Wie kommt es zur Übersäuerung des Körpers? (Teil1)

Dr. Krapf

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©Andrey Popov - fotoliaErschöpfungszustand kann auf eine Übersäuerung des Körpers hinweisen. (©Andrey Popov - fotolia)

Bedeutung des Säure-Basen-Gleichgewichts bei Arthrose, Arthritis, Rheuma und Osteoporose

Leiden Sie unter Muskel- und Gliederschmerzen? Leiden Sie unter Osteoporose? Sind Sie erschöpft und können sich nicht mehr konzentrieren? Ursache könnte eine Übersäuerung ihres Körpers sein, die prinzipiell alle Organe beinträchtigen kann.

Bereits im OSTEOPOROSE – MANUAL (Prof. Dr. med. Reiner Bartl und Prof. Dr. med. Christoph Bartl, 2004, Springer Verlag) heißt es: „unser Körper wird von Säuren überschwemmt, die entweder im Körper selbst gebildet (Milchsäure, Kohlensäure) oder über die Nahrung (Eiweiß, Zucker, Fette) im Übermaß zugeführt werden.

Unser Knochen beherbergt eine große Menge alkalischer Salze wie Kalzium, Kalium, Natrium und Magnesium, die sofort mobilisiert werden, um anflutende Säuren im Blut zu neutralisieren. Der Zusammenhang zwischen einem sauren pH-Wert und Osteoporose ist bekannt und wird in der Prävention der Osteoporose immer bedeutender. Neben den kalziumreichen Milchprodukten ist daher auch der Genuss von Gemüse und Obst zur Neutralisierung der Säure wichtig.“

Vor über 25 Jahren war das Wissen um die Bedeutung und die Vorgänge bezüglich des Säure-Basen-Haushaltes äußerst gering. Das hat sich grundlegend geändert.

Säure und Base: Was ist das?

Eine Säure ist eine Verbindung, die in der Lage ist Protonen an einen Reaktionspartner zu übertragen. Säuren reagieren mit sogenannten Basen unter Bildung von Wasser und Salzen. Eine Base ist somit das Gegenstück zu einer Säure und vermag diese zu neutralisieren. Wie stark eine Säure bzw. Base ist, gibt der pH-Wert wieder. Diese pH-Skala erstreckt sich von 1 bis 14.

Der saure Bereich erstreckt sich hierbei von 1 bis 7, der basische Bereich von über 7 bis 14.
1 heißt hierbei sehr sauer und 14 sehr basisch. (siehe Nahrungsmitteltabelle des IPEV Institut für Prävention und Ernährung, D-85737 Ismaning, PRAL Index)

Säure-Basen-Gleichgewicht

Ein Gleichgewicht an Säure und Basen ist die Voraussetzung für alle Stoffwechselfunktionen und somit die Grundvoraussetzung für den Erhalt unserer Gesundheit und entscheidend für die schnelle Genesung im Krankheitsfall. Der pH-Wert des menschlichen Blutes sollte zwischen 7,35 und 7,45 schwanken und damit im „schwach“ basischen Bereich liegen. Säuren, die von außen durch Nahrung zugeführt werden oder im Inneren unseres Körpers entstehen, müssen ausgeglichen werden.

Ein pH-Wert unter 7 bedeutet für den Menschen eine lebensbedrohliche Situation. Bei Schwerkranken droht der Säure-Basen-Wert des Blutes zu entgleisen. Deshalb wird er von den Intensivmedizinern regelmäßig ermittelt. Aber auch bei Gesunden führt eine unausgewogene Ernährung zur Übersäuerung. Unser Organismus versucht dieser drohenden Übersäuerung entgegenzuwirken. Um den Blut pH-Wert konstant zu halten, verbraucht er hierzu seine eigenen Basenreserven.

Als Puffersysteme stehen uns in erster Linie der Bikarbonat- und Hämoglobinpuffer zur Verfügung. Über 80%, in geringerem Maße der Eiweiß- und Phosphatpuffer. Die Säurebelastung lässt sich durch Selbstmessung des Urin-pH in etwa selbst ermitteln. Es handelt sich hierbei um keine exakte Messung, welche aber einen ungefähren Messwert für das Säure-Basen-Verhältnis angibt. Eine einmalige Messung ist aber nicht aussagekräftig, da der pH-Wert im Laufe des Tages Schwankungen unterliegt.

© joannawnuk_iStockUngesunde Lebensmittel wie Schokolade oder Fast Food zählen zu Säurebildern. (© joannawnuk_iStock)Industriekost trifft Steinzeitgenetik

Die heutige Ernährung in den Industrienationen hat sich erheblich geändert. Sie ist geprägt durch reichlichen Verzehr von Backwaren, Kuchen, Kekse, Süßigkeiten, Softdrinks, Fertigsoßen, Chips, Pizza und Pasta und reduziertem Genuss von Obst und Gemüse.

All das kannte der „Urmensch“ nicht. Für den „Urmenschen“ war die begrenzte Möglichkeit zur Basenbildung/ zum Ausgleich des Säure-Basen-Gleichgewichts ausreichend. Er kannte keinen Wein, kein Bier, keine Schokoriegel oder Zigaretten. Seine Basenproduktion war ausreichend.

Erst seit ca. 70 Jahren besteht die industrielle Erzeugung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln, die unsere “moderne“ Ernährung bestimmt. Genussmittel wie Alkohol und Nikotin, haben ebenfalls negative Auswirkungen auf unseren Körper, da bei ihrem Abbau vermehrt Säuren anfallen.

Eine Ernährung mit viel Fleisch führt zu einer erhöhten Säurebelastung. Aber auch Getreideprodukte zählen zu den Säurebildern. Gemüse und Obst beinhalten hingegen basenbildenden Mineralien, die zur Entlastung des Säure-Basen-Haushalts beitragen. Der Großteil unserer westlichen Ernährung besteht aus säurebildenden Lebensmitteln.

Empfohlen wird eine Ernährung, die zu 80 % aus basenbildenden und zu 20% aus säurebildenden Nahrungsmitteln bestehen sollte. Leider ist es bei unsere Ernährung eher umgekehrt. Schon mit einem Verhältnis von 50% säurebildenden zu 50 % basenbildenden Nahrungsmittel, wäre vielen Schmerzpatienten geholfen.

Übersäuerung durch Nahrungsmittel - schon früh bekannt

So war in der Ausgabe 20/ 21. Oktober 2006 der Ärztezeitung zu lesen, dass Frau Dr. med. Jutta Semler - seit Jahren erste Vorsitzende des Kuratoriums Knochengesundheit und damalige Chefärztin in der Abteilung für Stoffwechselerkrankungen am Immanuel-Krankenhaus in Berlin - bereits damals darauf hinwies: „Wird zu viel Milch getrunken, kann es zu einer Übersäuerung des Körpers und dadurch sogar zu einem gesteigerten Knochenabbau kommen.“

Ebenso erschien am 8. November 2006 in der Ärztezeitung als Tipp des Tages: „… zu viel Milch kann den Körper übersäuern und so sogar zu gesteigertem Knochenabbau führen.".

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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