Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. med. Thomas Czerlitzki

Dr. Czerlitzki

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© CzerlitzkiHerr Dr. Czerlitzki ist Orthopäde in Berlin. (© Czerlitzki)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Czerlitzki interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Orthopäde.

jameda: Herr Czerlitzki, was hat Sie motiviert, Orthopäde zu werden?

Herr Dr. Czerlitzki: Ich habe früher Leistungssport betrieben und war unter anderem Ruderweltmeister im Deutschlandachter der Junioren. Dadurch habe ich mich früh mit meinem Bewegungsapparat beschäftigt und Erfahrungen mit Sportmedizinern und Orthopäden sammeln können.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Herr Dr. Czerlitzki: Am meisten Freude macht es mir, akribisch die Ursache der geschilderten Beschwerden aufzudecken und den Patienten die Zusammenhänge ohne Fachchinesisch zu erläutern. Zusammen mit ihnen entwickle ich dann eine individuelle, die Ursachen angehende Behandlungsstrategie. Wenn wir damit Erfolg haben, bin ich sehr glücklich.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Herr Dr. Czerlitzki: Die Patienten haben häufig Angst, unnötige oder gefährliche Therapiemethoden oder sogar Operationen aufgeschwatzt zu bekommen. Sie fürchten auch, dass nur die Symptome behandelt werden, ohne die Ursache zu berücksichtigen. Diesem Vorurteil nicht zu entsprechen und dazu positive Rückmeldung der Patienten zu erhalten, macht mir große Freude.

© CzerlitzkiDer Empfangsbereich im Orthopädiezentrum Kurfürstendamm (© Czerlitzki)jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Herr Dr. Czerlitzki: Ich kann mich sehr gut in die Patienten hineinversetzten, da ich jahrzehntelange Berufserfahrung habe und selber auch schon manche Behandlungen über mich habe ergehen lassen müssen. Ich erkläre ausführlich die Zusammenhänge und sage den Patienten ganz offen, was ich in ihrer Situation machen würde. Ich versuche, immer zu überzeugen und nie zu überreden.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Dr. Czerlitzki: Ich versuche, den Grund dafür zu verstehen und bemühe mich dann abermals, den Patienten von der Notwendigkeit des Therapieplans zu überzeugen. Oder ich erläutere einen Alternativplan, der dem Patienten auch hilft und mit dem ich leben kann. In der Regel ist das kein Problem, wenn man die Patienten davon überzeugt, dass es für sie das Beste ist.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Dr. Czerlitzki: Trotz aller zum Teil berechtigten Kritik halte ich das deutsche Gesundheitswesen für eines der besten weltweit. Meine im Ausland lebenden Patienten bestätigen das auch immer.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Dr. Czerlitzki: Ich denke, dass vor allem die Menschlichkeit im Umgang mit den Patienten wichtig ist. Ein guter Mediziner ist noch lange kein guter Arzt. Das optimale Fachwissen und regelmäßige Fortbildung sind natürlich immer eine Grundvoraussetzung.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden? 

Herr Dr. Czerlitzki: Ich bin ein großer Freund der strahlenfreien bildgebenden Verfahren wie Sonographie und Kernspintomographie. Insbesondere Injektionen kann man durch Navigation mit dem Ultraschall sicher und schmerzarm durchführen. Ansonsten bin ein Verfechter der sanften, mobilisierenden, an der Osteopathie ausgerichteten manuellen Therapie. Mit extrakorporaler Stoßwellentherapie und sonographiegesteuertem Absaugen kann man Kalkschultern ohne Operationen heilen. Sobald sich ein neues Therapieverfahren als wirksam und seriös erwiesen hat, übernehmen wir es in unser Behandlungskonzept.

© CzerlitzkiDas Praxisteam des Orthopädiezentrums Kurfürstendamm um Herrn Dr. Czerlitzki (© Czerlitzki)jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Czerlitzki: Das war die Behandlung einer 36-jährigen Patientin, die mit Brustwirbelsäulenproblemen zu mir kam. Nach ausführlicher Befragung und körperlicher Untersuchung konnte ich jedoch keine ausreichende orthopädische Erklärung für die Beschwerden finden. Ich habe sie dann umgehend zu einem Kardiologen geschickt, der einen schweren, aber symptomatisch völlig untypischen Herzinfarkt feststellte. Die Patientin wurde noch am gleichen Tag operiert, hat überlebt und sich später gut erholt.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Czerlitzki: Das, was alle sowieso schon wissen, ist wirklich das Beste: Regelmäßiger moderater Sport, deutliches Übergewicht vermeiden, individuelle Strategien, um Stress abzubauen (Ausdauersport, Yoga, autogenes Training, etc.) und Spaß an dem haben, was man macht.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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