Bestrahlung bei Brustkrebs - Dauer und Nebenwirkungen

Dr. Herm

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© underdogstudios - FotoliaDauer und Nebenwirkungen der Bestrahlung bei Brustkrebs (© underdogstudios - Fotolia)Das Mammakarzinom ist in den westlichen Industrieländern die häufigste Tumorerkrankung der Frau. Die möglichen Behandlungsoptionen umfassen Operation, Chemotherapie, Antikörpertherapie, Hormontherapie oder Strahlentherapie. Entsprechend des Risikoprofils, der Histologie, des Alters und der Nebenerkrankungen der Patientin ist die Kombination unterschiedlicher Behandlungen möglich.

Der Ablauf der Strahlentherapie

Sehr oft steht am Ende der Behandlungskette die Strahlentherapie, die zum Beispiel bei brusterhaltender Therapie angewandt wird. Bei invasivem Karzinom soll eine Bestrahlung der betroffenen Brust nach brusterhaltender Operation durchgeführt werden.
Ziel der Bestrahlung ist die Vernichtung von eventuell vorhandenen mikroskopischen (d. h. mit dem bloßen Auge nicht erkennbaren) Tumorarealen. Das Zielvolumen der perkutanen Nachbestrahlung schließt die gesamte verbliebene Brust und die angrenzende Thoraxwand ein.
Wird keine zusätzliche Chemotherapie durchgeführt, kann die Bestrahlung ca. 4 - 6 Wochen nach der Operation beginnen. Bei einer Chemotherapie erfolgt die Bestrahlung nach Abschluss dieser Therapie.

Die Dosis soll ca. 50 Gy bei konventioneller Fraktionierung betragen (5 × 1,8-2,0 Gy/Woche), sodass dabei 25 bis 28 Bestrahlungen erforderlich sind. Danach erfolgt sehr oft eine lokale Dosisaufsättigung (Boost-Bestrahlung) des Tumorbettes. Diese senkt die lokale Rezidivrate in der Brust noch weiter. Die Boost-Bestrahlung ist in der Regel indiziert. Die empfohlene Boost-Dosis beträgt 16 Gy in konventioneller Fraktionierung (5 x 1,8-2,0 Gy/Woche), so dass nochmals 8 weitere Bestrahlungen erfolgen und sich die ganze Therapie dann etwas über 36 Behandlungstage erstreckt, also ein Zeitraum von über 7 Wochen.

Für viele Patientinnen ist dieser Zeitraum sehr lang und mitunter sehr belastend. Inzwischen geht der Trend dahin, die Dauer der Strahlentherapie zu verkürzen.

Die Verkürzung der Strahlentherapie

Entsprechend der Leitlinien kommt zur Verkürzung der Strahlentherapie unter anderem der simultan-integrierte Boost (SIB) in Frage. Bisher erfolgte die Strahlentherapie des Tumorbettes (also dort wo der Tumor war) nach der Bestrahlung der ganzen Brust. Nun wird dies bereits während der Bestrahlung der ganzen Brust durchgeführt. Man bestrahlt also dieses Boostvolumen bei jeder Fraktion der Brustbestrahlung mit einer geringen zusätzlichen Dosis. Voraussetzung für die simultan-integrierte Boost-Technik sind moderne Bestrahlungs- und Planungstechniken. Die Gesamtbehandlungszeit beträgt fünf bis fünfeinhalb Wochen, also kann damit die Behandlungszeit um etwa 1,5 bis 2 Wochen verkürzt werden.

Weitere Indikationen für die Strahlentherapie

Die Strahlentherapie kann auch die Behandlung bei einer Mastektomie unterstützen, wenn diese mit einem hohen Risiko für ein Lokalrezidivs verbunden ist. Es ist zudem möglich, die Lymphabfluss-Regionen (Achsel-Lymphknoten, Schlüsselbein-Lymphknoten, Brustbein-Lymphknoten) in das Strahlenfeld mit einzubeziehen. Die Indikationen für die Strahlentherapie prüft die interdisziplinäre Tumorkonferenz der Brustzentren für jeden Patienten.

Wichtig für die Patienten ist die individuelle Planung jeder Bestrahlungsserie. Voraussetzung ist eine möglichst genaue Erfassung der anatomischen Strukturen. Dazu dient ein sogenanntes Planungs-CT in der Bestrahlungsposition, das die Grundlage für den Bestrahlungsplan bildet. Ziel ist es, die andere Brust sowie die Organe optimal zu schonen.

Mögliche Nebenwirkungen

Trotz dieser neuen Techniken lassen sich vor allem lokale Nebenwirkungen, insbesondere Hautreaktionen im Bestrahlungsgebiet nicht vermeiden. Sehr häufig kommt es zu Rötungen bzw. Pigmentierung der Haut sowie allgemein zu einer Fatigue-Symptomatik.
In einem Aufklärungsgespräch vor der Strahlentherapie wird ihr behandelter Arzt mit Ihnen über diese möglichen Nebenwirkungen sprechen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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