Woher kommen die Rückenschmerzen? Der Piriformis-Muskel als Ursache von Ischias

Dr. Sigg

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©fotolia- MonetDie Ursachen für Schmerzen im unteren Rückenbereich können sehr vielseitig sein (©fotolia- Monet)Tiefe Rückenschmerzen mit Ischias müssen nicht unbedingt etwas mit der Bandscheibe und den Nervenwurzeln im Spinalkanal zu tun haben.

Wie entstehen die Schmerzen?

Auch eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche kann die Faszien des Kreuzdarmbeingelenkes schon recht früh lockern und zu Bandscheibenschäden und instabilen Lendenwirbeln führen.

Ein ungünstiger Lebensstil, mit zu häufigem, zu langem Sitzen und fehlender Bewegung überlasten die Bandscheiben und Kreuzdarmbeingelenke zusätzlich, lassen die Faszien verkleben und so bereits in den mittleren Jahren schmerzhaft lockern.

Lendenwirbel, Bandscheiben, Faszien, Kreuzbein und Kreuzdarmbeingelenke bilden eine komplexe Einheit. Wenn auch nur eine dieser anatomischen Strukturen geschwächt ist, kann es rasch zu einer unheilvollen Kettenreaktion kommen. Es entstehen innere Reizquellen, die durch Übungen nur schwer und nur mit strenger Konsequenz zumindest teilweise wieder in den Griff zu bekommen sind. Faszien-Rollen und manche Chiropraktik führen leider häufig sogar zu zusätzlichen Instabilitäten und Überreizungen.

Welche Therapien können helfen?

Die Dorn-Methode und sanfte Osteopathie-Techniken können mithelfen, die tiefen Faszien und die inneren, dem menschlichen Willen nicht frei zugänglichen Muskeln rund um das Kreuzbein zumindest teilweise zu beruhigen. Die eigentlichen Garanten für eine biologisch harmonische innere Stabilität von Hüfte und unterem Rücken sind neben den möglichst intakten Bandscheiben aber letztlich nur die tiefen Faszien und die Core-Muskeln Piriformis und Iliopsoas.

Die tiefen Faszien und Core-Muskeln werden durch spezielle Nervenquellknoten kontrolliert. Diese kleinen Nervenzentren steuern maßgeblich die Harmonie im Becken und im unteren Bauchraum.

Wenn es in Ihnen zu „Übersteuerungen“ kommt, sind äußerst schmerzhafte tiefe Muskelkrämpfe und -verhärtungen mit Quetschungen des daumendicken Ischias-Nervs an seiner Austrittsstelle tief im Gesäß die Folge. Es kommt zu Ischias-Schmerzen mit schmerzhaften Ausstrahlungen und Kribbelgefühlen in den Beinen und Füßen. Eine Bandscheiben-OP bei zufälligem gleichzeitigem Bandscheibenvorfall ist dann meist nicht nur unnötig, sondern sogar eher ziemlich nachteilig.

©WavebreakmediaMicro - fotoliaWenn die Faszien beschädigt sind, ist es sehr schwer, sie nur mit Übungen wieder zu beruhigen (©WavebreakmediaMicro - fotolia)Wie aber kann man das Iliosakralgelenk mit seinen Faszien und dem Piriformis wieder beruhigen? 

Der Piriformis, der Iliopsoas und die tiefen Faszien rund um das Kreuzbein und Steißbein erfordern eine ganz besonders gefühlvolle und umsichtige Hand. Dosierte Heilimpulse, auch durch eine Stoßwellen ESWT, Low-Level-Laser-Therapie LLLT und sensomotorisch stimulierendes Walking nach einer 4D-Motionanalysis sollten erwogen werden.

In schweren Fällen kann eine gezielt bildgesteuerte kleinste Dosis eines Botulinumtoxins, z.B. Botox oder Dysport, den Piriformis-Spasmus lange anhaltend beenden. Viele Patientinnen und Patienten finden damit ihr Wohlbefinden in Becken, Hüfte und Oberschenkeln wieder.

Wichtig ist jedoch auch, dass die Ilioskralfuge beruhigt wird. Dazu werden gezielt kleine Mengen eines Biococktails, der das Iliosakralgelenk und seine Nervenquellknoten beruhigt, eingebracht. Außerdem wird dosiertes sensomotorisches Training der inneren Stabilisatoren durchgeführt.

Eine weitere, ganz besonders effektive Methode ist die gezielte, endoskopisch kontrollierte Neurolyse, bei der der Nerv gezielt befreit und der damit verbundene Druck beseitigt wird. Zusätzlich kann eine Neuromodulation der Nervenquellknoten der iliosakralen Knochenspalte durchgeführt werden.

Sämtliche Verfahren benötigen aber eine konsequente spezielle Nachbehandlung. In recht seltenen Fällen muss auch an eine chirurgische iliosakrale Fusion des Kreuzbeins mit den Darmbeinen gedacht werden, um eine weitere Chronifizierung des iliosakralen Piriformis-Syndroms mit Ischias-Dauerschmerzen zu vermeiden. Und auch hier ist die intensive sensomotorische Rehabilitation des Piriformis-Muskels, des Iliopsoas-Muskels und des tiefen Faszien-Komplexes des unteren Rückens und der inneren, iliosakralen Hüfte absolut notwendig, um ihre belastbare Geschmeidigkeit zu erhalten.

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