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Osteoporose ist nicht heilbar! Alles über Symptome, Ursachen und Behandlungen

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
verfasst am

© psdesign1 - fotoliaOsteoprose führt dazu, dass Knochen stark an Festigkeit verlieren! Dadurch brechen sie leichter (© psdesign1 - fotolia)Osteoporose verursacht erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden, wenn schon typische Frakturen vorliegen. Lesen Sie hier, was bei Osteoporose passiert, welche Folgen drohen und wie Sie vorbeugen können.

Was ist Knochenschwund? Eine Definition

Osteoporose wird im Volksmund auch „Knochenentkalkung“ genannt. Genauer gesagt nehmen bei den Betroffenen Knochenmasse, -qualität und -festigkeit ab. Die Krankheit kann jeden Knochen befallen, am häufigsten sind aber die Wirbelsäule und die Gliedmaßen betroffen, wo Knochenbrüche schon bei kleinen Belastungen oder Verletzungen entstehen. Manchmal brechen die Knochen sogar ohne den geringsten Anlass.

Knochen: Geniale Körperstrukturen

Wussten Sie, dass Ihr Skelett aus 200 Knochen besteht? Knochen sind bemerkenswert gebaut: Sie tragen zwar viel Gewicht, sind aber leicht. Gleichzeitig sind sie elastisch, obwohl sie dank ihrer Festigkeit großen Belastungen standhalten. Das ist nur möglich, weil sie außen hart und fest und innen schwammig und biegsam sind.

Dahinter steckt eine geniale Materialauswahl, die aus elastischem Kollagen mit Kalzium- und Phosphateinlagerungen besteht. Dazwischen befinden sich die eigentlichen Knochenzellen, die Osteoblasten und die Osteoklasten. Die Osteoblasten bauen Knochensubstanz auf. Wenn sie abgenutzt ist, bauen die Osteklasten sie wieder ab. Bis zum 25. Lebensjahr überwiegt der Knochenaufbau – jetzt ist die Knochendichte am größten.

Ab dem 35. Lebensjahr wird mehr Knochen ab- als aufgebaut, so dass die Knochensubstanz jedes Jahr um 1 Prozent schwindet. Bei Frauen steigert sich der Knochenabbau nach den Wechseljahren, weil der Östrogenspiegel sinkt und die knochenstimulierende Östrogenwirkung ausbleibt. Darüber hinaus leiden Frauen viel öfter an Osteoporose als Männer, weil sie weniger Knochenmasse und kleinere Knochen haben. Ungefähr 30 Prozent aller Frauen im Alter über 50 Jahren sind von dieser Krankheit betroffen.

Ursachen meist nicht erkennbar

Rund 95 Prozent der Patienten leiden unter einer primäre Osteoporose, die ohne erkennbare Ursache auftritt. Folgende Formen sind bekannt:

  • jugendliche Osteoporose
  • Osteoporose des Erwachsenen, die weiter unterteilt wird in:
    • die idiopathische kryptogenetische Osteoporose
    • die senile Osteoporose

Die sekundäre Osteoporose ist auf klar definierte Ursachen zurückzuführen, wie zum Beispiel:

  • Hormonproduktionsstörungen, wie Sexualhormonmangel, Überschuss des Hormons Kortisol oder Überfunktion der Schilddrüse
  • Nahrungsaufnahme- oder Verdauungsstörungen
  • Störungen des Knochenstoffwechsels wegen chronischen Nierenerkrankungen
  • Bewegungsunfähigkeit
  • entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn oder chronische Polyarthritis
  • Knochenmarkstumoren

© gbh007_iStockBesonders schlanke und untergewichtige Frauen sind häufig von Osteoporose betroffen (© gbh007_iStock)Risikofaktoren und Risikotest für zu Hause

Typische Risikofaktoren

Übergewichtige Menschen werden ständig gewarnt, dass sie von allen möglichen Krankheiten bedroht sind. Osteoporose ist eine Ausnahme! Sie befällt eher schlanke, häufig auch untergewichtige Frauen. Aber Osteoporose ist kein Schicksal: Viel Bewegung stimuliert die Knochen und kann Osteoporose vorbeugen.

Die Risikofaktoren für Osteoporose sind:

  • Weibliches Geschlecht
  • Alter über 50 Jahre
  • Osteoporose in der Familie
  • frühzeitig niedriger Östrogenmangel oder Überfunktion der Schilddrüse
  • langfristige Einnahme von Kortison oder von Medikamenten gegen Epilepsie oder Diabetes
  • chronische Polyarthritis, auch rheumatoide Arthritis genannt
  • zu wenig Milch und Milchprodukte und Vitamin-D-Mangel
  • BMI < 18,5 kg/m2
  • Rauchen und übermäßiger Konsum von Alkohol, Kaffee oder Cola
  • Bewegungsmangel

Der Osteoporose-Risikotest

Ob Sie ein hohes Osteoporoserisiko haben, verrät ein Test, der folgende Fragen enthält:

  • Sind Sie männlich oder weiblich?
  • Wie alt sind Sie?
  • Liegt Ihr BMI unter 18,5 kg/m2?
  • Wurde bei Ihrem Vater oder Ihrer Mutter Osteoporose diagnostiziert oder hatte einer ihrer Eltern einen Knochenbruch nach einem leichten Sturz aus Körperhöhe oder niedriger?
  • Hat Ihre Menstruation jemals länger als 12 Monate ausgesetzt, unabhängig von einer Schwangerschaft, oder wurde Ihre Gebärmutter entfernt?
  • Nehmen Sie schon länger als 3 Monate Kortikosteroide, Antiepileptika oder orale Antidiabetika aus der Gruppe der Glitazone?
  • Wurde bei Ihnen eine Überfunktion der Schilddrüse festgestellt?
  • Wurde bei Ihnen eine chronische Polyarthritis, auch Rheumatoide Arthritis genannt, diagnostiziert?
  • Rauchen Sie zurzeit oder haben Sie in der Vergangenheit geraucht?
  • Trinken Sie regelmäßig größere Mengen Alkohol, zum Beispiel täglich mehr als 0,5 Liter Bier, mehr als ein Viertel Liter Wein oder mehr als 2 kleine Gläser Schnaps?
  • Bewegen Sie sich am Tag weniger als 30 Minuten (Hausarbeit, Gartenarbeit, Spazieren, Joggen, etc.)?
  • Meiden Sie Milch und Milchprodukte, ohne eine Kalzium-Ergänzungspräparat zu nehmen?
  • Verbringen Sie täglich weniger als 10 Minuten im Freien, ohne ein Vitamin-D-Ergänzungspräparat zu nehmen?

Symptome ab dem ersten Knochenbruch

Die Krankheit verläuft Jahrzehnte lang symptomlos - bis der erste Knochen bricht. Danach verursacht die nun manifest gewordene Osteoporose dauernd Schmerzen, besonders wenn Wirbelkörper gebrochen sind. Die Körpergröße vermindert sich und die Patienten ,,schrumpfen‘‘.

Dennoch kann die Osteoporose dank der Messung der Knochendichte, die zusätzlich Informationen über die Stadien der Erkrankung gibt, Jahrzehnte vor dem ersten Knochenbruch erkannt werden.

Diagnose: Messung der Knochendichte

Sind auf dem Röntgenbild die für die Osteoporose typischen Wirbelkörperdeformierungen zu sehen, ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten und 30 Prozent der Knochenmasse ist verloren. In der fortgeschrittenen Phase können die Rippen schon beim Husten brechen.

Die Knochendichtemessung erlaubt es allerdings, Osteoporose in frühen Stadien zu erkennen, indem der durchschnittliche Knochenmineralgehalt festgestellt wird. Liegt er in mehr als 2.5 Standardabweichungen unter dem Normalwert, handelt es sich schon um klinische Osteoporose im ersten Stadium und es wird höchste Zeit, mit der Therapie zu beginnen.

Die Stadien der Osteoporose

  • Im Stadium 0, auch Osteopenie genannt, ist der Knochenmineralgehalt auf Werte von -1,0 bis -2,5 gesunken, ohne dass Knochenbrüche vorliegen. Es handelt sich um eine beginnende Osteoporose.
  • Im Stadium 1 liegt der Knochenmineralgehalt unter -2,5.
  • Im 2. Stadium ist nicht nur der Knochenmineralgehalt niedriger, sondern es gibt schon bis zu 3 Wirbelknochenbrüche.
  • Im Stadium 3, der fortgeschrittene Osteoporose, kommen noch mehr Wirbelbrüche und weitere Knochenbrüche in anderen Bereichen dazu, wie zum Beispiel am Oberschenkelhals.

Die Knochendichtemessung ermöglicht in den Stadien 0 und 1 auch die Einschätzung des 10-Jahres-Konchenbruchrisikos. Ist das Risiko höher als 20 %, muss die Patientin mit der Therapie beginnen.

© JanMika_iStockMedikamente können den Fortschritt der Krankheit eindämmen (© JanMika_iStock)Medikamente verzögern den Krankheitsfortschritt

Osteoporose ist nicht 100-prozentig heilbar, denn man kann aus einem dünnen Knochen keinen dicken mehr machen. Es gibt aber viele Möglichkeiten, den Verlauf der Erkrankung deutlich zu verzögern, insbesondere wenn die Therapie im Frühstadium beginnt. So halten Sie das Risiko für Knochenbrüche so niedrig wie möglich und behalten eine gute Lebensqualität.

Ziele der Therapie sind, die Schmerzen zu lindern, die Verschlechterung des Knochenschwunds aufzuhalten und das Risiko von Knochenbrüchen zu vermindern.

Folgende Medikamente werden zur Behandlung eingesetzt:

  • Genug Kalziumund Vitamin D aufzunehmen, ist die Basistherapie für die Stärkung des Knochenaufbaus. Vitamin D fördert die Aufnahme und den Einbau von Kalzium in den Knochen.
  • Bisphosphonate sind chemische Verbindungen, die über zweiPhosphonat-Gruppen verfügen. Die Osteoklasten, die Knochen abbauen, nehmen Bisphosphonate auf, was ihre Lebensdauer verkürzt. Verringert sich ihre Zahl, wird der Knochenabbau gehemmt.
  • Raloxifen und Bazedoxifen sind Substanzen, die sich gern an Östrogenrezeptoren binden. Dadurch hemmen sie den Knochenabbau und vermindern auch Kalziumverluste über die Nieren.
  • Das Parathormon und sein Analog Teriparatid verhindern die Ausscheidung von Kalzium durch die Niere und fördern die Bildung von Vitamin D, so dass Kalzium aus dem Darm aufgenommen werden kann. Dadurch stärken die beiden Substanzen den Knochenaufbau.
  • Das Strontiumranelat trägt bei, dass das Element Strontium in die Knochen eingelagert wird. Strontium stärkt die Knochensubstanz, wie das Kalzium, hemmt den Knochenabbau und steigert gleichzeitig den Knochenaufbau.
  • Östrogene werden eingeschränkt bei Osteoporose eingesetzt, weil sie das Risiko für Schlaganfälle, Thrombosen und Brustkrebs erhöhen.
  • Denosumab hemmt ein Protein, das Signale von Osteoblasten zu Osteklasten überträgt und Vorläuferzellen in Osteoklasten verwandelt. Es handelt sich um ein neues Medikament, das im Jahr 2010 zugelassen wurde und das einmal halbjährlich als Spritze verabreicht wird.

Bei einer sekundären Osteoporose gilt es zu Beginn, die Ursache so gut wie möglich zu behandeln.

Auch eine OP ist möglich, wenn gebrochene Wirbelkörper trotz 3-monatiger medikamentöser Therapie noch immer stark schmerzen. Dabei baut der Arzt eine Art Knochenzement in die gebrochenen Wirbelkörper ein, manchmal nachdem er die Wirbelkörper mit einem kleinen Ballon ausdehnt, was zur Stabilisierung der Wirbelsäule führt.

Was Sie selbst tun können

Folgende Vorsichtsmaßnahmen helfen Ihnen, Knochenbrüche zu vermeiden und mit der Erkrankung besser zurechtzukommen:

  • Heben Sie keine schweren Gegenstände.
  • Machen Sie Ihr Zuhause sicher: Bringen Sie Halterungen in der Badewanne oder Dusche und Geländer an den Treppenaufgängen an und sorgen Sie dafür, dass beispielsweise durch Teppiche keine Unebenheiten am Fußboden entstehen. Achten Sie auch auf eine gute Beleuchtung.
  • Tragen Sie immer rutschfeste Schuhe, lassen Sie Ihre Sehstörungen korrigieren und tragen Sie Hüftprotektoren unter der Kleidung – niemand wird es merken.
  • Gehen Sie zur Physiotherapie und vernachlässigen Sie Ihre Bewegungsübungen nicht, um Ihre Muskeln zu stärken.
  • Schließen Sie sich einem Selbsthilfeverband

© Igor Mojzes - fotoliaMit einer gesunden Ernährung können Sie Ihre Knochen stärken und festigen (© Igor Mojzes - fotolia)So beugen Sie vor

Die Vorbeugung der Osteoporose beruht auf der richtigen Ernährung und auf regelmäßiger Bewegung.

Für Ihre Knochengesundheit sollten Sie täglich 800 bis 1000 Mikrogramm Kalzium zu sich nehmen und 20 bis 25 Mikrogramm Vitamin D. Das Vitamin unterstützt die Aufnahme des Kalziums und seinen Einbau in die Knochen. Es kommt in Fisch, Fleisch, Milch und Eiern vor. Für die Aktivierung des Vitamins sind UV-Sonnenstrahlen wichtig.   

Milch und Milchprodukte, grüne Gemüsesorten wie Grünkohl und Broccoli sowie Samen und Nüsse enthalten viel Kalzium. Alternativ gibt es Kalzium- und Vitamin-D-Präparate, die den Knochenaufbau unterstützen. Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Genuss von Alkohol, Kaffee und Cola sowie Untergewicht.

Bewegen Sie sich! Körperliche Bewegung fördert den Knochenaufbau, weil jede Krafteinwirkung auf das Skelett den Knochen signalisiert, dass sie erneuter Belastung standhalten müssen, was die Osteoblasten zum Arbeiten stimuliert. Das ist die natürlichste Maßnahme gegen Osteoporose.

Fazit

Die Osteoporose schleicht sich unauffällig in die Knochen und macht sich erst bemerkbar, wenn die Knochensubstanz so schwach geworden ist, dass Knochen ohne Grund einfach brechen. Besonders gefährdet sind untergewichtige Frauen, die nicht genug Bewegung in ihren Alltag einbauen. Die Messung der Knochendichte hilft, die symptomlose Erkrankung frühzeitig zu entdecken und zu behandeln. Es gibt mehrere Medikamente, die gegensteuern, dennoch ist es gar nicht nötig, es so weit kommen zu lassen. Mit der richtigen Ernährung und Bewegung, am besten schon in jungen Jahren, können Sie Osteoporose und ihre schmerzhaften Auswirkungen vorbeugen.

Links

Kuratorium Knochengesundheit
Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose
Netzwerk Osteoporose
Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
www.orthinform.de - Patienteninformationsportal des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie

Quellen

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


05.07.2018 - 10:05 Uhr

Hallo, bei meinem Lebensgefährten wurde Anfang...

von Margarete K.

... April ein Wirbelbruch festgestellt. Er wurde operiert und auch versteift (OP Nr. 10). Der Arzt vermutete als Grund Osteoporose. Wurde aber nicht weiter abgeklärt. Nun hat mein Partner zunehmend starke Schmerzen, kann nicht mehr als 2 Meter gehen, stolpert und gibt den Anschein, als hätte er getrunken. Oxycodon hilft nicht mehr gegen die Schmerzen. Auch bemerke ich einen leichten sogenannten Witwenbuckel bei ihm. Er ist sehr viel kleiner geworden, denkbar durch die vielen WS OP. Das Gewicht beträgt z.Zt. 54 KG bei einer Größe von 167. Heute haben wir nun erneut einen Termin bei dem Arzt, der ihn auch schon operierte. Ich möchte den Arzt auf meine Vermutung ansprechen, denn MRT und CT ist unauffällig. Möchte aber keine "besserwissende" Angehörige eines Patienten sein. Was meinen Sie? Herzlichen Dank für Ihre Antwort Margarete K.

24.03.2018 - 16:13 Uhr

Seid 6 Monaten habe ich starke Schmerzen an Hüfte...

von Sonja W.

... und Oberschenkel,aber kein Bruch.Es war schon so schlimm dass ich den Notarzt rufen wollte. Jetzt nehme ich Alendronsäure und starke Schmerz Tabletten plus Tropfen. Es hat sich nur etwas gebessert.


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