Morbus Scheuermann

Dr. Merettig - Privatpraxis
© Peter Atkins - Fotolia.com© Peter Atkins - Fotolia.comIm allgemeinen Sprachgebrauch wird Morbus Scheuermann auch "Rundrücken" oder "Lehrlingsbuckel" genannt. Es handelt sich um eine im Jugendalter auftretende Wachstumsstörung im Bereich der Grund- und Deckplatten der Brust- und/oder Lendenwirbelsäule mit vermehrter Rundrückenbildung (juvenile Kyphose). Die Ursache der Scheuermann-Erkrankung ist nicht bekannt. Eine familiäre Häufung mit autosomal dominantem Erbgang wird angegeben. Mechanische und genetische Faktoren mit einer Minderbelastbarkeit der Wirbelkörper, Veränderungen der Wirbelkörperrandleisten, Vitaminmangel und so weiter können eine Rolle spielen. Bandscheibenvorwölbungen in die spongiösen Wirbelkörperanteile (Schmorl´sche Knötchen) sind die typischen Zeichen der Erkrankung im Röntgenbild (siehe Graphik). Schwere Krankheitsverläufe sind zwar selten, sie können jedoch eine Keilwirbelbildung zur Folge haben.

Zehn Prozent der Gesamtbevölkerung sind betroffen. Der Morbus Scheuermann ist die häufigste Erkrankung im Jugendalter (20 Prozent). Erste körperliche Beschwerden können schon ab dem zehnten Lebensjahr auftreten. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr. Das Geschlechtsverhältnis männlich zu weiblich beträgt 2:1. Die krankheitstypischen Veränderungen an den Wirbeln sind zum Wachstumsende stabilisiert. Weitere Schmerzsyndrome durch die Wirbelsäulenfehlstellung können auch später noch auftreten.

© Dr. med. Christian Merettig© Dr. med. Christian MerettigTherapie: Krankengymnastik und Manuelle Therapie zur Stärkung der Rückenmuskulatur und zum Erhalt der Beweglichkeit der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte. Weitere Maßnahmen sind Wärmeanwendungen (Heißluft, Rotlicht, Fango), Massagen, Elektrotherapie, TENS oder auch Akupunktur. Begleitende medikamentöse Behandlung sind Muskelrelaxantien und entzündungshemmende Schmerzmittel. Überbelastungen im Bereich der Wirbelsäule müssen beseitigt werden. Berufsberatung kann notwendig sein. Keine Ausübung schwerer körperlicher Tätigkeiten, kein schweres Heben oder Tragen von Lasten! Begleitende Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, Training der Bauch- und Rückenmuskulatur, regelmäßige sportliche Aktivität (Fitness, Gymnastik, Rückenschule, Schwimmen, etc.) sind empfehlenswert.

Prognose: Der Verlauf der Erkrankung ist gutartig, schwere Verlaufsformen sind selten. Nur bei schweren Verläufen während der Pubertät ist manchmal eine Korsettversorgung (bei Krümmungen ab 45 Grad: Milwaukee-, Boston-Korsett) oder eine Operation (fixierte Kyphosen am knöchern ausgewachsenen Skelett ab einem Winkel von 60° Grad, Kombination einer ventralen Bandscheibenausräumung, Aufrichtung und Auffüllung der Bandscheibenräume durch eigenen Knochen mit einer dorsalen Stabilisierung) notwendig.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (4)


25.11.2017 - 22:48 Uhr

Ich leide an Morbus Scheuermann als Erwachsener....

von claus1966

... Ich trage zur zeit ein Korsett. Es hilft sehr gut. Ich werde aufgerichtet und die Krümmung ist sogar weniger geworden. Leider ist es nur ein CheneauKorsett. Inzwischen meint mein Orthopäde, dass ein Milwaukee Korsett sogar besser für mich wäre, weil eben die Krümmung sehr hoch ist. Ich wäre schon bereit den versuch einzugehen, leider stimmt die Kasse nicht zu. Ich finde es in unserem System einfach falsch, das jemanden, der bereit ist eine Behandlung zu 100% anzugehen sowas verweigert wird. Die OP würde sofort bezahlt werden. Ich finde es echt seltsam, weil ja teurer..

Dr. Merettig - Privatpraxis

Antwort vom Autor am 28.11.2017
Dr. med. Christian Merettig - Privatpraxis

Eine Behandlung mit einem Korsett ist nur bis zum Wachstumsende (max. 20 Lebensjahr) sinnvoll, danach nicht mehr. Vermutlich hat ihre Krankenkasse deshalb die Kosten auch nicht übernommen... Sprechen Sie mit ihrem behandelnden Orthopäden !

18.06.2012 - 13:32 Uhr

Die Ernährung hat keinen Einfluss auf den Morbus...

von Dr. Merettig

... Scheuermann. Eine Substitution mit Chondroitin und Glucosamin macht man bei Knorpelschäden in Gelenken.

Dr. Merettig - Privatpraxis

Antwort vom Autor am 08.09.2020
Dr. med. Christian Merettig - Privatpraxis

Vielen Dank.

15.06.2012 - 20:23 Uhr

Guten Tag Herr Dr. Merettig, zunächst einmal...

von Claus

... vielen Dank für den hilfreichen Beitrag. Auf http://gelenkschmerz-wissen.com/krankheitsbild/morbus-scheuermann/ habe ich gelesen, dass die Ernährung sowie die Substitution mit Chondroitin und Glucosamin gut sein soll. Was halten Sie davon? Soll ich das einmal ausprobieren? Vielen Dank - Claus

Dr. Merettig - Privatpraxis

Antwort vom Autor am 18.06.2012
Dr. med. Christian Merettig - Privatpraxis

Die Ernährung hat keinen Einfluss auf den Morbus Scheuermann. Eine Substitution mit Chondroitin und Glucosamin kann bei Knorpelschäden in Gelenken sinnvoll sein ! MfG Dr. Merettig

10.11.2011 - 20:13 Uhr

Gute und für jeden verständliche Aufklärung zu...

von Petra M.

... diesem Thema. Außerdem gibt es wichtige Hinweise,was man/frau selber dafür tun kann,um diese Leiden zu lindern.Man muss nicht immer gleich Medizin schlucken.

Dr. Merettig - Privatpraxis

Antwort vom Autor am 08.09.2020
Dr. med. Christian Merettig - Privatpraxis

Vielen Dank.


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