Wenn die Schulter nachts schmerzt

Oft werden Schulterschmerzen hauptsächlich beim oder nach dem Schlafen schlimmer (© fotolia - Andrey Popov)

Viele Menschen kennen es: Man wacht plötzlich nachts auf, weil die Schulter schmerzt. Auf einer Seite zu liegen, ist nicht mehr möglich. Doch was steckt eigentlich hinter dem nächtlichen Schulterschmerz? Was hilft dagegen?

Ursachen für nächtlichen Schulterschmerz

In den meisten Fällen liegt die Ursache in einer Entzündung der Strukturen, die sich unter dem Schulterdach befinden. Dazu gehören die Sehnen und der Schleimbeutel, der eine Art Pufferfunktion hat.

Durch eine Schwäche der den Oberarmkopf umgebenden Muskulatur, der sogenannten Rotatorenmanschette, steigt der Oberarmkopf langsam hoch. Deshalb verengt sich der Raum unter dem Schulterdach weiter.

Genau in diesem Raum unter dem Schulterdach befinden sich die Sehnen der schulterstabilisierenden Muskulatur und der Schleimbeutel. Es kommt durch den eingeengten Raum zur Irritation der Sehnen oder Schleimbeutel und schließlich zur Entzündung.

Wenn die Schulter tagsüber ständig bewegt wird und mit ausreichend Blut und Gelenkschmiere versorgt wird, ist die Entzündung oftmals gering. Das liegt daran, dass die entzündlichen Botenstoffe mit dem Blutstrom wegtransportiert werden.

Nachts, also in Ruhe, fehlt diese Durchblutung und die entzündlichen Botenstoffe bleiben an Ort und Stelle, nämlich in der Schulter. Die Schulter fängt an zu schmerzen.

Verantwortlich für eine starke Schmerzzunahme ist häufig eine ungewohnte Belastung oder Überlastung, z.B. Fensterputzen oder Wändestreichen.

Was Sie selbst tun können

Legen Sie den betroffenen Arm in der Rückenlage auf ein Kissen, um den Raum unter dem Schulterdach zu erweitern.

Die Belastung des betroffenen Armes sollte tagsüber konsequent reduziert werden. Je nach Berufsbild können auch ein Paar Tage Krankschreibung sinnvoll sein.

Unterstützend empfiehlt sich eine Einreibung der Schulter mit durchblutungssteigernden Salben (z.B. Pferdebalsam). Hilfreich ist auch die Einnahme von Enzympräparaten, Omega-3-Fettsäuren, Teufelskralle und Curcumin.

Stechende Schmerzen nur maximal 7 Tage mit Schmerzmitteln behandeln! (© JanMika_iStock)
Sollte nur eine unzureichende Beschwerdebesserung eintreten, empfiehlt sich die Einnahme eines antientzündlichen Medikamentes in entsprechender Dosierung (z.B. Ibuprofen 400, freiverkäuflich, 3-4-mal täglich) für 3-7 Tage.

Wenn weiterhin starke Schmerzen in der Schulter bestehen, sollte man einen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie aufsuchen.


So stellt der Arzt die Diagnose

Der Arzt wird neben der klinischen Untersuchung eine Röntgen- und Ultraschalluntersuchung der Schulter durchführen.

In der Röntgenuntersuchung beurteilt der Orthopäde, ob eine Arthrose vorliegt, wie stark der Raum unter dem Schulterdach eingeengt ist und ob eine Kalkschulter vorliegt. In der Ultraschalluntersuchung untersucht der Orthopäde den Sehnenapparat. Er schaut nach, ob ein Sehnenriss vorliegt und welche Strukturen von der Entzündung betroffen sind.

Kortisonspritzen, Hyaluronsäure, Laser und Eigenblut

Häufig ist eine Injektionstherapie der Schulter erforderlich. Dabei wird ein Lokalanästhetikum-Kortison-Gemisch in den Raum unter das Schulterdach gespritzt, um die Entzündung zu beseitigen. Dabei sollten maximal 3 Spritzen gegeben werden, da Kortison die Sehnen austrocknet und mittel- bis langfristig zu einer Rissbildung führen kann.

Die Alternative ist die Injektion eines Hyaluronsäurepräparats (Sehnen- und Gelenkschmiere). Plättchenreiches Plasma ist auch eine Möglichkeit. PRP trägt heilungsanregende und antientzündliche Wachstumsfaktoren des eigenen Blutes. Beide Behandlungen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung allerdings nicht.

Möchte der Patient keine Injektion in die Schulter, können fokussierte Stoßwellen oder hochenergetische LASER-Strahlung zum Einsatz kommen. Beide physikalische Methoden steigern maximal die Durchblutung in der Tiefe der Schulter, regenerieren das Gewebe und lassen die Entzündung abklingen. Auch diese Behandlung tragen die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht.

Krankengymnastik hilft, Schmerzen in Schulter und Oberarm vorzubeugen (© fotolia - contrastwerkstatt)
Begleitend sollte immer eine krankengymnastische Übungsbehandlung durchgeführt werden, um die oberarmkopfstabilisierende Muskulatur zu kräftigen und den Raum unter dem Schulterdach zu erweitern. So lassen sich neuen Entzündungsreaktionen dauerhaft vorbeugen.

Operation als letzte Alternative

In seltenen Fällen treten durch die oben genannten Methoden keine Besserung ein. Dann steht eine Operation der Schulter zur Diskussion. Vor der OP sind eine Ultraschalluntersuchung und ein MRT, d.h. eine Schnittbildgebung erforderlich. Sie ist noch etwas sensitiver für Sehnenrisse.

Bei der sogenannten subacromialen arthroskopischen Dekompression wird in Schlüssellochtechnik der Raum unter dem Schulterdach erweitert. Dafür schleift der Arzt 3-4 mm Knochen mit einer Hochfrequenzturbine ab und entfernt den Schleimbeutel. Jetzt können die Sehnen wieder uneingeschränkt laufen und die Entzündung kann dauerhaft abklingen. Sollte ein Sehnenriss vorliegen, wird er zeitgleich versorgt.

Ich wünsche Ihnen eine schmerzfreie Zeit!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 153

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (13)

Renate G., 08.10.2021 - 07:16 Uhr

Der Artikel war hilfreich!! Habe Probleme mit der rechten Schulter, genau wie beschrieben nachts am meisten! Man kommt noch nicht mal als Schmerzpatient zur Behandlung in Nähe eines Artztes!

Gabriele P., 24.09.2021 - 23:31 Uhr

Warum zahlen die Krankenkassen die Alternativbehandlungen nicht, wenn sie hilfreich sind?

Edelgard F., 23.09.2021 - 18:37 Uhr

War sehr informierend und hilfreich. Welches Enzympräparat würden sie empfehlen. Von einem Mittel mit einer Kombination aus drei natürlichen Enzymen (Bromelain, Rutosid und Trypsin) habe ich schon vier Monate lang täglich 10 Stück genommen, ohne großen Erfolg. Ich habe jetzt eine Kortisonspritze unter das Schulterdach bekommen, da ich u.a. eine Kalkschulter habe. Die KGs und Massagen haben alles noch schlimmer gemacht. LG Edelgard

Sigurd D., 28.03.2021 - 10:11 Uhr

Danke für Ihren Beitrag. Trifft genau mein Schmerzproblem. Vor allem in der Nacht ist ein durchschlafen unmöglich.Beide Schulter-und Armprobleme sind betroffen bis in die Fingerspitzen. Am Tage ist die Situatio besser aber ein kribbeln in den Händen bleibt. Facharzt verweist immer auf Fisioterapia die aber nur momentane Erleichterung bringt Salben wie Teufelskralle etc.morgens und Abends sind auch keine Lösung. Gymnastik am Vormittag bringt Erleichterung. Habe jetzt 86 Jahre auf dem Rûcken.

Eduard K., 24.03.2021 - 19:39 Uhr

Gute Anweisungen, ich habe seit einigen Wochen nachts sehr starke Schulterschmerzen, nehme aber ab und zu eine Ibuprofen600 Tablette, hilft nachts weniger, tagsüber aber sehr gut. Habe ein Schultermassagegürtel den man umhängt und mit den Händen einhängt, ist das gut? Wenn ja wie lange und wie oft bei Tag? Danke für eine Nachricht. Wie gesagt, tagsüber geht es, nachts wird es schlimm! Danke und bleiben Sie gesund Eduard K.

Matthias R., 01.03.2021 - 19:01 Uhr

Ich hatte vor 7 Wochen eine Schulter Spiegelung. Alles war ok. Dann habe ich nach 4 Wochen einmal kurz vor der Tür gefegt. Jetzt habe ich seit 2Wochen viel Wasser Ansammlung im und um den Schulterbereich. Was kann ich tun?

Gorden, 12.01.2021 - 01:27 Uhr

Ich habe jetzt seit vier Monaten Schmerzen und nehme täglich Tabletten, Heute war mein 2. Mal MRT und es scheint eine Knochenzyste in der Schulter zu sein, hatte das jemand schonmal und kann mir jemand sagen ob es nach der Operation besser wird? Bin gerade erst 16 und bin in allem eingeschränkt da es die rechte Schulter ist

Dieter R., 24.04.2020 - 23:48 Uhr

Schmerzen in der linken Schulter werden unerträglicher. Bereits 2x operiert.

Christine H., 10.12.2018 - 09:12 Uhr

Hallo, vor zwei Wochen unterzog ich mich einer OP (Athroskopie) wegen einer Kalkschulter, links. Vor drei Jahren einer OP am rechten Arm (an der rechten Schulter). Nach der OP nachts höllische Schmerzen. Rechts dauerten sie ca. 1/2 Jahr an. Die Ärzte sagten, nach der A. wären die Schmerzen nicht so schlimm. Ich nehme Ibuprofen 2 x täglich und nachts Tilidin. Keine Nacht verläuft schmerzlos. Hat jemand Erfahrung mit der Strahlentherapie zur Schmerzbekämpfung? MfG, Christine

Markus P., 04.12.2018 - 02:13 Uhr

Ich habe einen Abriss der Subraspinatussehne! Ein MRT wurde gemacht! Der Arzt riet mir von einer OP ab! Schmerzen hatte ich keine! Doch die letzten Wochen fing es an, dass ich Schmerzen bekam! Kann das sein dass das Krankheitsbild sich verschlimmert? Ein zweites MRT steht an!

Hans-Joachim H., 11.11.2018 - 14:19 Uhr

Vielen Dank, das beschreibt genau mein Problem.

Gunter F., 12.10.2018 - 11:40 Uhr

Auch 1943. Unbedingt röntgen Aufnahme Schultergelenk und darauf MRT Zustand der rotatorenmanschette Einrisse Abrisse ausschließen! Bei Einrissen und abreißen der subraspinatus infraspinatus und Schulterdachenge häufige Schmerzursachen. Massage bringt nichts. Bei abreißen hilft nur eine OP. Selbst wurde ich vor 4 Tagen operiert. Ich gehe nur zu adroskopisch arbeitenden Chirurgen. Gunter

Sieglinde, 23.09.2018 - 14:27 Uhr

Habe seid 6 Monaten starke Arm-Schulterschmerzen. Bekommen habe ich Schmerztabletten u. Masage. Bisher keine Besserung. Was kann ich noch tun? Vielen Dank. S. S., geb.1943

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?