Naturheilkunde: Wirken Homöopathie und Schüßler Salze auch bei Tieren?

Ob Naturheilkunde auch bei Tieren wirkt, ist unter Experten umstritten (© Azaliya (Elya Vatel) - Fotolia )

Mit dem wachsenden Interesse für Naturheilkunde steigt auch die Anzahl derjenigen, die nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Haustiere mit Homöopathie, Schüßler Salzen oder Bachblüten behandeln möchten. Gleichzeitig sind viele von den zahlreichen Meldungen über Wirksamkeit oder Unwirksamkeit einschlägiger Therapien verunsichert. Deshalb fragte jameda Herrn Altmann, der sich als Pharmazeut, Heilpraktiker und Buchautor intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt, inwieweit Naturheilkunde Haustieren helfen kann und was bei der Anwendung zu beachten ist.

Wirkung
Kritik
Anwendungstipps
Grenzen

jameda: Bei welchen Krankheiten haben Sie mit der Naturheilkunde bei Tieren gute Erfahrungen gemacht?
Herr Altmann: Es gibt kaum eine Erkrankung, die nicht ganz oder als Ergänzung mit Naturheilkunde behandelt werden kann. Allerdings rate ich in den allermeisten Fällen zu einer tierärztlichen Untersuchung und abklärenden Diagnose, weil die Tierhalter selten alleine entscheiden können, was harmlos und was schwerwiegend ist.

jameda: Homöopathie basiert auf dem Prinzip, Ähnliches mit Ähnlichem zu behandeln. So nehmen Fieber-Patienten zur Stärkung der Immunabwehr beispielsweise hochverdünnte Extrakte der Tollkirsche, die roh verzehrt fieberähnliche Symptome hervorruft. Schüßler-Salze wiederum stärken den Mineralhaushalt, während Bach-Blüten das seelische Gleichgewicht verbessern sollen. Welche dieser drei Methoden ist für Tiere am besten geeignet?
Herr Altmann: Ganz klare Antwort: Alle drei Methoden sind für Menschen wie für Tiere hervorragend geeignet und auch miteinander kombinierbar.   

jameda: Kritiker bezweifeln allerdings die Wirksamkeit der Homöopathie, weil es anscheinend keine hochwertigen Studien gibt, die deren Effekt nachweisen. Stimmt das? 
Herr Altmann: Es gibt in der Tat doppelblind-randomisierte Studien, die den über den bloßen Placebo-Wert hinausgehenden Effekt der Homöopathie belegen. Bis heute liegen weit über 200 klinische Studien vor, bei denen mehr als jede zweite ein statistisch beachtenswert positives Ergebnis zeigt.

jameda: Aber laut einer groß angelegten Meta-Studie des australischen National Health and Medical Research Council, bei der 225 Studien und 1.800 Paper analysiert wurden, ist Homöopathie wirkungslos.   
Herr Altmann: Auch 2005 wurde mit hohem medialen Aufwand versucht, das Ende der Homöopathie auszurufen. Ein Forscherteam verglich seinerzeit in einer Metaanalyse 110 Studien zur Homöopathie mit 110 ähnlichen Studien zur konventionellen Medizin. Hierbei war das Resultat zunächst für beide Therapierichtungen positiv. Danach, also in einer weiteren Phase, wurden aber nur noch acht homöopathische mit sechs konventionellen Studien verglichen. Das war in puncto Auswahl - also Steuerungsmöglichkeit- wissenschaftlich nicht korrekt und wurde später stark kritisiert und angezweifelt.

Herr Altmann im jameda-Interview (© Herr Altmann)
jameda: Kritiker sagen, dass Homöopathie nur auf Placebo-Wirkung beruhe. Auch bei Tieren: Wenn der Halter seinem kranken Haustier homöopathische Mittel gibt, ein gutes Gefühl dabei hat und sich um das Tier kümmert, werde es schon aufgrund der liebevollen Pflege wieder gesund. Kann das sein?
Herr Altmann: Das ist fast alles richtig, bis auf das Wort „nur“. „Placebo“ heißt übersetzt aus dem Lateinischen „ich möge (bzw. ich werde) gefallen“. Jede Art von Medizin, ob schulmedizinisch oder naturheilkundlich, wirkt deutlich besser, wenn sich der Patient oder das kranke Tier in einer positiven Stimmung befindet und sich nicht voller Misstrauen und Angst innerlich dagegen sperrt. Und wie in der vorangegangenen Frage erklärt, ist es eben nicht allein der Placebo-Effekt, der verantwortlich ist für die Linderung oder die Heilung.

jameda: Sei es nun Homöopathie oder Schüßler Salze: Wenn sich der Tierbesitzer für eine Methode entschieden hat, wie findet er dann das richtige Mittel?
Herr Altmann: Indem er sich fachlichen Rat einholt und dabei möglichst präzise und ausführlich zum Beschwerdebild seines Tieres befragt wird. Danach richtet sich dann die Auswahl der am besten geeigneten Mittel. 

jameda: Was müssen Patienten bei der Anwendung, vor allem bei der Dosierung beachten?
Herr Altmann: Bitte stets fachlich geschulte Personen fragen, da sonst oft die Wirkung ausbleibt und Enttäuschung und eine Ausbreitung der Erkrankung die Folge sein können! Auch ist eine individuelle Dosierungsanpassung an die jeweiligen Befindlichkeitsveränderungen bereits nach kurzer Einnahmezeit ratsam oder ein anderes Mittel sollte mit hinzugenommen werden.  

jameda: Wo stößt Naturheilkunde bei Tieren an ihre Grenzen?
Herr Altmann: Die Grenze lässt sich nicht klar ziehen, denn die Bereiche der Schulmedizin und der Naturheilkunde überlappen und ergänzen sich oft genug ganz hervorragend.  

jameda: Wann sollten die Tiere zum Arzt?
Herr Altmann: Schwere Erkrankungen können sich leider auch hinter anfangs scheinbar harmlosen Symptomen verstecken. Möglichst bald also, wenn die Beschwerden sich nicht rasch bessern, um eine sichere Diagnose zu erhalten, auf die dann eine zusätzliche Naturheilkundebehandlung sinnvoll aufbauen kann.

jameda: Vielen Dank für das Interview! 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (1)

Hans M., 07.11.2019 - 14:28 Uhr

Bin genau dieser Meinung! Aus eigener Erfahrung.

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