Lymphödem: Selbstcheck, Diagnostik, Therapie

Kompressionsbandagen und Kompressionsstrümpfe unterstützen durch den äußeren Druck den Abtransport der Lymphflüssigkeit (© tibanna79 - fotolia)

Das Lymphsystem ist der wichtigste Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Über das Lymphsystem werden vor allem Substanzen wie Eiweiß, Nahrungsfette, Zellen und Zelltrümmer, aber auch Krankheitserreger wie Bakterien und Viren aus dem Gewebe abtransportiert.

Neben dem Blutkreislauf hat es als dritte Säule des Gefäßsystems die Aufgabe, Flüssigkeit aus dem Gewebe abzutransportieren.

So funktioniert das Lymphgefäßsystem

Das Lymphgefäßsystem beginnt in der Peripherie der Extremitäten und fließt beispielsweise an den Unter- und Oberschenkeln an der Innenseite, wie eine Jeansnaht, bis zur Leiste, wo es zum ersten Mal in Lymphknoten mündet. Die Lymphknoten sind die Filterstationen und können dann zu einer Immunantwort des Körpers auf Eindringlinge führen.

Die Lymphe wird in größeren Lymphstämmen gesammelt und im linken wie rechten Halsbereich dem Venensystem wieder zugeführt. Wenn wir uns den Körper wie ein Ziffernblatt vorstellen, wird die Lymphe aus den Gebieten 12 Uhr bis 9 Uhr über den linken Halswinkel in das Venensystem abgeleitet, von 9 Uhr bis 12 Uhr in den rechten Halswinkel.

Somit ist auch nachvollziehbar, dass eine korrekte Manuelle Lymphdrainage am Hals beginnt.

 

Das leistet unser Lymphsystem

Im Lymphsystem werden normalerweise etwa 2 Liter Lymphflüssigkeit pro Tag transportiert. Diese Menge an Lymphflüssigkeit kann aber durchaus erheblich gesteigert werden. Neben Armen und Beinen können auch viele andere Regionen des Körpers betroffen sein (Gesicht, Hals, Rumpf, Genitalien).

Das Lymphödem als Symptom

Der Begriff Lymphödem beschreibt ein Symptom, nicht eine Diagnose. Es werden verschiedene Stadien unterschieden bis hin zur Elephantiasis, einer gigantischen Veränderung der betroffenen Extremität. Die angeborene Form ist eher selten.

Entwicklungsgeschichtlich bedingt fehlen hier Bereiche des Lymphgefäßsystems oder sind fehlerhaft angelegt. Das Lymphödem tritt eher als sekundäre Form im Rahmen einer Grunderkrankung auf (Tumore, nach Operationen mit Verletzung oder Entfernung von Lymphbahnen/Lymphknoten, Entzündungen, Parasitenbefall, Krampfaderleiden).


Ein Test zur Selbsteinschätzung

Ein Selbsttest kann bereits Orientierung geben (Punktzahl in Klammern):

  • Auftreten des Ödems: asymmetrisch (0) / symmetrisch (2)
  • Schmerzhaftes Druckempfinden: nein (0) / ja (2)
  • Blaue Flecken (Hämatome): nein (0) / ja (2)
  • Wundrose (Erysipel): häufig (1) / nein (0)
  • Vorhandene Schwellung an Fuß- und/ oder Handrücken: ja (1) / nein (0)
  • STEMMER-Zeichen: ja (1) / nein (0)

Drei Punkte sprechen für ein Lymphödem (asymmetrisch/Erysipel häufig/Schwellung an Fuß- oder Handrücken/STEMMER-Zeichen).

Korrekte Diagnose durch einen Phlebologen

Um eine korrekte Diagnose stellen zu können, sollten Sie einen Phlebologen aufsuchen. Der Phlebologe kann mit dem Ultraschall (Duplex) die Gefäße im Bein und die Lymphspalten darstellen.

Sieht er zwischen den Zellen viel Gewebeflüssigkeit (das sieht aus wie die Spalten zwischen grobem Kopfsteinpflaster) und sind die Arterien und Venen unauffällig, lässt sich das Lymphödem bestätigen.

Nun muss der Spezialist noch nach einer Ursache fahnden. Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) gilt beim Lymphödem als Therapie der Wahl: Mit der manuellen Lymphdrainage (MLD) wird die gestaute Lymphflüssigkeit in Richtung Bauch- und Brustraum befördert. Der Therapeut regt die Eigenbewegung der Lymphgefäße an. Damit wird der Transport der Lymphe begünstigt.

Bei der Maschinellen Lymphdrainage werden die Patienten beispielsweise in Beinstiefel gesetzt. Der Lymphtransport wird dann über die Manschetten, die über mehrere verschiedene Luftkammern verfügen, in Gang gesetzt.

Hautpflege, Kompressionsbandagen und Kompressionsstrümpfe unterstützen durch den äußeren Druck den Abtransport der Lymphflüssigkeit. Schwellungen können langsam zurückgeführt werden, Hautveränderungen und Wunden können abheilen. Regelmäßige Bewegung fördert den Lymphfluss und baut den Lymphstau ab.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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