Eheberatung und Paartherapie – was bringt’s?

Was kann eine Paartherapie bewirken und wie läuft sie ab? (© zinkevych - fotolia)

 Was bewirkt eigentlich Paarberatung?

Die Beliebtheit von Paartherapie und Eheberatung ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Warum? Sicherlich haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt. Schauen wir zunächst auf die Forschung, statt Mutmaßungen anzustellen. Nach einer Eheberatung oder Paartherapie sind Paare nämlich zufriedener (laut einer Studie von 1995, bestätigt 2011 von Kann und Hohlweg). Konkret benennt die Studie (wörtlich übernommen):

  • Partnerinnen und Partner tauschen sich klarer und häufiger über ihre Gefühle aus
  • Sie gehen allgemein offener als vor der Therapie miteinander um
  • Sie vertrauen sich stärker
  • Sie halten Vereinbarungen verbindlicher ein
  • Sie bewältigen ihre Probleme besser
  • Sie sind sexuell zufriedener
  • Sie kooperieren als Eltern besser miteinander.
  • Die Wirkung verstärkt sich sogar noch, wenn Paartherapie mit anderen Therapieformen kombiniert wird, wie z. B. Einzeltherapie bei einer depressiven Störung.

 

 Reicht eine Einzeltherapie nicht?

Paarberatung hilft bei Partnerschaftsproblemen besser, als wenn eine der beiden Hilfe sucht. „Insbesondere manche Männer würden von sich aus nicht eine Einzeltherapie aufsuchen, können jedoch von einer Paartherapie wesentlich profitieren“, erklärt der bekannte Psychologe Jörg Willi.

Wir betrachten die Probleme der Einzelnen nicht abgegrenzt vom Andern, sondern in einem Kreislauf von Ursache und Wirkung. Es besteht eine gegenseitige Abhängigkeit. Somit sind immer beide Partner am Entstehen von kritischen Situationen beteiligt.

Problematische Situationen werden im „Hier und Jetzt“ in den Sitzungen sichtbar. Im Unterschied zum „Drüber-Reden“ kann neues, alternatives Verhalten direkt im Kontakt miteinander ausprobiert und umgesetzt werden. Als kleines Beispiel mag das Erstgespräch dienen: Beide finden es sehr entlastend, dass die Beraterin strukturiert. Jeder und jedem wird die Möglichkeit eingeräumt, zu sprechen. Auf Allparteilichkeit wird größten Wert gelegt. Häufige Rückmeldungen am Ende der ersten Beratung lauten: „Ich freue mich, dass wir zum ersten Mal seit langem einander wieder zuhören konnten“.

 

 Warum suchen Paare Hilfe?

Paare kommen aus sehr unterschiedlichen Gründen und sie bringen sich sehr individuell in die psychologische Beratung ein. Allgemein kann man jedoch sagen, dass Konflikte in der Ehe oder Partnerschaft, die über einen längeren Zeitraum gehen, sowohl den Einzelnen stressen, als auch eine Folge von persönlichem Stress sind. Sowohl der Einzelne, als auch das Paar können diesen Stress nicht mehr genügend abfedern. Zahlreiche Versuche, das Problem zu lösen, die Krise zu meistern oder abzumildern, haben nicht dauerhaft gefruchtet. Das Gefühl, in einer Krise zu sein und nicht mehr weiter zu wissen, macht sich breit. Der Wunsch nach professioneller Unterstützung wächst.

Häufige Themen sind: problematische Kommunikation, Sexualprobleme, Rollenkonflikte, Affären, Aggression und Gewalt, unerfüllter Kinderwunsch, Krankheiten, Umbrüche und gravierende Veränderungen (Jobwechsel, Geburt der Kinder, Umzug, Arbeitslosigkeit, Eintritt in die Rente, Tod eines nahestehenden Menschen, Trauerprozess) und der Wunsch nach Trennung.

 

Überforderte Partnerschaft?

Liebe und Partnerschaft befinden sich in einem Wertewandel: man kann heute zwischen verschiedenen Lebensformen wählen, ja, man muss wählen. „Moderne Beziehungen geraten in gewisser Weise so zu Verhandlungspartnerschaften. Allgemein verbindliche Vorgaben fehlen und so müssen die Partner aushandeln, wessen Pläne Vorrang haben oder welcher Kompromiss für beide akzeptabel ist“, schreibt der erfahrene Paartherapeut Roland Weber.

Heute spielen externe Anker wie Religion, gemeinsame Arbeit (wie früher der gemeinsame Hof), eine gemeinsame wirtschaftliche Basis, enge Kontakte zu Verwandten eine eher geringe Rolle. Paare müssen also das, was eine Beziehung dauerhaft zusammenhält, diese Bindemittel, aus sich selbst heraus leisten. Ein hoher Anspruch an „dauerhaft aufregendes Liebesglück“ tritt oft an die Stelle eines haltgebenden Rahmens. Dieser (unrealistisch hohe) Anspruch löst so manche Beziehungskrise aus.

 

 Nachhaltige Ehetherapie

"Was in der Therapie ist es, das nun nachhaltig auf die Paar- oder Ehekrise wirkt?", fragen Sie sich vielleicht. Zunächst: Die Wahl einer passenden Begleitung. Bevor Sie sich auf eine Therapeutin einlassen, sollten Sie sich informieren. Fragen Sie nach ihrer Ausbildung und Kompetenz. Leider ist „Paartherapeut“ noch kein geschützter Titel. Achten Sie bitte deshalb auf Ihr kluges Unbewusstes. Wenn Sie in der ersten Begegnung nicht das Gefühl haben, bei ihm oder ihr richtig zu sein, trauen Sie ihrem Gefühl. Dann lohnt es sich, weiterzusuchen.

Die Erfahrung zeigt außerdem: Sind Partner bereit und in der Lage, sich auf einer tieferen Ebene mit sich selbst und dem andern zu beschäftigen, wirkt die psychologische Beratung nachhaltiger.

Wir unterscheiden dabei vier verschiedene Ebenen: In der ersten Ebene geht es um die Interaktion des Paares. Sie betrifft vor allem die verbale und nonverbale Kommunikation. Die zweite Ebene umfasst die Lebensorganisation (Wer macht was? Wie ist der Alltag organisiert?). In der dritten Ebene betrachten wir Unerledigtes aus der gemeinsamen Paargeschichte (z. B. seelische Verletzungen, die ein Ungleichgewicht auslösen). In der vierten Ebene nehmen wir Unerledigtes aus der eigenen Herkunftsfamilie in den Blick. Es ist bei Weitem nicht immer nötig, möglich oder gewollt, alle Ebenen einzubeziehen. Doch in aller Regel gilt: Je mehr Ebenen einbezogen werden, umso nachhaltiger gestaltet sich die Erneuerung und umso tiefgreifender geschieht die Veränderung. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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