmkrebsrisiko habe und alle 4 Jahre eine Koloskopie machen soll? NF1 und erhöht es Darmkrebsrisiko stimmt das? Danke für die Antwort en Lg Kristin

Yvonne, 28.01.2017 - 19:19 Uhr

Einige Darmbeschwerden lassen sich frühzeitig gut und gezielt vorbeugen. Einfach in die ganz natürliche Sitzhaltung zur Darmentleerung wechseln. Durch die gehockte Sitzhaltung (35 Grad Winkel) ist der Darm gerade und man kann sich eben schnell und gründlich entleeren. Es ist ja wichtig, dass man sich ohne Rückstände erleichtert. Ich habe mir einen Hocker angeschafft und seither kann ich die Hocke sehr gut praktizieren.

Ceylan, 29.02.2016 - 10:37 Uhr

Ich bin 22 Jahre alt und habe große Angst davor, eine schwere Krankheit zu haben, da ich oft Blähungen und Bauchschmerzen habe. Ich habe bereits eine Magenspieglung machen lassen, es ist aber alles in Ordnung.

Mara, 27.12.2015 - 06:29 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, Ich bin 35 Jahre alt. Ich leide seit einigen Monaten unter Bauchschmerzen, Bauchkrämpfen und der Darm macht viele Geräusche. Ich war beim Hausarzt, der mir einen Darmspiegelung empfohlen hat. Inzwischen war ich jedoch vor lauter Schmerzen im Krankenhaus. Dort hat mir der Arzt Schmerzmittel gegeben und mir eine Überweisung ausgehändigt, worauf der Verdacht auf Abdomen vermerkt ist. Ich hatte einen Termin in der Gastroenterologie vereinbart. Der Arzt hat mich jedoch überhaupt nicht kontrolliert, sondern mir einen Termin für eine Darmkoloskopie gegeben. Ich bin total verzweifelt. Macht es Sinn eine Koloskopie durchzuführen? Ich habe selber über die Krankheit Abdomen recherchiert und die Symptome stimmen. Ich würde mich über einem Ratschlag freuen. Mit freundlichen Grüßen, Mara

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