Kniearthrose: Zahlreiche Alternativen zu künstlichem Gelenk

Dr. Franz

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© kogge - Fotolia.com© kogge - Fotolia.comEin beginnender Knorpelschwund im Knie kann auf verschiedene Art und Weise gebremst werden. Nicht immer ist sofort der Einbau eines neuen künstlichen Kniegelenks notwendig.

Sport ist eine sehr gute Medizin, vor allem im Anfangsstadium sollten Betroffene für viel Bewegung im Gelenk sorgen. Knieschonende Disziplinen wie Schwimmen und Fahrradfahren sind zu empfehlen. Positive Effekte sind sogar auch dann zu verzeichnen, wenn der Betroffene die Bewegung gar nicht selbst macht, sondern wenn der Mensch von einer Maschine bewegt wird. Wie eine neue Studie der Uni Tübingen zeigt, hilft das Training mit Vibrationsgeräten, die in zahlreichen Physio-Praxen und Fitnessstudios stehen. Die Platten vibrieren 30- bis 50-mal in der Sekunde, während man auf ihnen steht. Das kräftigt Muskeln und Knochen, außerdem werden Nährstoffe in den Knorpel hinein geknetet.

Ein großes Thema im Zusammenhang mit Kniearthrose sind die überzähligen Pfunde, die die Patienten mit sich herumtragen. Jedes Kilo zu viel belastet die Knochen um das Dreifache. Eine neue Studie des Kompetenzzentrums Naturheilverfahren an der Universität Jena ergab, dass den Gelenken auch Fasten  hilft. Nach einer rund zweiwöchigen Saftkur, die ärztlich begleitet war, hatten die Teilnehmer weniger Schmerzen und konnten ihre Gelenke wieder besser bewegen.

Wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit untersucht sind auch pflanzliche Wirkstoffe. Neben den bereits bekannten wie Teufelskralle, Hagebuttenpulver und Weidenrindenextrakt erfreut sich zumindest im Nachbarland Frankreich und vor allem in den USA ein bislang bei uns wenig bekanntes Mittel zunehmender Beliebtheit: ein Avocado-Soja-Präparat. Hierbei handelt es sich um eine unverseifbare Fraktion aus Avocado-Soja-Öl. Mehrere Studien belegen die Wirksamkeit der Fraktion bei Gelenkbeschwerden. Spezifische Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Sind die nicht-operativen Verfahren ausgereizt, stehen dem Arzt immer noch mehrere Eingriffsmöglichkeiten zur Verfügung, bevor ein künstliches Gelenk angesagt ist.
Vor allem beim Einsatz gezüchteter Knorpelzellen hat sich in jüngster Zeit eine Menge getan. Diese Methode, die seit Mitte der 1990er-Jahre praktiziert wird und bislang vorwiegend jüngeren Patienten mit eng umrissenen Knorpelschäden vorbehalten war, ist zunehmend auch für ältere Patienten geeignet, deren Knorpel aufgrund von Verschleiß in Mitleidenschaft gezogen wurde. Auch größere, unregelmäßig betroffene Gelenksflächen können mit diesem Verfahren behandelt werden.

Bei einer ersten Arthroskopie wird minimalinvasiv ein reiskorngroßes Stück an gesundem Knorpel entnommen. Außerdem wird dem Patienten Blut abgezapft.
In einem hochtechnisierten Verfahren werden aus den wenigen entnommenen Zellen innerhalb der nächsten Wochen viele neue. Die Knorpelzellen schwimmen in speziellen Bestandteilen des Eigenblutes des Patienten im Reagenzglas. Nach vier bis sechs Wochen werden die Zellen zu Kügelchen, sogenannten Sphäroiden, zusammengefasst. Jedes der etwa einen Millimeter kleinen Kügelchen beinhaltet rund 200.000 Knorpelzellen.

Bei einem zweiten Eingriff wird die defekte Stelle vorbereitet, ehe die Sphäroide losgelassen werden. Sie heften sich an den Knochen an und beginnen, sich zu vermehren. Nur acht bis zwölf Wochen später ist vom früheren Schlagloch im Knorpel nichts mehr zu sehen, eine ebene Fläche ist entstanden. Während der Knorpel anwächst, muss der Patient für sechs Wochen mit Unterarmgehstöcken das Gelenk entlasten. Eine intensive Reha stellt Kraft und Beweglichkeit wieder her.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (19)


23.09.2017 - 13:11 Uhr

Hallo ! Ich habe seit mehreren Jahren schon...

von Elfriede Pröll

... große Probleme mit Knie Arthrose im rechten Knie. Bei der letzten Untersuchung im Februar sagte mir mein Arzt jetzt bestehe nur noch die Möglichkeit einer Operation. Die Kniescheibe im inneren Kniegelenk ( rechtes Bein innen Links ) da reibt Knochen auf Knochen. Meine Frage jetzt wer macht die Behandlung mit Knorpelzellen? An wen muss ich mich wenden um mich evlt. Behandeln zu lassen?

14.09.2017 - 18:49 Uhr

Beim ersten Eingriff wurde Knorpel entnommen und...

von Heike B.

... ins Labor geschickt. Jetzt nach vier Wochen bekam ich die Aussage, dass noch keine Vermehrung stattgefunden hat. Am 11.10. sollte eigentlich der gezüchtete Knorpel eingesetzt werden. Hab ich Pech und ich gehöre zu denjenigen wo die Züchtung nicht klappt? Was hätte ich für Alternativen?

10.02.2017 - 18:09 Uhr

Kann man einen Knorpelschaden im Knie mit...

von Angelika B.

... künstlichem (nicht aus eigenen Körperzellen) Knorpelersatz behandeln? Und wer macht so etwas?

11.11.2016 - 09:15 Uhr

Kann man nach dreißig Jahren, das vordere...

von Armin

... Kreuzband noch ersetzen, um eine mediale Schlittenprothese einbauen zu können, oder funktioniert diese auch ohne vorderes Kreuzband? Mein Knie ist sonst noch recht stabil.

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 16.11.2016
Dr. med. Wolfgang Franz

Bei geringer Instabilität funktioniert eine Teilprothese (ohne bewegliche Komponenten!) auch ohne Kreuzbandersatz.

23.10.2016 - 17:14 Uhr

Hallo, bei einem MRT wurde folgendes festgestellt:...

von Susanne

... Meniskusdegeneration Grad 3, Knorpelfissur, Bakerzyste, Meniskuszyste, mehrere Geröllzysten, Schleimbeutelentzündung und eine verschobene Kniescheibe. Mein Arzt rät zur Arthroskopie, ich bin jedoch unsicher. Können Sie mir einen Rat geben?

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 25.10.2016
Dr. med. Wolfgang Franz

Bei diesem Befund würde ich auch zur Arthroskopie raten!

13.06.2016 - 18:23 Uhr

Durch meinen Wanderurlaub vor ein paar Wochen kam...

von R.F

... es wohl durch Überbeanspruchung zu Schmerzen im Knie. Mein Orthopäde ließ ein MRT anfertigen, das den folgenden Befund zu tage brachte. Knorpelschaden 4.Grades - es würde nur noch Knochen auf Knochen reiben und ich müsste mich wohl mit einem künstlichen Gelenk anfreunden. Nach einer Spritze ins Knie bin ich aber wieder fast beschwerdefrei. Wie kann das sein bei solch einem Befund? Könnte man bei mir eventuell eine Besserung mit Stammzellen erreichen? Bin etwas über 60 Jahre alt.

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 21.06.2016
Dr. med. Wolfgang Franz

Manchmal helfen die Spritzen, gut! Stammzellen eher nicht.

23.03.2016 - 14:23 Uhr

Hallo, ich hätte mir bitte noch eine 3.Meinung...

von Monika W.

... eingeholt wegen einer Schlittenprothese. Wie kann ich Sie erreichen?

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 26.04.2016
Dr. med. Wolfgang Franz

0631 12053 oder Jameda "Terminbuchung".

24.01.2016 - 13:35 Uhr

Ich habe in beiden Knie immer Schmerzen beim...

von Günther G.

... Gehen. Beim Radfahren spüre ich nichts. Wer kann mir ein Hausmittel empfehlen? Medikamente möchte ich, so weit es geht, nicht einnehmen. Danke für einen guten Vorschlag.

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 26.01.2016
Dr. med. Wolfgang Franz

Da muss man erstmal nach der Ursache suchen!

30.01.2015 - 16:00 Uhr

Ich hab seit über10 Jahren teilweise starke...

von klaus

... Schmerzen im Knie totz Beinumstellung.Möchte aber ein künstliches Kniegelenk ersparen.Meine frage ist,bekommt man als Kassenpatient den Knorpelaufbau bezaht? Da mit einen Künstlichen Gelenk eingeschränkt bewegen kann zb.Sport,tanzen

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 05.02.2015
Dr. med. Wolfgang Franz

Die Kassen übernehmen in manchen Kliniken die Knorpelzüchtung, allerdings kommt das Verfahren bei fortgeschrittener Arthrose nicht mehr in Frage.

18.01.2015 - 20:27 Uhr

Gilt das auch für die Hüftathrose?

von Dorette

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 27.01.2015
Dr. med. Wolfgang Franz

Ja (leider)!

15.04.2014 - 12:45 Uhr

Sie schreiben zwar in dem Artikel, dass der...

von Klaus

... Einsatz gezüchteter Knorpelzellen zunehmend auch für ältere Patienten in Frage kommt, ihren Antworten entnehme ich aber das Gegenteil. Ist es nun möglich, ja oder nein? Oder was verstehen sie unter älteren Patienten? Doch eine Altersobergrenze? Kann ich mich mit 76 Jahren mit dieser Therapie bei ihnen behandel lassen?

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 15.04.2014
Dr. med. Wolfgang Franz

Nein! Generell gilt, dass solche Therapien um so besser wirken, je jünger der Patient ist. Ich würde einem Patienten über 50 keine Knorpelzüchtung empfehlen. Ausserdem spielt es eine Rolle, wo und wie gross der Knorpelschaden ist.

24.02.2014 - 19:38 Uhr

Meine Frau hat eine fortgeschrittene Arthrose (4)...

von Norbert

... in beiden Kniegelenken,gibt es Alternativen zu einem künstlichen Kniegelenk ? Habe mal etwas von künstlich gezüchtetem Knorpelersatz gehört,der dann implantiert wird. Bitte um Rückantwort m.f.G. N.Gilges

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 25.02.2014
Dr. med. Wolfgang Franz

Bei fortgeschrittener Arthrose ist die Knorpelzüchtung nicht mehr sinnvoll. Viele Alternativen können Sie in unserem Buch "Knie-Arthrose" finden!

11.07.2013 - 03:37 Uhr

hallo, Herr Dr. Franz, ich bin 54 Jahre, wurde vor...

von Günter

... 4 Monaten am Knie operiert, ist Besserung eingetreten, sind aber grosse Schäden festgestellt worden, Hauptproblem ist der Knorpel.33 % fehlen. Künstl.Knie wäre erforderlich, der op. Arzt meinte aber, ich soll noch zuwarten, weil ich zu "jung" bin. habe aber grosse Schmerzen, mittlerweile auch im rechten Knie. was kann ich machen???

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 07.01.2014
Dr. med. Wolfgang Franz

Es gibt keine Altersgrenze mehr, gehen Sie zu einem Spezialisten!

29.06.2013 - 17:15 Uhr

Ich hatte aufgrund meines Sports auch erhebliche...

von Jens

... Probleme mit dem Knie. Nach einem Tipp aus dem Internet habe ich mir dann Hyaluronsäure-Kapseln (Deutscher Hersteller ! War mir sehr wichtig!) besorgt und diese (wie empfohlen) für mindestens 6 Monate eingenommen. Jetzt sind meine Knieprobleme praktisch komplett verschwunden :-) . Der "Nachteil" ist, dass man die Hyaluronsäure dann später immer einnehmen muss, damit der Körper auch nach der "Heilung" weiterhin ausreichend mit Hyaluronsäure versorgt ist, weil der Körper ab einem gewissen Alter nicht mehr selber ausreichend Hyaluronsäure produziert !

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 15.04.2014
Dr. med. Wolfgang Franz

Das würde ich in Kauf nehmen!

18.05.2013 - 16:06 Uhr

Ich bin 64 Jahre,habe fortgeschrittene Athrose und...

von Ilona

... mein Arzt rät mir, wenn die Schmerzmittel nichts mehr bringen, zu einem künstlichem Kniegelenk.Aber das ist ein schwerer Entschluß, gibt es eine andere Alternative?

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 07.01.2014
Dr. med. Wolfgang Franz

Das kommt darauf an. Eventuell können Spritzen und eine Orthese helfen.

07.03.2013 - 17:22 Uhr

Ich bin 85 Jahre alt und leide an...

von Heribert Ambros

... fortgeschrittener Kniearthrose. Haben Mittel wie Hagebuttenpulver in diesem Alter noch einen Sinn? H. Ambros

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 09.03.2013
Dr. med. Wolfgang Franz

Das kann man probieren, wenn´s hilft, ist es gut! Wahrscheinlich werden Spritzen ins Knie und eventuell eine Orthese aber mehr bringen.

14.10.2012 - 17:35 Uhr

In der Klinik von Dr. Witwity in Stade wird...

von Holger Sinkovec

... natürlicher Knorpel offensichtlich direkt im Knie erzeugt (Bioknorpel, Abrasions-chondoplastik). Warum wird diese Methode nicht erwähnt bzw. hat sie sich ebenfalls nicht bewährt?

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 16.10.2012
Dr. med. Wolfgang Franz

Das ist im Prinzip wie die Microfracture-Behandlung. Damit kann wieder ein Knorpelüberzug erzeugt werden. Allerdings funtioniert das umso besser, je jünger der Patient und je kleiner der Schaden ist. Anders herum: bei älteren Patienten mit fortgeschrittener Arthrose ist von dieser Methode nicht mehr so sehr viel zu erwarten.

12.08.2012 - 11:04 Uhr

Ich würde gerne Näheres über diesen...

von Johann Spörrer

... Knorpelaufbau erfahren und wer solches praktiziert.

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 14.08.2012
Dr. med. Wolfgang Franz

Was meinen Sie mit "diesem Knorpelaufbau", das gleiche wie Fr. Stockheim oder ein anderes Verfahren?

14.07.2012 - 18:04 Uhr

Ich würde gerne nähere Informationen über die...

von Margret Stockheim

... Verwendung von künstlichem Knorpel haben. Besten Dank Margret Stockheim

Dr. Franz

Antwort vom Autor am 17.07.2012
Dr. med. Wolfgang Franz

Künstlicher Knorpel hat sich nicht durchsetzen können. Es gab mal ein Produkt namens SaluCartilage, verschiedene Probleme haben aber eine weitere Verbreitung eingeschränkt.


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